Herr Hund liest die Messe

Er beabsichtigt zu lesen und Lesenden zuzuhören, er nimmt auf, saugt sich durch die Messehallen, knabbert an den Ständen, sofern sich etwas mit Biss finden sollte und bläht in sich hinein, so gut es eben verträglich ist und nicht über die Spannkraft hinausgeht. Wenn dies geschieht und alles an Eindrücken verdaut ist, das eine schneller als das andere, so wird Herr Hund schon die Worte finden, um berichten zu können, hiervon oder von dem, was durch den Besuch angeregt wurde.

Was das wäre, kann noch nicht gesagt werden. Doch da die Behauptung im Raume steht (und ich habe sie da nicht hingestellt), es wäre von gewisser Relevanz, was Herr Hund zu sagen hätte, wird es so nichtssagend nicht sein, was in Anbetracht der Durchlaufszeiten, jetzt aber nicht das Schlimmste wäre. Daher wird sich Mühe gegeben, entweder im Live-Mitschnitt oder als Konserve, es so viel schwerer als möglich zu machen, die abfallenden Beiträge gleich wieder zu vergessen, als es Herrn Hund oft genug selbst gelang, diese bereits, bevor er sie schrieb, zu vergessen, um die verbliebenen Leerstellen mit Wortattrappen zu bevölkern, geradezu lebensecht und mancher Gedanke dahinter tatsächlich zu vermuten.

Nein, ich, denn niemand anderes ist dieser Herr Hund, ein mit dem Ich Identischer, nehme diese Reise ernst und verspreche mir viel davon. Doch zumindest das, so geschickt später Gehörtes und Geschriebenes für Selbst Gedachtes ausgeben zu können, um weiter als relevant gelten zu können. Wozu wären sonst solche Veranstaltungen gut, wenn nicht zur resonanten  Bestätigung von Wichtigkeit?

Und sollte trotzdem die Gefahr bestehen, enttarnt zu werden und die Attrappen gleich mit umgestoßen und es wäre nur noch eine leere Bühne, so müsste ich mir nur meine Fellohrmütze aufziehen, vielleicht sogar eine Sonnenbrille, hilfreiche Requisiten, um völlig inkognito aber breitbeinig das zu präsentieren, was mir letztlich bei allen geklauten (möglicherweise ab und an auch einmal selbst fabrizierten, nichtsdestotrotz mehr verwirrenden als erhellenden, auf jeden Fall aber zu nichts führenden) Gedanken als das eigentlich Interessanteste erscheinen sollte, mich selbst nämlich, meine Originalität, mein Radikalismus, meine Unbestechlichkeit, mein Heroismus, mein komplettes Anders-Sein.

Diese Bewunderung meiner Personalität jedoch war mir schon immer ein wenig unangenehm, weshalb ich immer versucht habe, mich hinter Worten und Gedanken, waren es auch nicht meine oder eben solche, auf deren Inhaltsleere man nicht gleich kam, so gut es geht, zu verbergen. Zu diesem Zwecke, da so langsam, das ist nur der Lauf der Dinge, beides auszugehen droht, ist diese Reise gedacht, mir von Gescheiteren zu holen, was an Geist und Intellekt ich selbst entbehre, um mich damit neu einzukleiden in Flicken, jedem, der mir begegnet in Zukunft auch weiterhin ein Unbekannter, ein Pseudonym.

So eine Messe, gelesen, mit Ernst und Nachhaltigkeit, versorgt mich wieder für mindestens ein weiteres Jahr – mit Verbergung.

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17 Gedanken zu “Herr Hund liest die Messe

    • Zu der Fellohrmütze dieses mal brachte mich ein Ärgernis der letzten Woche, eine Podiumsdiskussion, bei der ein gewisser Träger einer Fellohrmütze (+ Sonnenbrille) so gar nicht meiner Fellohrmützenphilosophie entsprach, Kristjan Knall. Schauen Sie mal, der macht Literatur.

  1. Halleluja.
    Bei Ihnen stelle Ich mir eine Reise noch als Erlebnis vor.
    Und sehe Sie mit Fliege bekleidet im Zug sitzen, genüsslich aus dem Fenster blickend, in der einen Hand ein Buch im der anderen Hand einen Kekse. Die Dinge die Sie lieben also fest im Griff.
    Bringen Sie mir etwas Schönes mit?
    Nicht Gold und Kleider, sondern das erste Zweiglein, das Ihre Fellohrmütze streift?

  2. Aber,Herr Hund,mit Fellohrmütze können Sie doch garnicht inkognito auf Reisen gehen,sie werden sehen ,sie landen auf dem blauen Sofa…..Lutz Seiler? …Der war gestern……
    Sie reisen nach Frankfurt,wie schön.Viel Freude und reiche Leseausbeute wünsche ich Ihnen.Ich war im letzten Jahr dort,in diesem Jahr könnte eine Fellohrmütze oder ähnliches garnicht groß genug sein….. EineTarnkappe,das wäre was! Herzliche Grüße ,Mensch Päddra

  3. Ich besuche die Messe dieses Jahr nicht. EIne tief sitzende Angst vor Kaurismäki’s Leningrad Cowboys, daran wird es wohl liegen. EIn Hoch auf die fellohrmütze und vor allem dem extravagantemn Hirn, das diese wärmt.

    Hochachtungsvoll

    Ihr Achim Spengler

  4. So lange dem Herrn Hund dort nicht die Leviten gelesen werden und er nur mit von den Gängeseiten durchstreiften müden Hühneraugen abends ins Bett sinkt, wird er uns sicher köstlich Anekdotisches von dort zu berichten haben, von den Wich-und Unwichtigs, den sich wichtig Nehmenden, der Sintflut der Bücher und morgen der Überraschung gegen 13.00 Uhr welchem falschen Autor(in) mal wieder der Nobelpreis verliehen wurde, dann summt es dort wie in einem Hornissenschwarm.
    Morgen wird das Polizeiaufgebot auch kleiner, alldieweil Gauck und Kohl wieder abwesend sein werden.
    Unsinn auf einem Buchmessetrinkbecher heute gesehen: Genitiv ins Meer, weil es Dativ ist…
    auweia!
    Im übrigen lieber keksversessener Herr Hund: fast an jedem Stand gibt es Krümeleien zu stibitzen, manchmal auch nur Äpfel, die könnten ja gesammelt werden zu einem später zu backenden Apfelkuchen.
    Bis zum Rapport liebe Grüße
    von der sich dort auch herumtreibenden Karin

    • Hunde sind mir immer schon ein lohnender Wurm und Aufhänger zum Zubeißen und Interessewecken. Rechnen Sie ruhig damit, dass ich nun öfters in Ihrem Blog streunen werde. Es hat den Anschein, dass manches darin zu finden ist.
      Freundlichst
      Ihr Herr Hund

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