Unter dem Schnee

Nun grüne Berghänge, Bäume, Wiesen, die ich sah, als ich, die Decke noch in der Hand, aus dem Fenster blickte. Der letzte Schnee war geschmolzen. Endlich, nach drei Monaten zumeist eingeschneit hier in einer Hütte irgendwo in den Schweizer Alpen. Ich wollte nur weg. So hatte ich mir das zu Beginn unserer Zeit hier oben nicht vorgestellt.
„Kommst du endlich runter?“
„Sofort“, rief ich und griff nach meinem Bademantel, der auf dem Hocker neben dem Ofen lag und stand mühsam auf. Es roch nach kalter Asche. Die Glut vom Feuer des vorigen Abends war längst schon erloschen. Ganz klamm und mit steifen Gliedern tastete ich mich die kalten Füße voran langsam die wackelige Leiter hinunter. Mir war flau im Magen. Heute sollte also unser letzter Tag hier oben sein. Drei endlose Monate waren genug. Vieles war genug. Ich hatte es verstanden, gründlich. Jede Stunde der letzten Wochen hatte mich dem Entschluss näher gebracht, ihm doch, es musste noch heute sein, die Wahrheit zu sagen.
„Du weißt schon, Cedric, dass wir weit fahren müssen?“, hörte ich Cecil fragen.
Er ahnte natürlich nicht, dass es entgegengesetzte Richtungen sein sollten, in die wir fahren würden, nachdem ich ihm alles erzählt hätte. Doch bevor ich das konnte, jetzt am letzten Tag, am Ende dreier langer Monate in dieser Abgeschiedenheit, von denen ich mir so viel versprochen hatte, explodierte die Hütte.

Ende

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Ein Gedanke zu “Unter dem Schnee

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