Ein seltsamerweise übersehenes Indiz

Es hat mir keine Ruhe gelassen. Zudem war ich durch den Vorfall vom Donnerstag sehr aufgewühlt. Weil also kein anderer eine plausible Erklärung für dieses Phänomen geben konnte oder wollte, begann ich selbst, ein wenig zu recherchieren und bin dabei auf ein Indiz gestoßen, das zumindest einen Ansatz liefern könnte, besagtes Phänomen zu erklären:

Rottweilerwelpenfilet auf Sahnesauerkraut

700 g junge Rottweiler, 2 EL Öl, 50 g Schalotten oder kleine Zwiebeln, 400 g Sauerkraut, 200 g kernlose Weintrauben, 200 ml Weißwein, 200 ml Sahne, 2 EL Paprikapulver edelsüß, 5 Stiele frischer Marjoran, 100 ml Sekt, Salz, jPfeffer

Das Rottweilerfilet ordentlich Salzen und Pfeffern und in einem Bräter im Öl anbraten. Nebenbei die Schalotten in kleine Würfel schneiden. Das Filet hinausnehmen und die Schalotten im Bräter dünsten.

Das Sauerkraut abtropfen lassen (evtl. mit Wasser abspülen und dann gut ausdrücken). Die Schalotten mit Wein und 100 ml Wasser ablöschen. Sahne zugeben und alles 5 Minuten einkochen lassen. Anschließend das Sauerkraut zugeben und mit Paprika würzen.

Das Filet aufs Kraut legen und die frischen Majoranstile darauf verteilen. Das Ganze im Ofen bei 200 Grad 20 Minuten garen.

Zum Abschluss die Trauben zugeben und weitere 10 Minuten garen. Vor dem Servieren den Sekt über das Filet träufeln. Dazu passt entweder Kartoffelpüree oder Spätzle

Dieses Rezept, handschriftlich verfasst von Katia Mann (*1), fand sich im Stadtarchiv von Lüdenscheid unter einem Berg von alten Yps-Heften (*2). Wie das Rezept der Katia Mann in das Archiv von Lüdenscheid gekommen ist, müsste zwar noch geklärt werden, aber es konnte durch mich die Handschrift eindeutig der Frau von Thomas Mann zugeordnet werden. Eine Fälschung ist mit Sicherheit auszuschließen. Die Yps-Hefte waren schließlich auch alle echt. Zudem gibt es Briefe und Tagebucheinträge, die die Echtheit des Rezepts belegen. Am 14.09.1921 etwa schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch, „Ein Spaziergang und eine gute Mahlzeit haben mich gestärkt und ich glaube wieder, den Zauberberg fortsetzen zu können. Ich liebe Hunde.“ Bislang konnte man zwischen den beiden Sätzen keinen Zusammenhang finden. Unter Kenntnisnahme des Rezepts, erscheint diese Tagebucheintragung allerdings in einem völlig neuen Licht. Dann wäre da noch ein Brief von Katia Mann an ihren Sohn Golo, in dem sie ihm berichtet, „dass Thommy wieder eine seiner Schreibblockaden hat und hier wie immer nur der Koreaner helfen kann.“ Da konnte sich die Literaturwissenschaft nun gar keinen Reim darauf machen und beließ es dabei, anzunehmen, dass es sich bei dem „Koreaner“ um eine Art von Kräuterlikör (*3) handeln müsste. Aber weit gefehlt, wie sich jetzt herausstellt. Thomas Mann genehmigte sich zwar ab und an einen Gewürztraminer, wenn er in Gesellschaft war, hatte aber ansonsten nicht viel übrig für Alkohol. Seine Leidenschaft galt dem Filet von jungen Rottweilern. Und „Koreaner“ war die Umschreibung dieser Leidenschaft. In München, wo Thomas Mann lange Jahre lebte, war die asiatische Küche noch nahezu unbekannt. Dennoch gab es reiche Münchner, die sich den exotischen Luxus gönnten, zu gesellschaftlichen Anlässen den Gästen besondere Köstlichkeiten zu servieren, wofür die ganz Reichen keine Mühen und Kosten scheuten und entsprechendes Personal kommen ließen, die diese Gerichte originalgetreu zubereiten sollten. Einer dieser Köche war ein Asiate koreanischer Herkunft. Und von diesem sind einige Rezepte zur Zubereitung von Hund bekannt. Zubereitet haben wird er Hund, als er in München weilte, wenn, dann nur im Geheimen. Es war zu Zeiten von Thomas Manns Münchner Jahren per Gesetz verboten, Hunde zu braten, zu kochen oder anders zuzubereiten. Die junge deutsche Republik fürchtete offenbar um ihr Wappentier, den Dackel. Dass es allerdings diesen Koreaner gab, ist sicher. Und die Manns hätten ihm wenigstens bei einer Gelegenheit begegnen können. Und so an besagtes Rezept gekommen sein. Desweiteren vermute ich, dass Thomas Mann durch diese Leidenschaft für Vierbeiner, die lebendigen wie die gebratenen, seine latente Homosexualität kompensieren wollte. Aber das bleibt eine Hypothese. Auch die Yps-Hefte können darüber keine Auskunft geben.

Eine Erklärung für das gespannte Verhältnis von Rottweilerwelpen zu Thomas Mann ist es allemal.

Zu erwähnen sei noch, dass in der Umgebung von Manns Wohnort in den Jahren, in denen der deutsche Schriftsteller dort lebte, unerklärlich viele Hunde und dabei in der Hauptsache Rottweiler (*4) von einem Tag auf den anderen verschwanden, in der Zeit also, in der Thomas Mann besonders produktiv gewesen ist. Als Hunderipper kann ich mir den Schriftsteller jetzt zwar nicht vorstellen, möchte es aber dennoch erwähnen.

Anmerkungen:

*1 Ehe- und Hausfrau von Thomas Mann und später nach Thomas Manns Tod Ehrenvorsitzende des Tierheims von Zürich

*2 Gimmick-Hefte für Hobbyforscher, besonders das Heft mit den Urzeitkrebschen ist ganz toll

*3 zu Studienzwecken bei Niederschrift dieses Beitrags verwendet. Einen ganz günstigen gibt es bei Aldi (wir danken Aldi für die Unterstützung  meiner unserer Studie)

*4 ebenso Katzen, aber die sind nicht mein Forschungsgebiet

P.S. eine persönliche Anmerkung von mir: ich finde es echt Scheiße von Mann, dass er Hund gegessen hat. Echt Scheiße.

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19 Gedanken zu “Ein seltsamerweise übersehenes Indiz

  1. Empört und fassungslos. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Sollte es so sein, empfehle ich eine Hundeurinalstelle im offiziell zu widmen. Als Pilgerort versteht sich.

    Weiterhin empört und dennoch mit den herzlichesten Grüßen aus dem Norden
    Frau Ahnungslos

  2. Das sind unglaubliche Enthüllungen. Sie sollten sich mit Michael Maar zusammentun. Und ein neues Mann-Enthüllungsbuch schreiben. Ich bin fassungslos. Bislang dachte ich, T.M. frißt nur kleine Kinder. Und jetzt auch noch das.

  3. Knappe 100 Jahre mussten in’s Land ziehen bevor Sie enthüllen,wie groß die Abhängikeit der betroffenen,kochenden Ehefrau war.
    Gruselig,Herr Hund.Grauenhaft gruselig.

  4. Ich bleibe auch nach Ihrem Blogeintrag Vegetarierin, Herr Hund. Ach, und die Yps-Hefte, ja, die waren toll, die Urzeitkrebse, hach… 🙂 (Haben Sie die auch verkocht?)

    • Habe es gefunden. Sollen sie glücklich werden. Meinen Segen haben sie.
      Und wenn er mal eine Geliebte haben sollte, eine Krokodilledertasche wäre ein schönes Geschenk.

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