Herr Hund fährt vor im Habenwill

Ein trotziges Kind war ich in der Tat. Und lief rot an, wenn ich meinen Willen nicht durchsetzen konnte. Ein wenig ist es dann mit den Jahren besser geworden. Ich habe gelernt, zu formulieren und beherrsche auch den Dackelblick, der allerdings nur eingesetzt wird, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Zumeist jedoch kann ich blitzgescheit argumentieren. Das wird verstanden. Und ich bekomme einen Nachschlag, eine zweite Portion. Mir ist dabei nie in den Sinn gekommen, das könnte an der Zuneigung für mich liegen und eben nicht einzig und allein an der Ausgefeiltheit meiner Rhetorik.

Ungeheuerlich, doch leider musste ich feststellen, es gibt auch für mich Grenzen, viel zu viele davon.

Ich lernte: Was gut für mich ist, mir angenehm, davon will die Welt draußen in der Regel nichts wissen. Da kann ich reden, wie ich will. Und offensichtlich ist die Welt auch farbenblind. Rot anlaufen kümmert sie nicht. Der Dackelblick so von unten, wofür ich schon auch  einmal tief hinuntergehe, der richtigen Perspektive wegen, geht gänzlich ins Leere. Dabei mag die Welt im Großen und Ganzen Hunde. Aber ich bin ja nur ein Herr Hund und die Welt durchschaut wohl den Trick mit dem Blick. Wenn es doch aber mein Wille ist? Es kann sein, so denke ich also, die Welt handelt gerne. Ein Tauschobjekt, ein Geld oder wenigstens eine Anstrengung. „Willste was, dann bitte, wo ist es, was bekomme ich dafür?“

Also nicht einfach so, geschenkt, meinem Willen unterworfen und meine Wünsche erfüllt?

Dachte ich bei mir: Drehe ich also den Spieß um und lerne die fünfache Verneinung, „Nein, nein, nein, nein, nein, Welt. Kommst du mir so, dann denke nicht, ich würde Dir einen Gefallen tun“. Seltsamerweise aber hat es die Welt nicht interessiert. Es gab genügend andere für einen Gefallen. Und ich steh auf der einen, die Welt auf der anderen Seite und nicht einer der Wünsche, die wichtigen wie die unwichtigen, erfüllt. Das Leben wird so, bleibt man in seiner Ecke, ein wenig öde und langweilig. Und dabei bekommt man mit der Zeit diesen verbissenen Gesichtsausdruck von zuviel Schmollen und darüber Grübeln. Und ich geb nach,

geh auf die Welt zu und wir lernen langsam, miteinander auskommen.

Und lernte ein weiteres mal: nicht alle meine Wünsche werden erfüllt werden können. Nicht alle Wünsche stellen sich als solche heraus. Ich begreife, kenne ich mich, weiß ich, was ich will. Also und sozusagen der deutlich gesündere Egoismus. Erst das Ich, dann die Wünsche. Will ich alles, am besten sofort, dann irre ich, ziellos und aussichtslos abgekämpft in meiner Ecke und werfe zum Schluss, als Zeichen meiner Niederlage, das Handtuch. Und so mache ich Inventur, höre in mich hinein und stelle fest, das ist gut für mich, das nicht, selbstverständlich vieles davon nur vorläufig, denn das meiste versteht man nur im Nachhinein. Dann waren sie da, nicht mehr alle, ein paar weniger jetzt, aber es gab sogar eine Rangfolge.

Doch die Welt wäre nicht das, was sie ist, wenn sie sich nicht ihrerseits manchmal  ziemlich bockig anstellt.Sie weiß wohl selbst nicht so genau, wo es mit ihr hingehen soll, wer sie ist.

Entschied ich mich: soll sie machen, ich mach jetzt mein Ding, so gut es eben geht. Bereits um seine Wünsche zu wissen, dafür alles Notwendige zu tun, verschafft einem ein gewisses Glücksgefühl, selbst wenn es dauert oder sich für dieses Mal nicht einstellen will, bockiges Schicksal. Seiner fünffachen Verneinung komme ich bei. Bin ja selbst ein ausgewiesener Experte darin und weiß so ungefähr, was zu tun ist.

Nur jetzt noch das Eine: die trotzige Verbissenheit, über Jahre angeeignet, mir wieder aus dem Gesicht zu bekommen und entspanntere Züge anzunehmen. Den Dackelblick behalte ich, nur das Drumherum wird neu gestaltet.

Und dann vielleicht, vielleicht aber auch nicht, fahre ich vor im Habenwill……und lächle dabei ein wenig.

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25 Gedanken zu “Herr Hund fährt vor im Habenwill

  1. Ach herrje. Das trifft gerade wie die Faust aufs Auge (Dackelbild), da die Welt in sechsfacher Verneinung mir gegenüber bockt und nicht tut, was ich will. Und jetzt bin ich wieder still 🙂

    • Danke. Du weißt ja, wenn das Pssssst-Geheimnis sich einstellt, das Erste, was ich mir bei ein wenig Erfolg gönne ist a) einen Habenwill 500 und b) eine Fahrerlaubnis, obwohl mir das Drumherumlaufen und Streicheln und Drinsitzen und Radiohören fast schon reichen würde.

  2. (Notiz an mich selbst: Ich sollte mehr bei Herrn Hund lesen. Und mehr schreiben, wie wunderbar gut mir das Gelesene gefällt.) Eine fünffache Bejahung, auch für diesen Text…

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