XII. Einer schickt sich in die Wüste oder Der Tischer von Arabien

Tischer_von_Arabien

Er ist ein Abenteurer. Schnell und einfach wird ein Strand zur Wüste. „Nach Akkabar, nach Akkabar! Von der Landseite aus.“ Guter Plan, aber weiter Weg. Und die Gefolgschaft ist klein, er selbst. Das kümmert unseren gelegentlichen Begleiter wenig. Er ist in allem, jederzeit, ein Eroberer. Der von Strategie allerdings noch nie etwas gehört hat. Doch jetzt, da er schonmal aus seiner Höhle rausgekommen ist, kann er den Rest des Weges auch noch gehen. Und wenn alleine, gut, bleibt mehr für ihn. Vor Pferden und Kamelen als Fortbewegungsmittel hat er Respekt. Zu Fuß ist Akkabar auch nicht weiter. An Ausrüstung denken? Warum? Er hat seine Latzhose, sein Tuch. Was braucht es noch? Ich sage ihm, Vieles. Er sagt, Akkabar. Und zieht los. Wir schauen ihm nach.

Schnell kommt er voran, geschätzt, etwa zehn Meter. Da kann man schonmal eine Pause einlegen. Er sitzt und überdenkt. Um ihn herum nur Sand. Zeit vergeht. Er sitzt immer noch. Dann verschiebt er Akkabar auf nächste Woche und kommt zurück.

Siehst du es ein, Tischer?

Nein.

Nein?

Nein, weil es geschrieben steht.

Und tippt mit seiner rechten Pfote an seine Stirn. Wir, die wir ihn lieb haben, schweigen. Während wir uns ebenfalls an die Stirn tippen. Akkabar hat noch einmal eine Schonfrist. Und uns bleibt Tischer, unser gelegentlicher Begleiter, noch ein Weilchen erhalten.

(Und zum Text der passende Soundtrack:

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26 Gedanken zu “XII. Einer schickt sich in die Wüste oder Der Tischer von Arabien

  1. Selbst wenn das Bild nicht gewesen wäre, die Erzählung erinnert mich an die spannenden Abenteuer von „Calvin & Hobbes“…klasse Comic. Ihre Geschichte auch. Ich gewöhne mich schon an das notorische Schmunzeln, schon wenn ich Ihren Blog getrete…:-)

    • ….dass Sie sich gewöhnen, möchte ich jetzt ja nicht unbedingt. Nicht lange und es stellt sich Routine ein und letztlich….Ohgottohgott……ich könnte jetzt auf die Idee verfallen, ernst zu werden, nur um überraschend zu bleiben; Themen dazu gäbe es genug. Wie wird denn das Wetter?

  2. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Zigmal gesehen. Voll in Omar Sharif verschossen. Mit Peter O`Toole mitgelitten. Und jetzt kommt da dieser Tischer daher und streut Wüstensand. Das muss ich jetzt mal erst verarbeiten.

    • Der hat aber mindestens so viel Charme wie Omar. Und so, bei allen „Abenteuern“, die man mit ihm hat, muss niemand so mit uns mitleiden, wie früher mit O’Toole.

      P.S. auch einer meiner Lieblingsfilme inkl. anhängender bleibender kleiner Leidenschaft für alles Wüstliche

      • Naja, vielleicht soviel Charme – aber Omars Augen! Die sind einzigartig.
        David Lean hat in mir auch eine Sehnsucht nach der Wüste verankert. Dieses Bild, wie O`Toole an dem Brunnen steht, und der schwarzgewandete Wüstenscheich Omar aus der Ferne, in flirrender Hitze, auf ihn zureitet und wie aus dem schemenhaften Punkt dann der stolze Wüstensohn wird – das ist eines der Kinobilder, die sich einfach für immer ins Gedächtnis einbrennen. Wann wird der Tischer übrigens Doktor Schiwago treffen?

      • Erst einmal sollen die anderen Mitglieder unserer Truppe noch ins Bild gesetzt werden…dann schauen wir weiter.

        Für Sie hoffe ich, Sie müssen sich nicht so bald vom Brunnen-Bild losreißen und der Schwarzgewandete reitet noch ein wenig durch Ihren Tag.

  3. Nach zehn Metern schon innehalten und nachdenken. Ein schlauer Tischer, so deucht es mich. Viele überdenken ihr Tun erst nach Kilometern und finden dann den Weg zurück nicht aus der Wüsterey. So ein famoser gelegentlicher Begleiter, der wäre manchmal sehr zu empfehlen. Grüßen Sie mal herzlich, Ihre Frau Knobloch.

    • Vielleicht hätte ich das mit dem Denken besser in Gänsefüsschen setzen sollen. Nun, er hat hervorragende Instinkte und ein paar Ideen, die eher drollig sind. Auf seine Weise ist er ein Weiser. Ich lerne viel von ihm. Nur, pssssst, er sollte das nicht wissen. Ich hab ihn jedenfalls sehr lieb, seine ganze Verrücktheit.
      Und die Grüße werde ich ihm ausrichten. Er kennt Sie ja bereits ein wenig. Die Sache mit den Bamberger Hörnchen.

      • Denken brauchen Sie nicht in Gänsefüßchen zu setzen, mein lieber Herr Hund. Ich weiß, daß es denken und denken und denken gibt. Man kann manchmal sogar denken. Ich habe neulich sogar mal gedacht! Aber das nur am Rande.
        Viel wichtiger: Bamberger Hörnchen! BAMBERGER HÖRNCHEN! Pardöngsche, aber haben Sie und der verrücktweise gelegentliche Begleiter inzwischen denn mal die einzig wahren Bamberger Hörnchen irgendwo ausbuddeln können?

      • Für ihn, den Weisen mit der Latzhose, gibt es nur die falschen als die einzig wahren. Die Unvorsichtigkeit begehe ich nicht, ihn aufzuklären. Er ist schon sehr stur und eigen.
        Was mich selbst angeht, habe ich noch keine Erde gefunden, die die echten im Angebot hätte.

      • Wochenmarkt? Allwissendes Netz befragen? Herrhundadresse an Frau Knobloch senden? Hilfspaket erwarten? Ich meine, bei Bamberger Hörnchen bin ich wirklich zu allem bereit!

      • Morgen ist Wochenmarkt, ein sehr schöner übrigens. Ich weiß, es hat dort viele Kartoffeln zu entdecken. Vielleicht finde ich ein Hörnchen, dann mach ich ein Bildchen und werde ein Beiträgchen dazu schreiben, mit Grüsschen vom Tischer. So mach ich’s.

      • Singt:
        Bamberger Hörnchen, so krumpelig lecker,
        die gibts nicht nur beim Zuckerbäcker.
        Nein, die bessren und viel frischer
        überzeugen auch den Tischer.
        Butter, Salz, Frischmühlenpfeffer,
        nur so schmeckt es immer beffer!
        Was natürlich besser heißen müßte,
        allein, mir tropft der Zahn vor Gelüste…

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