IX. Welt an Begleiter: wir brauchen Dich! – 1. kleines Drama

Es hätte so ein schöner Tobe-Sommer werden können. Nun hatte sich unser gelegentlicher Begleiter und Freund verkrochen. Er wollte die Welt einfach nicht mehr mögen. Die kleine Welt seines Rudels ihn schon. Weiterhin. Doch selbst seinem Rudel war es bislang nicht gelungen, ihm seine Tränen zu trocknen. Immer wenn einer mit dem Taschentuch kam, verbarg er sich hinter leichtem Knurren. Wir hätten ihm Spatzen ausnahmsweise servieren können, es hätte nichts geholfen. Selbst Wagenladungen Bamberger Hörnchen hätten seiner Trauer nicht Herr werden können. Allerdings gegessen hätte er sie schon. Die hypothetischen Spatzen, wahrscheinlich kein schöner Anblick.  Vorspeise Bamberger Hörnchen, Hauptspeise Spatz gefüllt mit Bamberger Hörnchen, Nachspeise Vorspeise mit Hauptspeise.  Sehr sehr trauriger gelegentlicher Begleiter wäre satt gewesen, einmal richtig satt gewesen und hätte sich nach der Mehrgänge-Mahlzeit dennoch in seine Höhlen verzogen, ein wenig wimmernd nur und manchmal versteckt rülpsend. Das wär schon OK gewesen , ist ja er, unser Lieblingsrabauke. Das Aufstoßen wäre zu erwarten gewesen, das Weinen und Wimmern, unsere Hilflosigkeit, schlägt uns jetzt allerdings selbst auf’s Gemüt. Marcel hat keine rechte Freude an seiner Nacktheit und ich keinen Anlass zum Tollen. Ohne den Wilden in seiner Höhle ist Übermut und Freude daran ein wenig fad.

Aber wir können es ja nicht ändern, seine Kroaten nicht mehr ins Spiel bringen. Da ist kein Reinmogeln mehr. Die kommen nach Hause. Komm du wieder heraus, trauriger Kumpan! Wir sind so unvollständig ohne Dich! Und gerade als wir uns vor seine Höhle stellen und gemeinsam die ersten Zeilen seines Lieblingslieds singen,

„And now the end is near
And so I face the final curtain
My friend, I’ll say it clear
I’ll state my case of which I’m certain
I’ve lived a life that’s full
I’ve travelled each and every highway
and more, much more than this
I did it my way….“

erscheint vor dem Fenster seit langer Zeit wieder mal ein Spatz. Mutiges Kerlchen. Und da in der Höhle regt sich etwas. Auf einmal wissen wir, keine Trauer bleibt zu lange. Wir glauben fast, es könnte doch noch ein schöner Sommer werden.

Schön, zusammen zu sein. Auch wenn manchmal sich einer in seine Höhle verkriecht und Tränen fließen.

 

 

 

 

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6 Gedanken zu “IX. Welt an Begleiter: wir brauchen Dich! – 1. kleines Drama

  1. Bamberger Hörnchen! Ich meine BAMBERGER HÖRNCHEN! Damit würden Sie mich aus der Sesamöffnedichhöhle holen, lieber Herr Hund. Sogar Mitohnesesampasswort. Bamberger Hörnchen, hach…

      • Kenne? Mögen? Stellen Sie mir einen Topf dieser bonfortionösen Kokoschka hin, dazu ein wenig Butter und frisches Salz und Pfeffer…es gibt wenig, was mich magentechnisch so glücklich macht.

      • Salz und Pfeffer? Butter? Ich denke fast, wir reden von zwei verschiedenen Dingen. Die, die ich meine, wurden mir von meinem ehemaligen Bäcker unter diesem Namen als Blätterteighörnchen mit Nussfüllung offeriert. Habe nachgeschaut. Sie meinen wahrscheinlich die Kartoffel. Wer hat hier wen kopiert? Egal ob beides wohlschmeckend, für irgendjemanden hat das juristische Konsequenzen.

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