Weltliteratur (und alles Andere) bei etwas anderem Verlauf der Evolution

„Als das Insekt eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand es sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Gregor Samsa verwandelt.“

Und wenn wir (Un-)Glücklichen der Evolution ehrlich sein können, so sehr viel anders ist es auch nicht gekommen, wir wollen uns ja nicht kleinkariert in Details verlieren, nicht wahr? Abgesehen davon, was nützt einem Weltliteratur, wenn man es noch immer nicht gelernt hat, wie die Kakerlake Atomkriege zu überleben? Wer ist hier wem voraus? Ein schöner Morgen für ein Insekt ist es da, zu einem Menschen herabgestuft zu werden. So fängt der Tag gleich gut an. Da kann das Insekt nur hoffen, dass nicht an einem solchen Tag die Menschen ihre Streitereien nicht mehr in den Griff bekommen, so ein Samsa ist schließlich furchtbar zimperlich und verletzlich.

Schlaf wieder ein, kleiner Krabbler, ist nur ein Traum gewesen. Wenn du wieder aufwachst, hat dich die Evolution wieder auf den richtigen Platz gestellt und deine und Gregor Samsas Geschichte kann wieder wie gehabt Sternchenthema für brave Schüler sein.

 

IX. Welt an Begleiter: wir brauchen Dich! – 1. kleines Drama

Es hätte so ein schöner Tobe-Sommer werden können. Nun hatte sich unser gelegentlicher Begleiter und Freund verkrochen. Er wollte die Welt einfach nicht mehr mögen. Die kleine Welt seines Rudels ihn schon. Weiterhin. Doch selbst seinem Rudel war es bislang nicht gelungen, ihm seine Tränen zu trocknen. Immer wenn einer mit dem Taschentuch kam, verbarg er sich hinter leichtem Knurren. Wir hätten ihm Spatzen ausnahmsweise servieren können, es hätte nichts geholfen. Selbst Wagenladungen Bamberger Hörnchen hätten seiner Trauer nicht Herr werden können. Allerdings gegessen hätte er sie schon. Die hypothetischen Spatzen, wahrscheinlich kein schöner Anblick.  Vorspeise Bamberger Hörnchen, Hauptspeise Spatz gefüllt mit Bamberger Hörnchen, Nachspeise Vorspeise mit Hauptspeise.  Sehr sehr trauriger gelegentlicher Begleiter wäre satt gewesen, einmal richtig satt gewesen und hätte sich nach der Mehrgänge-Mahlzeit dennoch in seine Höhlen verzogen, ein wenig wimmernd nur und manchmal versteckt rülpsend. Das wär schon OK gewesen , ist ja er, unser Lieblingsrabauke. Das Aufstoßen wäre zu erwarten gewesen, das Weinen und Wimmern, unsere Hilflosigkeit, schlägt uns jetzt allerdings selbst auf’s Gemüt. Marcel hat keine rechte Freude an seiner Nacktheit und ich keinen Anlass zum Tollen. Ohne den Wilden in seiner Höhle ist Übermut und Freude daran ein wenig fad.

Aber wir können es ja nicht ändern, seine Kroaten nicht mehr ins Spiel bringen. Da ist kein Reinmogeln mehr. Die kommen nach Hause. Komm du wieder heraus, trauriger Kumpan! Wir sind so unvollständig ohne Dich! Und gerade als wir uns vor seine Höhle stellen und gemeinsam die ersten Zeilen seines Lieblingslieds singen,

„And now the end is near
And so I face the final curtain
My friend, I’ll say it clear
I’ll state my case of which I’m certain
I’ve lived a life that’s full
I’ve travelled each and every highway
and more, much more than this
I did it my way….“

erscheint vor dem Fenster seit langer Zeit wieder mal ein Spatz. Mutiges Kerlchen. Und da in der Höhle regt sich etwas. Auf einmal wissen wir, keine Trauer bleibt zu lange. Wir glauben fast, es könnte doch noch ein schöner Sommer werden.

Schön, zusammen zu sein. Auch wenn manchmal sich einer in seine Höhle verkriecht und Tränen fließen.

 

 

 

 

Wie lerne ich zu schreiben wie Herr Hund? Lektion 1.

Es ist wahrscheinlich von allergrößtem Interesse, einmal dabei zu sein, wie ein Meisterwerk entsteht. Und genau das habe ich hiermit vor. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, mitverfolgen zu können, wie dieses Werk wächst und wächst. Und zu schauen und zu lernen. Ich weiß sehr wohl, wie hilfreich es sein kann, von einem großen Meister zu lernen. Ich war zwar auch mal ein blutiger stümpernder Schreiberling, hatte aber nie einen Lehrer, der mich an die Hand genommen hätte, so wie ich jetzt euch. Alles, wirklich ALLES habe ich mir selber beibringen müssen. Das war harte, heroische Arbeit und nicht jeder ist dafür gemacht. Ihr müsst euch diese Frage nicht mehr stellen, denn nun habt ihr mich. Ihr seid alle, so wie ich es teilweise habe feststellen dürfen, über die Maßen talentiert. Mit dem einen, der leider nicht ganz mithalten kann, spreche ich noch persönlich. Vielleicht wird aus ihm (oder ihr) ja noch ein ganz passabler Feuilletonchef bei der Zeit oder bei Sport-Bild. Das sehen wir dann aber. Jetzt geht es ja um euch, große, mir nachfolgende Jungautoren. Schaut also genau hin und lernt, wie ich es mache, Schritt für Schritt, Lektion 1:

 

Als……..

 

(Die weiteren Lektionen sind dann folgend immer dienstags, gleiche Zeit. Bei Änderungen bitte zukünftig immer Aushang beachten. Falls einer nicht können sollte, aus welchen Gründen auch immer, bitte eine schriftliche Entschuldigung für diesen Tag im Sekretariat abgeben. Wir holen den Termin dann nach. Und bitte nächstes Mal die Kursgebühren mitbringen. Einige haben noch nicht bezahlt)