Selbstanzeige gegen Unbekannt – ein kurzer Anfall von Philosophie

Ich könnte Beweise vorlegen, dass es mich so nicht gibt. Noch heute morgen vor dem Badezimmerspiegel fand ich mich bestätigt. Nichts fand sich darin verändert vor. Wer ist dieser Jemand also, der sich da für mich ausgibt? Und die Sätze sagt, die mir nie in den Sinn kommen würden? Dieser Jemand ist albern und macht unaufhörlich Witze. Gäbe es mich selbst, würde ich nicht so den Hanswurst machen. Das erscheint mir unangemessen. Meine Interessen würden sich ernsteren Themen zuwenden, dem Gartenbau etwa.

Darum geht es jetzt aber nicht. Mir ist dieses Festlegen meines Selbst, das so nicht aktenkundig ist, äußerst unangenehm. Gott, ich wäre doch zumindest vorher zum Friseur gegangen. Meine Hosen sind auch ganz abgetragen. Dieses mein Recht auf verbriefte Nichtexistenz und all seine Annehmlichkeiten wurde auf das Schändlichste verletzt. Jetzt, wo dieses Individuum, das ich sein soll, mich so in Szene gesetzt hat, wie einen Kasperl („Seid ihr alle da? Ich wäre es aber gerne nicht und war es auch bestimmt nicht so“), sich die Anderen und auch ich selbst bereits ein Bild haben machen können, bin ich abgeschnitten von allem, was vorher nicht gewesen ist. Hinein nun und immer weiter so.

Kennen Sie den? So fängt nicht immer ein guter Witz an. Ich kenne ihn, der ich sein soll, nicht, auf die Pointe will ich nicht warten.

Also bei wem bin ich richtig zu einer Anzeige? Mir gleich, ob es schwierig werden wird, seiner, der ich sein soll, habhaft zu werden. Die Anzeige ist auf jeden Fall statthaft und hiermit ausgesprochen. Mir selbst gegenüber. Der nächst höheren Instanz.

(Das war jetzt vielleicht zu philosophisch. ich entschuldige es damit, dass ich das auch nicht bin. Kann sich aber noch ändern.)

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34 Gedanken zu “Selbstanzeige gegen Unbekannt – ein kurzer Anfall von Philosophie

  1. Schönen guten Tag, lieber Herr Hund!

    Wie jämmerlich,nur EIN bestimmtes Alter zu haben!
    Man möchte gleichzeitig zweierlei Alter haben und es wissen.
    „Wie alt sind Sie?“ – „27 und 65.“ Und Sie?“ – „41 und 12.“
    Aus diesen Doppelaltern wären neue und verlockende Formen des Lebens abzuleiten.
    (geklaut bei: Elias Canetti,“Die Provinz des Menschen“)

    Viele liebe Grüße,Mensch Päddra,48 und 10 🙂 (47 und 11 wäre jetzt mißverständlich gewesen)

    • Hilfe. Ich gestehe,obiges Zitat nur als Fragment gelesen zu haben,in einer Reclamsonderausgabe von 1992.Sind viele kluge und schöne Gedanken drin.Natürlich auch alle schon einmal,und immer wieder gedacht. 🙂 Von Canetti habe ich nur die Blendung gelesen,“Die gerettete Zunge steht noch ungelesen im Regal.
      Das von Wolkenbeobachterin empfohlene“Liebe Dein Symptom“, von S.Zizek habe ich mir mal notiert das hört sich interessant an.Danke und auf Wiederlesen

      • Hallo Päddra, unbekannterweise.

        Schau mal in die Doku rein, – dann machst Du erste Bekanntschaft mit Herrn Zizek und seinen Theorien. Zizek hat übrigens auch Filmkritiken verfasst und darüber gibt es auch einen Film von und mit ihm, in dem er bekannte Filmszenen nachgestellt hat, mit sich selbst als Schauspieler. Ebenfalls sehr empfehlenswert.

        Besagtes Buch von Zizek, das mit den Symptomen, liest sich etwas sperrig. Es sei dennoch empfohlen.

        Lieben Gruß von der Beobachterin

      • Liebe Wolkenbeobachterin! Ich hab schon mal kurz reingeschaut,eigen und interessant,der Herr Zizek und seinen Philosophie.Ich danke sehr.Lieben Gruß zurück ,Päddra

      • Diese Doku schon. Eine andere habe ich mir auch angesehen und ein paar weitere Clips auf den Videokanälen. Und ein Buch, passend zum Filmtitel „Liebe dein Symptom“ lediglich angefangen zu lesen, dann in ein anderes Buch gestürzt. So geht es manchmal. Werde es aber lesen, sobald die Zeit gekommen ist. Jedenfalls: Diese Doku ist sehr empfehlenswert, auch wenn die Bildqualität miserabel ist, dieser Philosoph sehr interessant, wie ich finde. Er thematisiert auch, worüber Du hier schreibst. (Allerdings nicht auf Hunde gemünzt … 🙂 ). Ich werde sie mir auch noch einmal ansehen.

  2. Herr Hund, bitte erfinden Sie sich immer wieder oder jemanden, der diese Gedanken und Silben schreibt
    … sagt und wünscht eine, die es gibt, glaube ich zumindest, es fühlt sich so an.

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