Aus Mangel an Talent.

Mängelexemplar

 

Ich hatte mich daran gewagt und stellte doch bald fest, dass meine Talente woanders liegen. Manche Themen und Formen liegen mir einfach nicht. Das weiß ich jetzt und wende mich nun wieder meinen eigentlichen Stärken zu. Zuvor aber muss ich mich gedanklich von dem befreien, was als missglückt betrachtet doch immer noch mein Denken belegt.

Denn ich hatte mich tatsächlich an einem erotischen Thema versucht. Es ist im Großen und Ganzen gründlich in die Hose gegangen. Dabei dachte ich, ich müsste lediglich auf das zurückgreifen, was mir mein Leben so großzügig gewährt hat. Nun, lügen wollte ich nicht und meine Phantasie ist zu keusch, als dass Lohnendes hätte unter meiner Hand entstehen können.

Trotzdem, ein paar wenige Worte brachte ich zustande. Sie sollen raus und mich nicht mehr leiden lassen an ihrem Mangel, der ein nahezu vollkommener ist:

Sie trat auf ihn zu, die Luft knisterte vor Spannung, und sagte zu ihm, nur ein wenig angewidert, doch auch mit einem leichten Lächeln: „Ihr Hosenstall steht offen.“ Und bevor er sich dankbar zeigen konnte für diese kleine Intimität, war sie bereits verschwunden. Er blieb zurück, Und sein Hosenstall den Rest des Tages offen.

Und bevor es jemand sagen möchte, dem sei entgegnet, in diesem Wenigen, das ich einfach unter den Tisch hätte fallen lassen können, liegt nichts weniger als Exhibitionismus. Es ist Befreiung von einer Last. Ich gebe es hin, der Leser liest und bestätigt, was ich lange schon wusste: in erotischen Dinge sei von mir nichts zu erwarten als Exemplare voller Mängel, keine Erotik, doch die gänzlich umsonst.

Grau in Blau zur Ruhe

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Ruhige See. Ein unverstellter Blick bis zum Horizont. Es ist nicht der wärmste Tag. Die entsprechende Kleidung  korrespondiert farblich  prächtig mit der Umgebung. Der Fellohrmützenträger schaut und schweigt. Die Wolken am Himmel trüben nichts. Den Blick nicht, die Gedanken nicht. Tatsächlich wird so wenig wie selten gedacht unter der Mütze, dass sich nicht viel trüben könnte. Wind sorgt für ein wenig Bewegung. Sonst ist Ruhe.

Doch irgendwann wird selbst bloße Kontemplation zu einer Geduldsprobe für den Träger der Mütze, der darin nur Novize ist. Was wie ein ganzer Tag erscheint, ist nur eine Momentaufnahme. Eine plötzliche Unruhe erfasst ihn. An der See kann es nicht liegen. Ebenso ist kein Schiff zu sehen. Es ist nicht Sehnsucht, die sich einstellt. Und nein, auch kein Hunger. Kurz zuvor hatte der Träger der Mütze ein Fischbrötchen. Oder zwei.

Nein, es setzt das Denken wieder ein. Diesen Moment, man müsste ihn festhalten. Nur weiß der Träger der Mütze im grauen Pullover nicht, kommt nicht drauf, was es ist in diesem Moment, was festzuhalten wäre. Da ist nichts, nur die ruhige See und der unverstellte Blick bis zum Horizont. Was da ist, ein paar Quallen. Die sind nicht bedrohlich. Und Möwen.

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Die kann man vertreiben.

Aber nicht einfach die Gedanken, wenn sie sich einmal in die Ruhe schieben.

Ein wenig Sly

Eigentlich wollte ich es für mich behalten. Jeder hat so seine kleinen Geheimnisse, unvorstellbare Schwächen, die nicht so richtig ins Bild passen wollen, das die Menschen sich von einem gemacht haben. Es ist mir doch schon ein wenig peinlich, es zuzugeben, Und wenn ich mich nicht schon eine sehr lange Zeit leidenschaftlich und intensiv mit dem Werk von Sylvester Stallone (seit seinem beeindruckenden Kurzauftritt in Kojak 1975) beschäftigen würde, wäre mir ein Detail wahrscheinlich nie aufgefallen und ich wäre jetzt nicht mit dem Bedürfnis konfrontiert, davon berichten zu müssen. Ein Detail, das manche Frage aufwirft, und das mir erst gestern Abend auffiel, als ich mal wieder in alten Drehbüchern zu Filmen mit ihm herumblätterte, in dem Fall war es eine der ersten Fassungen zu Judge Dredd von 1995. Ich muss nämlich noch dazu sagen, dass ich mir nicht nur alle seine Filme regelmäßig anschaue und wenn möglich zu den Deutschlandpremieren gehe, wie erst vor einer Woche noch (Expendables 3 ist sowas von geil und vielschichtig, das nur als kleiner Tipp), sondern ich versuche nach Möglichkeit auch, besondere Devotionalien zu bekommen, sofern es mein Budget zulässt. Der größte Stolz meiner Sammlung ist die verschossene Munition aus Rambo III. Und eben auch diese erste Drehbuchfassung zu Judge Dredd, die ich im Tausch mit meiner Frankfurter Goethe-Ausgabe von einem belgischen Sammler erhalten habe.

Nun gut, jedenfalls stieß ich gestern beim Durchblättern auf eine bemerkenswerte Stelle, die es (leider) später nicht in den fertigen Film geschafft hat. Sie ist nur kurz. Da sie in Englisch ist, habe ich versucht, sie so gut, es geht, zu übersetzen. Mein Grundkurs liegt schon eine Weile zurück, aber für einen Film mit Sly sollte es reichen:

„Sie hatten nur eine verdammte Aufgabe: Diesen Code zu knacken.“
„Ich…ich…ich bin mir ziemlich sicher, dass uns dieser Code nur in die Irre führen sollte. Wir sollten uns nicht weiter damit aufhalten.“
„Das haben Sie nicht zu entscheiden. Und wenn ich behaupte, R(h)einfall-Schlüssel-Bauchpinsel-Wien-Hinterausgang-Osso Bucco-Oralfreude-Laurie Anderson-Rittberger-Schaum ist ein Code, ist es so. Verstanden!“
„Ich glaube vielmehr, man treibt bewußt ein Spiel mit……..“
(Rico erschießt den Handlanger.)
„Ein Spiel! Arschloch. Besorgt mir mal Jemand einen, der diesen Code für mich knackt. Bitte!“

Ja, genau, ich war auch ziemlich von den Socken, nachdem ich die Szene gelesen habe. Ich glaube nicht an Zufälle. Also woher kennt der werte Zolaski diese Stelle? Ich füge hinzu, dass ich im Besitz der einzigen Fassung zu dieser Szene bin. Hat er sogar am Ende an diesem Drehbuch mitgeschrieben? Es ist zwar wenig glaubhaft, da seine bisherigen Texte eine ganz andere Sprache sprechen, eine, die ich sehr schätze. Doch ist es nicht unmöglich. Und wenn er auf diesem Weg verhindern wollte, dass sein damaliger Beitrag nicht verlorengeht, kann ich das verstehen. Und möglicherweise sind die Geschichten, die dabei herausgekommen sind, wesentlich gelungener, als es der fertige Film ohne diese Szene letzten Endes wurde. Ich kann es, als eingefleischter Stallone-Anhänger, nicht objektiv beurteilen. Das mögen andere tun.

Für mich ist einzig interessant und bedenkenswert, dass alles Neue am Ende immer schon auch Zitat ist. Und wenn sich in den zahlreichen gelungenen und sehr schönen Beiträgen Spuren aus alten Sly-Filmen finden sollten, bin ich der Letzte, der sich nicht darüber freuen würde.

 

In meinem Garten

Unter Anderem die Beiträge der geschätzten Arabella, in der Hauptsache die, die sich um ihren Garten drehen, haben mich dazu inspiriert, meinerseits mich mehr mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei stelle ich fest, ich habe noch viel zu lernen. Ich weiß nichts, gar nichts. Mein ambivalentes Verhältnis zu allem, was da blüten- und blattreich gedeihen kann, machte es mir schwer und lange Zeit unmöglich, einen Zugang zu der Materie zu finden. Einzig Laubbäume, Gänseblümchen und Pusteblume fanden seit ich denken kann uneingeschränkt Sympathie bei mir. Das mag aber auch an meinem Heuschnupfen, an meiner chronisch (un-)empfindlichen Nase liegen. Und nun, da ich mich noch nicht lange mit heimischer Flora beschäftige, Ironie, genau dort, wo das Übel seinen Ursprung hat, entdecke ich plötzlich, ein glücklicher Zufall, da es nicht von meinen gärtnerischen Fertigkeiten herrührt -allein der Natur gebührt das Verdienst, nicht mir- , genau dort gedieh nun ein zartes Pflänzchen, nämlich……..

Unbenannt

 

 

 

 

 

….das silbergraue Höhlengras (lat.: capili argentum nasalis), ein Pflänzchen, das den nahenden Herbst verkündet, an dem ich, jetzt, da ich es entdeckt habe und beobachten kann, wie es wächst und gedeiht, eine rechte Freude entwickelt habe. Mir fehlt noch eine Menge und wahrscheinlich werde ich ein unwissender Dilettant auf diesem Gebiet bleiben, doch kann ich sagen, mit dieser Entdeckung wächst sie noch, meine neue, zarte Liebe für das Pflanzenreich. In stiller Kontemplation kann ich stundenlang vor dem Spiegel sitzen und dieses einfache Schauspiel bewundern; ich kann sagen, es macht mich nichts weniger als glücklich.

Und verstehe dabei umso weniger, wie ich so viele Jahre nichts übrig haben konnte für die Wunder der Natur.

Wer weiß, wenn ich es hege und pflege, vielleicht wird es eines Tages sogar Blüten und, das wäre fast zuviel, Früchte tragen. Sollte das eintreten, werde ich natürlich jeden Pflanzenfreund unter meinen Lesern gerne daran teilhaben lassen.

Doch jetzt muss ich aufhören, denn das silbergraue Höhlengras erfordert (wie ich recherchiert habe) viel Pflege und ich müsste es mal wieder gießen.

(Gut möglich aber auch, ich verliere schnell die Lust daran, rupfe es heraus und bastle mir daraus einen Bauchpinsel, wofür auch immer so ein Pinsel gut sein soll)

 

Herr Hunds Höhlen- und Mützengleichnis

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Nennt mich platonisch. Ich bin es nicht. Überhaupt nicht. Ich bewohne eine Höhle. Und besitze mehrere Mützen, die mir die Ideen warmhalten. In meiner Höhle gibt es Schatten.  Und manchmal ist es ziemlich kalt. Vor Schatten habe ich keine Angst. Kälte ist ganz etwas Anderes: ich hatte dieses Jahr bereits den dritten Schnupfen. Den größten Schatten in der Höhle wirft ein Hund mit Mütze. Mancher könnte sagen, Hund und Schatten von Hund sehen mir ähnlich. Ist aber nur einer da. Der will das nicht bestätigen. Die anderen Schatten in der Höhle sehen sich vor. Der Schatten, den mancher für meinen halten könnte, zieht schneller, wenn’s sein muss.

In der Höhle brennt ein Licht, mein eigenes, das tropft und versaut mir den Kittel. Nicht schlimm, Nebenwirkungen, mit denen ich leben kann. Meine Mützen sind vom Wachs nicht betroffen. Die trage ich auf dem Kopf. das Licht ist darunter und die Nebenwirkungen betreffen noch Tieferes. Eine Sonnenbrille trage ich nicht, obwohl ich der Typ dafür wäre. Das Licht ist keine helle Sonne. Eine Sonnenbrille wäre overdressed. Was hinter mir ist? Ich vertraue darauf, nichts Wichtiges. Ich achte auf das Licht, die Flamme, ein wenig auf die Schatten. Außerdem: ich hab es ein wenig mit dem Hals. Plötzliche Bewegungen wären schmerzhaft.

Natürlich, ich gehe auch hinaus. Bei gutem Wetter wie bei schlechtem. Und nein, dafür muss die Sonne nicht scheinen. Eine Mütze ist allerdings immer dabei. Es ist die gute. Aber kein Licht darunter. Eine Sonnenbrille müsste ich mir erst noch kaufen.

Und stelle fest, draußen ist mehr Höhle als drinnen. Die Schatten sind größer, manche größer als ich. Doch schneller ziehen kann auch keiner von ihnen.