XIII. Erste Aventiure, Tischer oder Das falsche Hörnchen.

Unser Tischer ist ziemlich mutig. Ziemlich. Weil alles andere wäre Lusche. Er hat zwar bislang nicht so sonderlich viel Mut investieren müssen. Doch in seinem Blick sieht man ihn. Außerdem hat er Streifen, mehr als ein Oberst von einer Armee. Das Ziemlich will er jetzt beweisen und macht eine Ausfahrt ins Abenteuer. Was eine Ausfahrt ist, hat ihm Marcel erklärt. Eine Rüstung haben, das hätte ihm gefallen. In den Kaufhäusern gab’s keine und genügend Konservenbüchsen zum Maßschmieden waren auch nicht im Haus. Warten hätte er eh nicht wollen. Trotzdem, anders als noch bei der Geschichte mit Akkabar, ist er diesmal ausgerüstet. Er hat sogar einen Hut dabei. Für alles, was sonst zu beachten sein könnte, hat Marcel ihm einen Merk-Zettel geschrieben. Dummerweise auf mittelhochdeutsch. Das konnten Tischer damals schon nicht lesen. Unser Tischer heute? Er ist mutig, was denn noch?

Und, es braucht nicht lange, da hat er schon die erste Prüfung in Ziemlich. Auf dem Balkontisch erwartet ihn so ein Erdknorpel auf drei Beinen und stellt Tischer auf die Probe. Das Beste und Stärkste an Tischer ist sein Herz. Aber da sind immer Versuchungen, die das nicht glauben wollen. Auf diesem Tisch war so eine. Auf in den Kampf, Tischer:

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– Was bist du? Freund oder Feind?

– Das, was du willst.

– Ein Fussel?

– Nein.

– Ein Modric?

– Nein.

– Für Spatzen bist du zu wenig.

– Ja, also nein, Spatzen bin ich auch nicht.

– Viel mehr will ich nicht.

– Sicher?

– Sicher

– Erinnerst du dich nicht?

– Doch, warte. Nein, doch nicht.

– Ich bin deine größte Sehnsucht, ich bin ein Bamberger Hörnchen.

An dieser Stelle wäre eine Mischung aus Glucksen, Knurren und lautem Lachen zu hören. Das ist nicht wiederzugeben, kommt aber auf jeden Fall von Herzen.

– Bist du nicht.

– Doch.

– Nein

– Doch

….

So geht das jetzt erstmal eine ganze Weile hin und her. Vielleicht kommt irgendwann die Langfassung in den Handel. Im Moment, bitte betreffende Textstelle mal eine recht hohe dreistellige Zahl nehmen und es kommt hin. Es dauert jedenfalls, langsam nähern wir uns Sonntag Abend und eigentlich macht sich Tischer zu diesem Zeitpunkt fertig zum Schlafen. Aber bei einer richtigen Aventiure geht das nicht so ohne Weiteres. Und so kommt es hier zu einer Variante.

– Lusche!

– Nein

– Doch

– Nein

… und bitte wieder mal dreistellige Zahl.

– Ich weiß nicht viel. Marcel weiß viel mehr. Aber ich erkenne eine Lusche, wenn ich sie sehe.

– Gut Dir zuliebe bin ich eine. Und auch ein Bamberger Hörnchen.

– Bist du süß?

– Nein.

– Nussig?

– Nein.

– Bist du ein Sonntagsgebäck?

– Nein.

– Dann bist du eine jämmerliche Fälschung. Und eine Lusche.

– Das nussig-süße Sonntagsgebäck ist die Fälschung.

– Wag es nicht, sonst….ich habe einen Hut.

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– OK!

– Angst?

– Nö!

– Nö?

– Nö.

Also wenn ich einen Tischer mit Hut vor mir hätte und ich wüsste nicht, es ist mein Tischer,  da hätte ich schon so ziemlich das andere von mutig. Tischer würde es nicht zugeben, doch dieser Knorpel, eine Voll- und Ganz-Lusche ist der nicht. Der Hut verfehlt jedenfalls seine Wirkung.
Was Tischer als nächstes tut, ist ebenso erfolglos; er schaut auf den Merkzettel. Der ist immer noch mit komischen unverständlichen Zeichen bekritzelt. Was jetzt tun?

– Ich glaub Dir nicht.

– Solltest Du. Und kannst Du.

– Werde ich nicht. Ich dreh mich um.

– Was soll das helfen?

– Wenn ich dich nicht sehe, gibt es Dich nicht. Und was es nicht gibt, muss ich nicht glauben.

– Das wird nicht funktionieren.

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– Pah!

– Pah?

– Ja, Pah. Bist bloß eine Chimäre.

Das ist jetzt ein Zufall, dass unser Tischer dieses Wort benutzt. Es ist ein Marcel-Wort. Irgendwann muss Tischer es aufgeschnappt haben. Tatsächlich glaube ich nicht, dass er weiß, was das ist, so eine Chimäre. Ich weiß es selber nur so ein wenig und müsste es mir erst noch einmal von Marcel erklären lassen. Doch scheint der Knorpel zu wissen, was so eine Chimäre ist.

– Eine Täuschung?

– Wie? Was?

– Du meinst, ich bin nur eine Täuschung, eine Illusion?

– Hab ich das gesagt?

– Ja.

– Dann also genau. So ein Dings, das bist du.

– Dürfte ich Dir beweisen, dass nicht?

– Keine Chance.

Womit Tischer (leider, oder auch nicht) recht hat, denn so ein Beweisen ist ein Vorgang des Denkens und Denken ist was für Luschen, eine Lusche ist Tischer nicht, denn er hat Streifen, wie bereits gesagt, womit also bewiesen wäre, dass…. nun, da ich davon ausgehe, dass keine vollständigen Tischer unter den Lesern sind, brauche ich das nicht näher zu erklären. Wären vollständige Tischer unter den Lesern, würde es nichts nützen, abgesehen davon, dass ein vollständiger zahlreich bestreifter Tischer so einen mittlerweile ganz schön langen Text erst gar nicht lesen würde. Denn, um es mit Tischer zu sagen, lange Texte sind nur was für Luschen. Ich selbst habe mich damit abgefunden, eine zu sein. Doch weiter im Text, um ihn nicht mit überflüssigen Reflexionen luschenhaftiger zu machen.

– Dann bleibst du in deinem Irrglauben?

– Wurscht.

– Wurscht?

– Ja. ich liebe mein nussig-süßes Sonntagsgebäck. Da hat so ein krummer Knorpel keine Chance.

– Aber so ein gefälschtes Hörnchen wirst du wahrscheinlich nie mehr zu sehen bekommen. Macht Dich das nicht traurig?

– Traurig sein ist was für….

– ….Luschen, ich weiß.

Nein, ein Geheimnis und bitte das nie Tischer verraten, aber selbst Tischer sind bisweilen damit beschäftigt, Tränen zu verbergen. Wofür unser Tischer sich in seine Höhle verkriecht. Hier auf weitem Feld, wo so schlecht Tränen zu verbergen sind, hat Tischer einen weiteren Ausrüstungsgegenstand dabei, seine Tarn-Tüte.

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Sie verbirgt ihn nicht ganz, aber Tränen toll. Und in dieser Tarn-Tüte kommt Tischer wieder zur Ruhe. Was auch daran liegen kann, dass in derselben vor langer Zeit das einzig wahre Bamberger Hörnchen seine Spuren hinterlassen hat. Von diesen Spuren zehrt Tischer und er tut es am besten, wenn er sich die Tüte über den Kopf stülpt. Und in seiner Treue, ist die Tüte einmal über dem Kopf, ist er unangreifbar. Das merkt das falsche Hörnchen natürlich sofort und gibt auf.

Das ist die erste Aventiure des Tischers, womit er diese seine starke Treue beweist und außerdem, dass nichts bewiesen werden kann, was Tischer nicht will oder versteht, was beides so ziemlich dasselbe ist.

Ziemlich.

Wer am Ende traurig zurückblieb war das Hörnchen. Denn was nützt es einem, das echte Hörnchen zu sein, wenn man nicht so tief geliebt wird, wie das vermeintlich falsche von so einem Tischer. Ich persönlich ziehe die tief empfundene Liebe der Wahrheit vor. Und Tischer auch.

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23 Gedanken zu “XIII. Erste Aventiure, Tischer oder Das falsche Hörnchen.

  1. Hm, wenn Tischer auf Aventiure geht, ist er ein Held.
    Trotz Tarnkappe glaube ich nicht, dass er Siegfried ist, dafür ist Tischer zu liebenswürdig.
    Ich hab’s.
    Tischer gibt sich nur als Tischer aus, ist aber eigentlich Willehalm.
    Nun ist mir vor nichts mehr bange, die Helden sind wieder unter uns.
    Bekränzt mit Erika und Enzian, gefeiert mit Hörnchen, äh, Glöckchen.

  2. Ich wollte erst gar nichts dazu schreiben, so traurig hat mich der letzte Absatz gemacht. Meine tiefste aller Kartoffellieben so bekümmert zu sehen. Aber das kann ja gar nicht sein. Meine Liebe umfaßt doch alle Bamberger Hörnchen! Ich grübele und grübele…
    Kann es sein, daß der Tischer seinen Kumpel, den Bären in’s Boot geholt hat, um ihn uns aufzubinden? Den Waschbären vielleicht sogar? Bitte, ich verstehe es nicht. Wie kann das echte Hörnchen denn traurig sein? Ich liebe es doch innig und wahrhaftig! Gut, der Tischer halt nicht, soll er seine eigene Bamberger Liebe haben. Darf er ja, aber das echte Hörnchen, ich verstehe seine Traurigkeit nicht und das macht mich ebenso traurig. Ich ziehe mir jetzt meinen Hut tief in’s Gesicht, soll keiner meine Tränen sehn.

    • Es ist doch nur des Tischers Liebe. Und darin hat er doch recht, seine Liebe verteidigen zu wollen. Es ist Platz genug für alle Hörnchen und für die, die diese Hörnchen lieben.
      Die Traurigkeit verging ebenso schnell, wie Schnee auf einer Kochplatte…das ist nur eine neue Geschichte….ohne Tischer.

  3. Pingback: Nachtrag zu XIII: Dem Falschen ein Bett | hundstrüffel

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