Morgen das letzte Mal: Hundehaufen mit Kirsche

Bis morgen Abend können in Lüdenscheid in der Stadtbibliothek noch die ausgestellten Werke des Provokationskünstlers Dei Wau Wau bewundert werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung des südfriesischen Künstlers (den chinesisch klingenden Namen hatte sich der Südfriese nach einer durchzechten Nacht im Sommer 2011 in Anspielung auf einen von ihm sehr bewunderten chinesischen Künstler zugelegt, und seinen bürgerlichen Namen kurze Zeit später bei Ebay versteigert) stand dabei die Installation „Hundehaufen mit Kirsche“. Für diese Installation, die in Kultur- und Kritikerkreisen heftigste Diskussionen auslöste, verwendete Wau Wau 5999 lebende Hunde und eine Kirsche. Ursprünglich sollten es 6000 Hunde sein (eine weitere Reminiszenz an den Verehrten), aber einer konnte sich losreißen und soll sich mittlerweile auf dem Weg nach Südkorea befinden. In einer fünf Wochen dauernden Aufbauarbeit im letzten Herbst stapelte und schichtete der Künstler mit Hilfe seiner Assistenten die 528 Pudel, 344 Dackel, 122 Rottweiler, 440 Pitbulls, 827 Yorkshires, 12 Cocker-Spaniels, 767 Möpse,  488 Dalmatiner, 950 deutsche Schäferhunde, 501 deutsche und 602 dänische Doggen, sowie 418 Labradore und die eine Kirsche auf äußerst kunstvolle Weise zu einem 75 Meter hohen Gebilde. Ursprünglich hatte der Künstler vor, die Materialien miteinander zu verschweißen, nahm dann allerdings nach heftigsten Protesten des deutschen Veterinärverbandes und einer Gruppe älterer Damen, die sich donnerstags in einem Cafe in der Nähe der Stadtbibliothek immer zum Canasta verabreden und um ihre und die Seelenruhe ihrer in Handtaschen mitgebrachten vierbeinigen Lieblinge fürchten mussten, sollte das infernalische Jaulen der verschweißten Hunde zu laut werden, davon Abstand. Ohne diese Maßnahme wurde aus dem ganzen Vorgang des Schichtens und Stapelns eine äußerst diffizile und heikle Angelegenheit. Erschwerend hinzu kam, dass man von dem Künstler verlangte, mindestens alle vier Stunden mit seinen „Materialien“ Gassi zu gehen, was der gesetzlichen Vorgabe für Hunde und Hundeähnliche entspricht. Dem kam Wau Wau unter Zähneknirschen auch nach, war aber genötigt, dafür weitere Mitarbeiter anzustellen, was ihn an den Rande des Ruins brachte. Im Übrigen führte diese Vorgabe dazu, dass sämtliche Grünanlagen und Gehwege der Stadt Lüdenscheid wohl auf Jahre nicht mehr verwendet werden können. Aber das nahmen Stadtrat und Bürgermeister gerne in Kauf, denn durch die Ausstellung, die genau einen Tag, nachdem der Künstler das letzte Detail seiner Arbeit, die Kirsche, zuoberst auf die Nase einer der dänischen Doggen setzte, eröffnet wurde, konnte  die Stadt Lüdenscheid einen enormen Prestigegewinn und in dessen Folge einen wirtschaftlichen Gewinn erwarten, der kurze Zeit später auch tatsächlich eintraf. Dabei kam es beinahe noch, eine Stunde bevor die Türen für die Besucher geöffnet werden sollten, zu einer Katastrophe, nachdem sich eine Katze unbemerkt  in die Ausstellungsräume schleichen konnte. Zum Glück für die Kunst passierte außer einem vernehmlichen Knurren der Materialien nichts weiter. Nur die Kirsche musste durch die Vibrationen der Hundeleiber von der Nase der Dogge gekullert sein, konnte aber rechtzeitig wieder gefunden und platziert werden. Und seit der Eröffnung letzten Herbst kam es auch zu keinen weiteren Turbulenzen. Einzig, dass an jedem Tag der Ausstellung nach nur vier Stunden wieder geschlossen werden musste wegen der vorgebenen gesetzlichen Entleerung und des anschließenden Wiederaufbaus, machte es den Besuchern nicht gerade leicht, sich auf das Kunstwerk einzulassen. Trotzdem wurde die Ausstellung zu einem vollen Erfolg.

Tatsächlich auch für den Künstler? Mittlerweile sollen zwar erste sehr lukrative Kaufangebote bei Wau Wau eingegangen sein. Doch ab morgen geht Wau Wau mit seiner Installation, verteilt auf zwölf Kipplaster, erst einmal auf Tournee. Dabei stehen mit Hamburg, Berlin und Zürich die ersten Stationen fest, bevor es 2016 nach Übersee gehen soll.

Und vielleicht kann bis zum Ende der Reise geklärt werden, was es mit dieser verdammten Kirsche nun auf sich hat. Der Künstler jedenfalls schwieg sich bislang darüber aus, dieser Spinner.

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21 Gedanken zu “Morgen das letzte Mal: Hundehaufen mit Kirsche

    • Das Lob ist zu groß. Der Mann zu weit über mir, zu sehr verehrt von mir, als dass es mir angenehm sein dürfte, mit ihm verglichen zu werden.
      Aber ich nehme das Lob, stecke es in die Waschmaschine, lasse es durchlaufen bei 95° Celsius, dann hat es vielleicht VIELLEICHT!!! die angemessene Größe. Dafür meinen Dank.

      • Das ist ja hundsgemein! Eben hat es geklingelt und weißt Du, wer dort war? Ein Hund, Schäferhund, mit Krawatte im schicken Anzug. Er hat mich gefragt, wo heute das Spiel gegen Italien gezeigt wird. Da habe ich ihm den Vogel gezeigt, also der beim Nachbarn von unten im Fenster steht. Da hat er gewedelt vor Freude, der Vogel, dass er so viele Zuschauer heute bekommt. Meine Katzen sieht der Vogel nicht so gern, das hat er mir schon mal gebeichtet. Aber mit einem Hund, hat er gesagt, mit einem Hund darfst Du gern mal herkommen und mir Hallo sagen. „Und was mache ich jetzt?“ fragte mich da der Hund. Ich schlug vor: „Philosophieren oder bloggen oder beides“. Er lockerte die Krawatte, schaute in den Himmel und sagte: Hund und Philosoph – passt das denn? Und da habe ich gesagt: Ja, das passt sehr gut sogar. Ich kenne sogar schon einen. Da hat er natürlich weiter gefragt, das hat ihn interessiert und er hat wieder zu wedeln angefangen. „Ich will das sehen!“ hat er gebettelt. Da habe ich Dein Blog aufgerufen und er hat begeistert zu Lesen begonnen. „Ich könnte auch Teil eines Kunstwerks werden!“ freute er sich. Und ich nickte. Dann bedankte er sich und verabschiedete sich. Ach so, der letzte Satz muss lauten: Dann war der Hund los.

        🙂

        (Genug Hunde?) 🙂

      • Der Vogel von meinem Nachbarn zwitschert mir gerade, dass gleich das Frankreich-Spiel anfängt. Sie sehen, Herrenhunde und Nachbars Vögel sind überall gleich. Und ich muss folgen. Bis später.

        P.S. Und bitte weiterspielen…..mit Worten.

      • Das war nicht der Vogel, – das war der schick angezogene Schäferhund. Der ist nämlich außerdem noch Fremdsprachenlehrer. Für Vögel. Und nun klingt es, als hätte der Vogel etwas gezwitschert, es war aber der Hund. Der Vogel ist gerade zu Aldi. Hundefutter kaufen. Und Leckerlies.

      • Ziemlich viele Vögel und Hunde, Gezwitscher und Gejaule. Man verliert leicht den Überblick.

        Eigentlich die Katze im Text bemerkt?

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