Vom Durchbrechen der Schall- und Rauchmauer

Die geistige Höhe meiner Gedanken stimmt. Die Geschwindigkeit, mit der ich meine Worte fliegen lasse, ebenso. Und eigentlich müsste nun ein Knall zu hören sein. Na, wo ist er? Warum so still? Ich sehe die langsam verschwindenden Kondensstreifen meiner kreativen Triebwerke, also gab es wohl diese Flüge. Doch außer vernehmbarem Gezwitscher kein Knall zu hören. Ich bleibe unter der Schallgrenze.

Der Flugplatz für meine Testflüge liegt etwas abseits. Dort kann ich ungestört arbeiten, die Maschinen immer weiter verbessern. Von dort aus hebe ich täglich ab, mache Ausflüge in die Gegend, fliege Loopings, drehe Schrauben in den Himmel. Ich überfliege in großer Geschwindigkeit Berge, Schluchten, karge Landschaften oder Gärten. Manchmal eine kleine Siedlung. Nicht immer kann ich alles genau erkennen.

Irgendwann, meist sehr schnell schon, habe ich keinen Treibstoff mehr. Dann kehre ich um, zu dem kleinen Flugplatz mit seinen kleinen Hangars, dem verfallenden Tower, der einen Start- und Landebahn. Für das eine Flugzeug, das ich besitze reicht es aus.

Nie kam ich über den Radius der Reichweite meines kleinen Flugzeugs hinaus. Es blieb bei kurzen Rundflügen. Immer kehrte ich zu mir zurück. Auf dem Radar wird man das kleine Flugzeug nicht sehen können. Aber es flog. Ganz bestimmt. Vom Boden aus kann ich im Himmel noch die Spuren sehen, zwischen Wolkengebilden, die länger schon unterwegs sind, langsamer aber weiter vorankommend, bis sie irgendwo anders, weit entfernt, ihren Niederschlag finden.

Das sollte nichts sein, was mich traurig macht. Ich besitze ein kleines Flugzeug und drehe Schrauben in den Himmel und kehre zurück zu mir selbst, jedesmal.

Bild

 

 

Advertisements

13 Gedanken zu “Vom Durchbrechen der Schall- und Rauchmauer

    • Vielen Dank Dir. Und darf ich sagen, dass mir in diesem Text nach meinem Gefühl mein bislang schönster Satz gelungen ist. Er gefiel mir zumindest sehr gut und drückte genau das aus, was ich sagen wollte.

      • Verehrter Herr Hund,ich bezog mich nicht auf die Nachtaktivität der Tiere.Vielmehr auf ihren Beinamen. Fliegende Hunde.Ihren Schalk vorraussetzend, unterliess ich die Erklärung. Vergeben Sie’s. Ihnen zufliegende Grüße.Arabella

  1. Guten Morgen lieber Herr Hund! Ich finde hier SO VIELE schönste Sätze.Die werden automatisch zu Glücksmomenten! Selig lächelnd schicke ich einen lieben Gruß,Mensch Päddra

  2. Wunderbare Sätze fürwahr. Immer zu sich selbst zurückkehren, das klingt schön, doch bedeutet es, dass man im Flug ausser sich ist, weit weg vom Ich? Jedenfalls und überhaupt, nein, das sollte nichts sein, was traurig macht. Im Gegenteil…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s