Wie lerne ich zu schreiben wie Herr Hund? Lektion 6: Langer Atem und Mundgeruch.

Bitte setzen! Willkommen zu Lektion sechs.

Zum heutigen Thema haben wir einen Gast, auf seinem Gebiet ein Fachmann und für unsere Fragestellung der richtige Mann. Er ist Zahnarzt, wurde nachdrücklich gebeten, an unserem Seminar teilzunehmen, findet die ganze Angelegenheit aber ziemlich blöde und möchte deshalb anonym bleiben. Gut, das respektiere ich. Und sie sollen es bitte auch. Es werden also in der Folge keine Fragen zu seiner Identität beantwortet. Und der Sack über seinem Kopf bleibt da, wo er ist. Fangen wir lieber an. Zeit ist kostbar.

– Fred (Name wurde von mir geändert), ist Mundgeruch gut?

– Können Sie die Frage wiederholen? Unter dem Sack hört man so schlecht.

– FRED (Name wurde noch immer von mir geändert), IST MUNDGERUCH GUT?

– Nein.

– Danke Fred (sie erinnern sich? geändert, genau.) Sie dürfen gehen.

– Bitte?

– Gehen.

– Was?

– Verpiss dich, Fred (geändert, ja. muss ich das ständig wiederholen?) !

– Danke, sehr freundlich.

– Und halt’s Maul!

– Schon gut, ich verrate nichts, so wahr ich…….

– ….ah, red nicht weiter Fred (Mein Gott, das sollte jetzt wohl jeder begriffen haben, DAS IST NICHT SEIN RICHTIGER NAME!!!!!). Geh einfach!!! Einer von den Schülern bringt Dich raus. Und der Sack kommt erst draußen wieder runter, klar?

– Ja, ja, Ciao! Hoffe, ich konnte helfen.

– Bringen Sie ihn bis nach draußen, Herr….wie war der Name…McGuffin. Danke. Machen Sie schnell, damit wir weitermachen können. Und der Sack bleibt drauf, klar? Die Handfesseln können Sie ihm lösen. Aber erst draußen.

Ja, das also unser Gast. Fassen wir zusammen: Mundgeruch ist nicht gut. Und wenn Sie mir nicht glauben wollen, ihm können sie es. Was heißt das nun aber für Ihr Schreiben? Natürlich ist auch wichtig, einen langen Atem zu haben. Die Wege zum Olymp sind steil, lang und schlecht ausgebaut, Ausdauer also nicht ganz unwichtig. Die Aussicht von dort oben lohnt aber die Anstrengung, wenn auch die Mieten aufgrund der guten Lage exorbitant sind. Konnte mir selbst nur ein Zwei-Zimmer-Appartment mit Blick auf den Hof leisten.  Ich habe zwar das richtige Werk, aber den falschen Verleger für allerbesten Wohnkomfort auf dem Olymp. Immerhin gibt es einen ganz guten Bäcker. Und für die Eltern unter Ihnen, es sind noch Kitaplätze frei. Falls Sie es schaffen sollten, bevor die Kinder aus dem Haus sind.

Neben dem langen nicht ganz unerheblich oder sogar noch wichtiger ist frischer Atem. Wenn Ihre Texte nach alten Socken, Kebab, überhaupt Unverdautem oder noch viel Schlimmerem riechen -man schreibt nämlich nur einmal über Feuchtgebiete und hat Erfolg damit-, wird der Dialog zwischen Ihrem Text und seinem Leser im besten Fall zu Brechreiz, im schlimmsten zur Vollnarkose führen. beim ersteren mag noch ein Putzeimer (ach ja!!!) helfen. Ist der Leser aber einmal ins Koma gefallen, hilft auch kein Prinz mehr. Und wenn Sie hundert Jahre darauf warten.

Seien Sie also darauf bedacht, dass Ihre Gedanken frisch sind (aber nicht steril bis aseptisch, ihre Geschichte sollen nicht die Abenteuer des Meister Propper und dem Weißen Riesen erzählen, es geht hierbei nicht um Colgate-Frische); ebenso dürfen Ihre Worte nicht abgestanden sein. Originalität, um der Frische mal einen griffigen Namen zu geben, bedeutet nicht, der Erste zu sein, sondern bei sich den Anfang zu finden, die Quelle. Schöpfen Sie aus sich selbst, ist es nämlich ganz gleich, ob es ein Fünfzeiler ist oder ein Unendlicher Spass (in der englischen Übersetzung Infinite Jest) werden soll. Es ist neu, es ist frisch, es riecht nicht nach faulen Eiern. Beste Vorraussetzungen also, um für frischen Wind zu sorgen.

Wenn ich Sie jetzt verabschiede bis zur nächsten Woche, mit dem Zusatz „in alter Frische“, dann verlange ich in erster Linie nicht, dass Sie zur nächsten Stunde geduscht, mit geputzten Zähnen und deodoriert erscheinen sollen, obwohl es schon schön wäre. Sie sollen mit sich ausgemacht haben, wer bin ich, was will ich und lohnt es sich für mich noch, weiter Kursgebühren zu bezahlen? Finden Sie Ihre Quelle und trinken Sie.

Und entschuldigen Sie mein esoterisches Schlusswort. Kann sein, es riecht schon ein wenig.

Ciao!

 

 

 

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21 Gedanken zu “Wie lerne ich zu schreiben wie Herr Hund? Lektion 6: Langer Atem und Mundgeruch.

  1. Verehrter Herr Hund. Ich bin begeistert und nehme mir doch sehr Freds (dessen Namen geändert wurde , worüber ich sehr froh bin!) Aussage zu Herzen. Übrigens, reicht auch eine sterile Spitze schon aus?
    Mit ahnungslosen besten Grüßen Frau A.

      • Herr Hund, so motiviert man doch nicht seine Kursteilnehmer/innen, wobei sie natuerlich nicht man sind und ich schon gelernt habe, dass es dieses man nicht gibt, das schon schon schon 🙂

  2. Lieber Herr Kursleiterhund! Mir stinkt’s.Ich habe soben den morgigen Mittwochskurs verpasst. Schon wieder.Schade. Aber dann auch wieder nicht,denn draußen gab es einen Mordsgaudi… Sackhüpfen mit nur einem Spieler.Der hat garnicht gemerkt,dass er keinen Gegner hat.Sachen gibts… Bis denne und gegrüßt von Mensch Päddra

      • Nein.Ich glaube er ist öhnmächtig geworden.Vielleicht wurde er aber auch nur disqualifiziert….er ist ja im Kopfstand gehüpft.Das ist nicht erlaubt.Der Arme.Er hat sich furchtbar angestrengt.Tja,da kann man nix machen….

  3. Ey, warum gibt mir denn keiner Bescheiheid, wenn der Diensttagskurs tatsächlich Diensttags ist?! Jetzt stehe ich hier mit meinem Geraffel, starre auf einen leeren Sack. Und was riecht hier eigentlich so streng? Ich habe extra Limettenwasser für alle mitgebracht. Wo seid ihr denn alle hin? Haaaaallooooo…

    • Oh Sie. Na, der Kurs ist vorbei. Nächste Woche erst wieder. Aber war eh kein Thema für sie. Die nächste Lektion sollten Sie allerdings nicht versäumen. Könnte Sie interessieren. Das Limetten(übrigensleitungs)wasser nehme ich. Es ist doch sehr heiß. Muss weiter, einen Gast für nächste Woche finden….Bye!

      • Könnten Sie mich bitte gesondert benachrichtigen, irgendwie verpasse ich Sie immer. Und so einen Interessierungsknochen mir hinzuhalten, wäre doof, wenn mir der durch’s Gebeiß geht… bye!

      • Das tue ich doch gerne und werde rechtzeitig die silbenfeinseidene Flagge ins Fenster hängen. Die Klasse scheint mir sowieso immer kleiner zu werden. Und bevor keiner mehr kommt und man mir den Kurs streicht, biete ich dieses Serviceleistung selbstreden an. Ich brauche ja auch mein Auskommen.

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