V. Von wichtigen Reisen mit rotem Schal – weitere langsamere Überleitung

„My english is very good“. Unser gelegentlicher Begleiter grummelt das. Glaubt das. Reicht das? Er schläft viel, liest niemals Shakespeare, will jetzt aber, in ein paar Wochen also, eine große Reise machen. Dafür lernt er mit Hilfe von amerikanischen Serien die englische Sprache. Er hat bei diesen Lektionen viel über Messer und Explosionen gelernt, aber nicht die Sprache. Es muss an der Synchronisation liegen, glauben Marcel und ich. Wir wissen, wohin er fahren will und schlagen deshalb Portugiesisch vor. Er kennt keine portugiesischen Fernsehserien und lehnt ab. Angst haben wir nicht um ihn. Er hat sich immer durchschlagen können. Wir oder zumindest Marcel sind Männer des Wortes. Unser gelegentlicher Begleiter ist überzeugend nicht durch Worte. Manchmal aber setzt er sich ganz seltsame Dinge in den Kopf, die sich da nicht wohl fühlen. Er ist ein wenig wilder als normal ist. Er ist ein guter Freund, dennoch ein Abweichler und Ausscherer. Verstand? Nun ja, kein zivilisierter. Ein großes Herz, das sicher. Ganz sicher aber große Leidenschaften, die nicht immer die langlebigsten sind. Die eine gerade aktuell riesengroße gilt der kroatischen Fussball-Nationalmannschaft. Wenn man ihm eine kleine Freude machen will, schenkt man ihm ein Paninibild von Modric. Eine große Freude, dann ein Flugticket nach Brasilien. Das Verrückte ist dabei, er kennt die gar nicht, kommt aus einer völlig anderen Gegend, von irgendwo weit dahinter, ist aber Feuer und Flamme, dreht völlig durch, rennt durch die Gegend und schreit „Hrvatka, Hrvatka, Modric, Modric!!!“. Ich lebe mittlerweile ganz gut damit, habe sogar unserem gelegentlichen Begleiter einen roten Fan-Schal geschenkt. Darin liegt er jetzt die meiste Zeit, eingewickelt wie Falafel in Teig fünf Tage die Woche herum und schläft, träumt dabei von seiner Mannschaft. Marcel und ich lächeln dazu. Mitkommen werden wir nicht können. Wir haben ja dieses Projekt, suchen gerade in einem sehr dicken und ernsten Buch von einem „Mann der Hunde liebte“ nach Trüffeln, finden bislang aber keine, was keine Kritik ist, ganz und gar nicht. Trotzdem, es muss sich endlich entwickeln. Wir denken aber, wir können unseren gelegentlichen völlig aliterarischen Begleiter für den Juni entbehren. Ob er allerdings hinkommt, ist ein anderes Thema. Sein Englisch wird es bis dahin nicht schaffen, soviel ist sicher. Ein „farewell“ werden wir uns also sparen können. Wenn er es aber nur nicht verschläft. Tränen und Gezeter wären nicht zu vermeiden.

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