XIV. Aventiure Tischer: die fehlgeschlagene Ausweitung der Kampfzone

Der Balkon? Erledigt.

Wohnzimmer und Küche konnten wir Tischer ausreden. Das Porzellan und die schönen Dinge wollen erst ausgelagert werden. Wir haben da nämlich die Vermutung, dass bei einem Abenteuer (besonders in der Ausführung Tischer) so sehr viel Rücksicht auf Scherben und Verwandtes nicht genommen werden kann. Das verstehen wir natürlich, sehen aber eine Vorbereitung als notwendig an, da wir Suppen so gerne aus Tellern essen.

Das Schlafzimmer, das fällt schonmal ganz raus. Da wird Tischer naturgemäß schwach und fällt sofort in einen Höhlenschlaf, als wäre Winter, obwohl es nur Montag bis Freitag ist und einige Stunden am Wochenende. Man träumt zwar so einiges, wenn man schläft, manches so ziemlich abenteuerlich, doch das soll nicht zu den Abenteuern des Tischers hinzugezählt werden. Wie auch? Keiner außer Tischer ist dabei, wenn Tischer träumen sollte. Und Tischer erzählt davon nichts, denn eine Erzählung ist Text und Text ist…..genau. Und wenn Tischer im Schlaf grummelt und schmatzt, so können wir nur vermuten, es hätte irgendeinen Bezug zu einem geträumten Abenteuer. Gut, wahrscheinlich wären unsere Vermutungen nicht so ganz falsch, doch wer weiß das schon.

Zurück zu Tischers Abenteuer, wenn Tischer wach ist. Die näheren Räumlichkeiten waren also entweder nicht präpariert oder bereits abgeteuert, also ganz leer von allen möglichen Herausforderungen. Da war Tischer sehr gründlich. Einen solchen Fleiß hätte keiner von uns ihm zugetraut. Das eine Abenteuer, das wollte oder nicht fliehen konnte vor Tischer wurde von ihm komplett überrumpelt und bestanden. Der Gegner in Ziemlich ist jetzt unser Gast und hat das bestätigt.

In so einer Situation kam es unserem Ritter ohne Rüstung (aber mit einem Tuch) gerade recht, dass wir summa sumarum eine Reise machten. Tischer denkt sich -das fällt sofort auf, wenn er das tut-, da kommt er mit. Da draußen außerhalb der Räumlichkeiten würde sich eine Gelegenheit finden. Zudem kennt die Welt Tischer noch nicht so gut und so können sich die Abenteuer der Welt nicht mal so schnell unter dem Teppich oder im Schrank verstecken. Da sind die dumm oder blauäugig oder naiv, die Abenteuer der Welt. Nun, Tischer brach mit uns auf, die Welt sollte ihn kennenlernen. Das eigentlich Phantastische daran war jedoch….

…es ging alles ohne Scherben aus. Und ohne Verwandtes. Doch warum? Wegen der Besänftigung.

Es war ein Ort das Ziel unserer Reise, der zu possierlich sein sollte für Abenteurer mit Streifen, zu friedvoll und mit zu viel Schokolade. Da waren Häuschen und Gässchen, Türmchen und Mäuerchen. Nirgendwo ein Grummeln und Protzen. Gar kein Komm-Du-mir-bloß, dem Tischer ein Aber-gerne hätte entgegensetzen können. Alles, was ein Abenteuer hätte sein können, irgendwo anders oder vielleicht an anderen Tagen, wurde dort und zu dieser Zeit entweder hinweggeschönt vom Gegenteil von Novemberwetter oder in Geruch oder Geschmack überdeckt von glücklichmachender Schokolade. Man stolpert hinein in ein Märchen, doch gleich ans Ende. Sämtliche Griesgrame und Widerspenster sind längst schon geflüchtet oder bekehrt.

Das irritiert einen Tischer sehr. Mit so viel Idylle wird Tischer schwer fertig. Die Langeweile legt sich schwer über den Gestreiften. Er ist ratlos, was sonst nie das Problem ist. Tischer ist einer, der sich sooo viel Gedanken nicht macht und einfach tut, wenn ihn keiner aufhält. Er ist aber auch kein Krawallbruder und uns mag er ja. Er würde uns die Freude, die wir an diesem Ort finden, nicht mutwillig kaputtmachen wollen. Wenn da nur nicht diese Neigungen wären. Da sitzt er dann also, ein wenig abseits und weiß nichts.

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Ein paar Meter weiter nur wird gefeiert, Schokolade geschlemmt. Hier sitzt ein gestreifter Ritter und hat nichts zu tun. Er ist traurig, so voller Tatendrang. Nicht einmal ein Spatz zeigt sich, dem er hinterherspringen könnte.

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Wenn ein solcher sich seiner Traurigkeit ergibt, so richtig darüber mißmutig wird und in eine Lähmung und Starre verfällt, dann macht einen dieser Anblick selbst traurig. Er hätte ja nur die paar Sprünge machen müssen und hätte wie wir im Glück mit hohem Kakaoanteil baden können. Das ist aber sein Wesen nicht, beziehungsweise beschränkt sich diese Glückseligkeit auf Bamberger Hörnchen, eine bewundernswerte Treue und Einschränkung. Er gibt dieser Verführung also nicht nach, hält sich aber auch zurück, etwa uns diese mies zu machen und für Scherben zu sorgen. Er bleibt sitzen, wo er ist. Vielleicht kommt ja noch ein Abenteuer vorbei. Und spätestens kurz danach würde es ja wieder nach hause gehen. Da ginge vielleicht etwas mehr als in diesem Ort mit seinen Gässchen und Häuschen. Und dabei wird er so langsam, ganz ohne seine Decke und sein Kissen ein wenig schläfrig und unaufmerksam, sonst hätte er gemerkt, er wird beobachtet, eine ganze Weile schon.

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Dieser, der ein vielfaches größer ist als der, der ganz sicher aber ein vielfaches mutiger ist (siehe Streifen), gehört da hin, wo alles ein Chen im Namen trägt. Und er könnte unseren Tischer für einen Eindringling halten und die Herausforderung annehmen: Abenteuer, Du oder Ich. Nur so irgendwie gelingt es dem braunen Riesen nicht, Tischer auf sich aufmerksam zu machen.

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Es ist die Vermutung desjenigen, der diese Geschichte mitteilt, diese, dass, wenn man sehr lange an einem solchen Örtchen zu leben hat, einem die ganze Wildheit so wirklich ganz und vollständig ausgetrieben wird. Der Bär ist zahnlos. Man möchte seine Größe nur noch drücken und knuddeln. Angst würde er keine mehr machen. Als Abenteuer taugt er nichts mehr. Er ist keine Gefahr, weshalb unser Tischer auch selbst nicht auf- und die Gelegenheit anspringt. Ist ja keine. Früher vielleicht schon. Aber Tischer kann ja nicht immer und überall sein. Hätte der beachten sollen, jetzt, wo er zahnlos ist.

Er zieht es vor zu warten. Auf die Heimreise. Oder darauf, dass eine tatsächliche Wildheit an ihm vorbeizukommen wünscht. Diesen Wunsch würde unser Tischer dann wahrscheinlich nicht gewähren. Das wäre dann ein Abenteuer.

Und der Bär, ein Ex-Wilder, würde nur daliegen und beobachten oder höchstens herunterkommen, um zu knuddeln. eines eigentlichen Bären unwürdig oder, um es mit Tischer zu sagen, dieser Bär wäre eine Lusche und also gerade deswegen eines Abenteuers unwürdig.

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21 Gedanken zu “XIV. Aventiure Tischer: die fehlgeschlagene Ausweitung der Kampfzone

  1. werter herr hund, haben sie denn während der ganzen schokoladenbaderei gar nicht bemerkt, dass der herr tischer da heimlich geraucht hat? von wegen kein abenteuer! phaa … wer weiß, in welchen anderen bewußtseinsebenen der kleine sich da bewegt hat.
    schauen sie mal genau hin!
    ich grüße herzlich und nichtrauchender weise

    • Es bräuchte bei Tischer wohl eine ganze Tabakpflanzung für nur eine weitere Bewußtseinsebene. Sei es, wie es ist, dass einem Leser dieser Stummel auffallen wird, war mir dann auch klar. Doch ist dabei zu vermuten, es ist eher der Bär und nicht der Tischer. Und daher der Bär so friedvoll-jamaikanisch ist. Aber das sind reine Spekulationen……

  2. Lieber Herr Hund, ich möchte Ihnen nur mitteilen, daß das hiesige Florallabor Chenfreie Zone ist und voller Abenteuer steckt. Auch brauchte ich in Hinblick auf das doch nahende Jahresende viele neue Glücksscherben. Und, ich glaube, jetzt müssenSe Tischer festhalten, falls er Ihnen über die Schulter linst: Ich habe den Kuchendealer des Vertrauens nach den echtfalschen Bamberger Hörnchen gefragt. Machta! Also die falschrichtigen, die Tischer so mag. Wenn Sie also nochmals verreisen und Tischer vielleicht Asyl…?
    Ersatzheimatbietende Grüße, Ihre Frau Knobloch, freundlich zugetan.

    • Aber das ist doch ein Text, wenn auch ein schöner. Kommentare können das nicht lassen, Text zu sein. Und was ist so ein Text, wenn auch schöner, für einen Tischer? Da linst er, so viel er will. Außer dass die Schulter schmerzt, über die er hinüberlinst und auf der sein ganzes Kampfgewicht zum Liegen kommt, wird etwaiger Aufruhr und spontaner Aufbruch nicht zu erwarten sein. Allerdings, in kurzen Worten werde ich Tischer von Ihrem Angebot zu erzählen wissen, obwohl es uns allen schwerfallen würde, trotzdem, seiner zu entbehren. Lieber opfern wir die Suppenteller.

      Wir überlegen uns was. Die nächste Reise ist noch nicht geplant.

  3. Dem kleinen möchte-gern-wild-sein namens Tischer stehen bestimmt noch genug Aventiuren bevor, auch wenn er diesmal auf keinen bärbeißigen Kampfgenossen gestoßen ist. Selbiger hat ihn wahrscheinlich sogar vor bösen Brockenhexen beschützt, die Idylle im Harz trügt oft, denn wenn sie nicht zur Walpurgisnacht auf dem Blocksberg unterwegs sind, tanzen sie überall herum.

    Geradezu süchtig kann frau nach Ihren Tischeraventiuren ob sanft oder wild werden…ich könnte sie mir eines Tages in gebundener Form sehr gut vorstellen.

    Ob Sie ihm einen kleinen mit Hirse gefüllten Boxsack zur Verfügung stellen, falls er Frust mit zu viel Sanftheit hat?
    mit liebem Schmunzelgruß
    Karin

    • Das mit dem Trügerischen mag stimmen. Ich selbst wollte das mir genauer anschauen, doch am Ende zu beschäftigt. Nicht einmal auf den Brocken habe ich es geschafft.

      Dass Ihnen der Text Freude bereitet, bereitet nun wieder mir Freude. Tatsächlich ist da etwas in mir, das mit dem Gedanken spielt, als Text Tischer auf die Welt loszulassen.

      Lieben Gruß
      Ihr Herr Hund

  4. Auf Tischers Heimreise freut sich nicht nur Tischer. Lebt sich doch ruhiger, wenn man weiß, alles und jede:r ist am Platz.
    Klingt antiabenteuerlich? – Nicht doch. So klingt mittendrin!

  5. In Städtchen geht das Leben etwas langsamer, Sie haben dies hoffentlich genossen, eh die Berliner Luft wieder pfeift.
    Tischer hat das auch genossen, mir erscheint er entspannt.
    Fein, dass Sie wieder da sind.
    Wie Sie an den Kommentaren sehen, Ihr Fanclub ist noch der Alte. 😉
    Guten Tag mein lieber Herr Hund.

    • Ich habe es genossen, bedenklich gut sogar. Das will ich gar nicht verschweigen. Tischer hat dann tatsächlich noch seinen Frieden gemacht. Vielleicht erzähle ich davon.
      Herzlichste Grüße
      Ihr Herr Hund

      • Ja, das wundert mich nun wieder nicht.
        Was ist Ihr Plan den anderes, als Nostalgie, Langsamkeit und den Genuss des miteinander eng verbundenseins in die Großstadt zu bringen.

      • Hm, nicht schlecht.
        Stimmt, Wasser in großen Mengen (außer vom Himmel) ist hier Mangelware.
        Und da Sie zu mir nie ironisch, sondern immer nur charmant sind, vergaß ich sie glatt, die Ironie.;-)

      • Es wäre kein rechtes Verständnis von Ironie, würde man glauben, ihr fehle es an Ernsthaftigkeit und Respekt. Vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht und ich mien hierbei noch mehr die Selbstironie, dass in dieser eine sehr humane Einstellung zum Ausdruck kommt, weil sie die Schwächen, besonders die eigenen in Rechnung stellt.

        Aber charmant kann ich auch und bin es gerne

  6. Vom Knob am Loch, Frau Karin und der Arabella; weichen Bären, Butterbrot und dem Nutella; wünschen Tischer, Chen und die Kohorten; sich vielerlei gar große Abenteuersorten; um Rosen, Hörnchen und ganz vielerlei Kakao; denn spielen wollten sie nur eines: daselbstn ämlich Mau-Mau.

    Oder so ähnlich … 🙂

  7. *schmunzel*, mit Schmunzeln auf den lieben Hinweis Karins gerne hier gelesen
    und langsam beginne ich zu begreifen, was es mit Tischer auf sich hat. Hätte ich es vor einigen Wochen schon gewußt, dann hätte ich mich mit dem kleinen Brummbären, den ich im Landesinnern von Frankreich fotografierend fand u. dem anderen Bärenkind, das ich gestern in der Hand hielt u. leider wieder zurücklegte, weil ich Angst hatte, es würde sich mit meinen Teddybären auf dem Schlafzimmerschrank nicht vertragen, intensiver beschäftigt *g*

    So kann ich nur sagen, die Abenteuer der Welt, die sich hier bei mir überall unter dem Teppich oder im Schrank verstecken, die könnten ihm sehr gefallen u. aus seiner schokoladigen kurzzeitigen Langeweile flugs herausreißen.

    Aber da so eine lange Zeit inzwischen verflossen ist, vermute ich stark, er ist weiter gewandert u. langeweilt sich schon seit *ewigen* Zeiten nicht mehr, oder höchstens immer nur gaanz kurz

    Tja, für mich duftet er auch sehr verdächtig nach Veröffentlichung, lieber Herr Hund.

    LG von Bruni, wortbehaglich

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