Literarisches Palmgold

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Es gibt  reichlich Literatur zu allerlei Früchten, doch vieles davon stellt sich bei genauerem Blick schnell als Fallobst heraus. Nicht aber dieses meisterhafte Stück konkreter Prosa. Wie schon in ihren früheren Werken „Rettich“, „Butterbrot“ und vor allen Dingen „Dörrpflaume“, das vor zwei Jahren den De-Marca-Literaturpreis der Stadt Lüdenscheid bekam und von zahlreichen Literaturkritikern und Hobbyköchen als „epochal“ und „maßgeblich“ eingestuft wurde, gelingt es den Autoren mit „Bananen“, ohne große Probleme an diese Werke anzuknüpfen, ja an manchen Stellen selbige sogar zu überbieten. Wer Klarheit und Stringenz in der Literatur liebt, wird hier nicht enttäuscht. Wenn die Autoren zu Beginn dem Leser Geschichte und Ursprung der Banane in dichter Sprache näherbringen, dann gibt es wohl kaum einen, der nicht sogleich den Drang verspürt, es seinen Vorahnen gleichzutun und auf den nächsten Baum zu klettern, um sich seinen Anteil vom Palmengold zu pflücken. Doch bitte sitzenbleiben, das war nur der Aufgalopp, denn was in den folgenden Kapiteln für ein poetisches Panorama vor dem Leser ausgebreitet wird, sucht in der deutschen Literatur wohl seinesgleichen und es darf hier die Frage erlaubt sein, warum nicht bereits ein Mann, ein Hesse oder ein Böll solche Schätze für den Leser hat heben können. Doch für große Literatur ist es ja niemals zu spät. Bananen mögen verderblich sein und vergammeln, ihre Poesie, so wie sie hier zu finden ist, wächst mit jedem Tag. Gleich das Kapitel über Currybananen hat mir auf’s Angenehmste das Maul gestopft. Hier wird nicht mit feinsten Zutaten gegeizt. Doch immer bleibt Sprache und  Inhalt schmackhaft und verdirbt nie den ästhetischen Magen. Alles bleibt verdaulich. Gleichzeitig vermeiden es die Autoren auf’s Trefflichste, ins Allzu-Leichte abzudriften. Ein Makel, wie er zahlreichen Werken der jüngeren Vergangenheit anhaftete. Da werden ohne Not Kalorien ins Feld geführt und dabei vergessen, dass dem Literarisch Interessierten viel mehr zuzutrauen ist, als halbgare Diäten. So ein Fehler, wie beim Machwerk „Koteletts und Schnitzel“ des niederländischen Autors Majo un Fritten, wird dem Leser aber hier zum Glück vorenthalten. Im Gegenteil, da folgt poetisch-genussvoll Höhepunkt auf Höhepunkt. Besonders hervorzuheben, wenn das möglich ist, möchte ich hier Kapitel 22, „Lachs im Bananenblatt“, in dem auf genialste Weise Fisch und Leser eingewickelt werden. Wen wird bei der Lektüre dieses Kapitels, so wie es dem Rezensenten passiert ist, nicht die Traurigkeit überkommen, nicht eingewickelt bleiben zu können? Die Stärke des Eindrucks ist in diesem Kapitel so gewaltig, wie bei keinem Stück Prosa der letzten 50 Jahre zuvor. Aber ganz sicher wird jeder Leser sein eigenes Lieblingskapitel finden. Wofür es in diesem Buch zahlreiche Kandidaten gibt.  Zudem zeichnet dieses Buch aus, nicht dem Irrtum zu verfallen, eine Antwort auf die Frage finden zu müssen, warum die Banane krumm ist. Es ist eine Frage ohne Belang angesichts der Wahrheiten, die das Autorenteam aus diesem Stoff zu bergen imstande war.

Dieses Werk, bei dem mich besonders seine phänomenologisch-psychologische Herangehensweise vollständig begeistern konnte, darf  in keiner gut sortierten Bibliothek und Einbauküche fehlen. Mich hungert und schwer fällt es mir, auf die Werke warten zu müssen, die da noch zu erwarten sind.

Guten Appetit.

(Rosenblatt/Meyer/Hailer, Bananen, ISBN 3-03780-198-0)

 

 

 

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10 Gedanken zu “Literarisches Palmgold

  1. Trefflichst rezensiert, werter Herr Hund, obgleich ich bis zum Schluß tatsächlich eine Antwort auf die Fragen aller Fragen zu finden hoffte. Für viele mag sie ohne Belang seyn, für mich als Ostkind jedoch geradezu bekümmernd. Ob sie krumm ist, ist mir wurscht, die Frage lautet: Wie schäle ich eine Banane? Bitte, enthält dieses epochale Werk irgendeinen Hinweis auf dieses Rätsels Lösung? Augenbrauenrunzelnde Grüße, Ihre Frau Knobloch.

    • Spoilerwarnung!!!! Auf die denkbar einfachste Weise lässt sich eine Banane schälen……Sie müssen nur….Nein, kaufen Sie das Buch! Es hängt ja meine Provision dran. In Finnland und beim Bäcker soll es noch Exemplare geben. Das sag ich aber nur Ihnen. Und sagen Sie, ich hätte Sie geschickt.

      • Danke, lieber Herr Hund. Ich dachte schon, die Apothekerin hätte mich eiskalt angelogen mit ihrer Verneinung auf mein Buchgesuch! Muß ich wohl nochmal hin, meine Tirade war dann unangemessen. Bäcker, schreiben Sie? Mist, hier gibt es fußläufig nur noch diese dösigen Backshops, die mit der gebackenen Papppampe. Papppampengebäck, gnihihi. Ach, ich verplaudere mich…ist es wohl auch beim Konditor erhältlich? Ich sah ihn letztens mit Bananaküchleyn werben…

      • Muss ich von abraten: Das Küchlein vom Konditor ist wahrscheinlich ein Plagiat und billiger Asien-Import. Es soll bei Iiiiih-Bäääääh ab und zu welche geben, die man für gutes Geld, also ein Monatsgehalt (also nicht meins, natürlich), ersteigern kann….ich muss jetzt arbeiten, sonst hat sich das mit dem Monatsgehalt. Auf der anderen Seite, ich habe ja ein Exemplar. Was brauche ich da noch Monatsgehälter?

      • Da stehe ich nun, Bananenschälanweisungslos, ich armer Tropf. Tropfine, um bei der geschlechtsspezifischen Wortwahl zu bleiben. Plagiatsküchleyn sind doof, Iiiiih-Bäääääh ist selbiges für mich und die einzige Möglichkeit, nämlich daß der Herr Hund mir die wichtige Textpassage vorliest, geht in die Binsen, da der Herr ja dem schnöden Mammon nachjagen muß. Als ob das wichtiger wäre, als das Ende meiner Pein! Können Sie sich das vorstellen?! Da wird man in eine Bananenrepublik geworfen, so als unbedarfter Ossi und steht ratlos jahrelang vor den Krummgelbdingern und wird sanft belächelt. Ach…

      • Weil es mir so unkultiviert erschien, wollte ich Ihnen die so simple Lösung nicht einfach so anäußern. Da Sie mich aber bedrängen und wahrscheinlich auch keine Ruhe geben werden, hier also die Lösung, so wie sie, natürlich in poetischer Form und deshalb nicht ganz eindeutig, beschrieben ist: die Schale wird mitgegessen. Was im Grunde nahe liegt, weil damit ausgeschlossen werden kann, auf dieser später auszurutschen.

      • Herr Hund! Ein Kleinrügchen! Weil jetzt verbananeln Sie mich doch! Zwar deucht mich die mitgelieferte Erklärung der Ausrutschungsverhinderung logisch, jedoch die Schale mitzuessen, ich weiß nicht. Warum lägen denn dann überall solche Ausrutschfallen rum? Verschmähen die Leute alle Fastfünfzigprozentfrucht, nur aus Boswilligkeit? Diese Bananenrepublik wird mir immer suspekter.

      • Ich hatte Ihnen es nur so mitgeteilt, wie ich es in besagtem Werk vorfand. Mich hat es überzeugt, denn es ist durch die Kapitel zuvor glaubhaft motiviert. Es hilft nichts, Sie müssen das ganze Werk lesen.

      • Schon gut, ich gönne Ihnen ja Ihr zusätzliches Monatsgehalt. Fahre ich eben nach Finnland, um ein Exemplar zu erstehen. Brauche ich da ein Gespann für den Schlitten, Herr Hund? Wenn Sie die Güte hätten, den Leithund zu geben…

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