XV. Aventiure Tischer: Pansa

Die Welt hat einen Radius, eine Ausbreitung. Manche sagen, sie sei groß. Und teilweise liegt dazwischen ein Gewässer. In der Konstellation Welt-Tischer ergeben sich aus Größe und dem Dazwischen drei Probleme, wenn es Werktag, also Schlaftag ist, sogar vier, aber mindestens:

Erstens, im Gehen ist der Radius eines Tischers kleiner als der einer Welt.
Zweitens, die Feuchtigkeit beim Durchwaten von Weltmeeren. Tischers Sache nicht.
Drittens, wenn Tischer „Lusche“ sagt und meint, grinsen sie in Feuerland, in Neuseeland und sonst ganz weit weg, wo sie alle denken, das wäre lieb gemeint. Grinsen, wenn Tischer „Lusche“ sagt und meint, ist keine angemessene Reaktion. Wir, die wir ihn verstehen, grinsen deswegen längst nicht mehr, wenn Tischer dabei ist.

(Anmerkung: der Übersichtlichkeit halber gehen wir von maximal vier Problemen aus. Eine Aventiure Tischer hätte, rechnen wir es durch, wahrscheinlich … und wer will die schon alle aufzählen. Ziehen wir zudem in Betracht, dass in des Abenteurers Kopf Probleme viel zu schwergrüblerisch sind, nicht sein Fall und überhaupt käme man ja nie zu einem Abenteuer, dächte man an die Probleme. Für Konjunktive und Eventualitäten ist in Tischers bekannter Welt kein Platz.)

Das Dumme ist passiert, unser Marcel erzählt viel und ein Wort muss Tischer aufgeschnappt haben: Wildnis. Das klang mächtig nach einem Abenteuer. Und Tischer fragt, Wo? Marcel, übereifrig, um kein Wort verlegen, sagt hier und da und dort. Tischer daraufhin, los! Das an einem Mittwoch, wenn Tischer eigentlich schlafen sollte. Das Wort, Wildnis, hatte für den Gestreiften wohl einen zu verführerischen Ton und Klang. Damit wäre verflogen Problem Nummer Vier. Werktag war nicht mehr Schlaftag. Tischer hellwach, ganz zappelig, das Fachwort dazu: voll Tatendrang.

So ein wenig hatten wir alle gehofft, nach dem Nichtabenteuer in dem Städtchen mit den Gässchen würde sich unser Tatendränger vom vergeblichen Warten erholen wollen. Das strengt nämlich ziemlich an. Getäuscht. Wieder einmal. Unser Hauptrabauke ist immer für eine Überraschung gut.

Gut, also, es ist Mittwoch, Tischer ist wach und will zum Da und Dort. Ab dem Moment, wo er das will, wird es tragisch. Denn seit der Gechichte mit Akkabar hat Tischer hinzugelernt (still und leise geschieht das hin und wieder).  Das Hingehen zum Abenteuer, da passiert ja nichts, ist furchtbar langweilig, reine Verschwendung von Kraft und Mut. Er braucht also ein Reittier, etwas, dass im Gehen weit genug kommt,  ihn trägt und ihn nicht herunterfallen lässt, da er die Strecke bis da und dort zu schlafen beabsichtigt. Abenteuer, das ja, auf jeden Fall. Nur hellwach ankommen sollte man. Wegen der Instinkte, denen ein Nickerchen in gefahrvollen Momenten zumeist sehr schlecht bekommt. Und dem, der sich auf sie verlässt. Er ist der Abenteurer, er wird es wissen.

Zurück zum Reittier, zurück zu mir. Denn hier komme ich ins Spiel. In unserem Rudel bin ich der mit den längsten Beinen, den größten Füßen. Und wer darin am besten ausgestattet ist und auch sonst nichts vorhat, hat das Reittier zu sein. Die Wahl ist getan. „Aleae iactae sunt“, flüstert mir Marcel ins Ohr und ich bedauere, Latein in der Schule gehabt zu haben, denn ich verstehe zu gut.

„Eine Ehre….“, sagt Tischer

„Aber…“

„…für Dich.“

Ich fühle mich geschmeichelt. Oder warum sonst beginne ich zu schwitzen? Kurz nur überlege ich, eine Grippe mit Länderbezeichnung vorzuschieben, sehe dann davon ab. Was kann schon ausgerichtet werden gegen die Ehre, Tischer tragen zu dürfen. Jedoch, so ganz will ich mich in die für die ahnungslose Welt folgerichtige Peinlichkeit eines Ausgewachsenen mit großen Füßen (und Schulabschluss), der einen Vollwilden auf seinen Schultern herumträgt, nicht begeben und gebe vor, für dieses Unternehmen eine eigene Rüstung anlegen zu müssen, es würde sich so gehören. Tatsächlich hoffe ich dadurch, unerkannt zu bleiben. Tischer ist alles recht, nur beeilen soll ich mich.

Ich greife zum Erstbesten, was mir nach Rüstung aussieht und füge mich ansonsten in mein Schicksal. Die Verschonten üben sich bereits im Winken und Abschiednehmen.

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Tischer hat also „seinen Pansa“ (Anführungszeichen, weil Pansa Don Quixotte Cervantes Text und sehr lang also Lusche also Tischers Sache nicht, folglich würde er mit Pansa nichts anzufangen wissen, ich soll ja nur tragen, Literatur hin oder her, nein, nur ihn hin und zurück)   gefunden (oder eben doch nur seine Rosinante). Und alles wegen meiner allzu großen Füße. Wegen der Erzählungen Marcels vom Hier, Da und Dort. Mir macht jetzt schon Angst wenn wir dorthin kommen, wo das Dazwischen beginnt. Denn auch ich mache mir nichts aus Feuchtigkeit, wenn es mit einer besonderen Tiefe einhergeht.

Letzter Eintrag vor Aufbruch, Basislager Schlafzimmer, (noch guter Dinge), Außentemperatur kalt, Wind ist da, es ist dunkel.

 

 

(Mein ausdrücklicher Dank für diese Geschichte -Ausgang offen- geht an SWR2. Eines eurer sonntäglichen Matinee-Rätsel brachte mich durch Lösung desselben in den Besitz eines formschönen Faltsiebs. Ohne diesen hätte ich mich nicht in Form bringen können und das Abenteuer, das danach folgte, hätte vielleich nie stattgefunden. Zumindest würde ich das gerne glauben, um euch zukünftige Leiden als zumindest Mitschuld in die Schuhe schieben zu können. Hätte es kein Buch sein können wie sonst? Gez. Herr Hund, abwesend)

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14 Gedanken zu “XV. Aventiure Tischer: Pansa

  1. Verehrter Herr Hund, neben der großen Freude Sie und all Ihre Gespielen kennen lernen zu dürfen, haben Sie mir einen meiner beruhigensten Momente in das allerhöchste Glück verwandelt.
    Dienstags, morgens, ist bei mir Hausputz.
    Ich tue dieses freiwillig, früh an einem Wochentag, weil ich die sichere Gewissheit habe, dieses hat ein ordentliches Ende, danach putze ich mich und ziehe duftend und duftendes hinterlassend, in die Arbeitswelt. Sollte diese ohne Erfolg für diesen Tag sein, bleibt mein Putzflow bestehen, ich habe schon etwas geleistet.
    Ihre, von mir mit innigster Freude angenommene Empfehlung zur Sonntagsmatinee des o.g. Senders, eröffnet mir Welten.
    Eine neue Dimension des Putzens.
    Dienstag morgens, kann ich mich dem Putzflow hingeben und SWR 2 schult mich dabei geschichtlich. Seit vergangenen Dienstag kann ich frei über einen gewissen Zeitraum der Geschichte Baden-Badens und seines ehemaligen Großherzogs sprechen.
    Nie bin ich aufnahmefähiger als beim Putzen!
    Dafür stehe ich tief in Ihrer Schuld.
    Tischer allein weiß wovon ich spreche.
    Ihre AraBELLa

    • Auf welchem Weg hören Sie SWR2? Via Internet? Fräulein Schneefeld hörte immer die Woche durch. Ich war ja Büro. Jetzt würde sie wieder gerne hören, nur ihr notebook ist etwas schwach auf der Brust. Berlin ist kein Vorort von Stuttgart.

      Das mit dem Tief und der Schuld, das vergessen wir mal lieber. Ich freue mich über diese Ihre Blogbekanntschaft, die auch mir viel gibt.

      Freundlichst
      Ihr Herr Hund

      • Hach, ich war grad so schön in den Worten. 😉

        Zum Radio hören schalte ich den Fernseher ein, schalte auf Kanal 1009, lasse das Ganze über die Musik Anlage laufen, wegen der Tonqualität.
        Dazu muss ich 2 Knöpfe drücken, die ich auswendig gelernt habe.
        Was dahinter steckt?
        Internet?
        Ich frage den Gärtnergatten und sage es Ihnen.
        Liebe Grüße 🙂

  2. Das Faltsieb, da ist es! Es passt besser auf deinem Kopf als jedes Buch das könnte!
    Ich bin froh, dass du große Füße hast, sonst gäbe es womöglich diese Geschichte nicht. Also grüße heute besonders deine Füße herzlich von mir!

    • Alles , alles Teile ich mit der Welt , dem Internet , den lieben Bloggermenschen , Tischer und allen anderen Mitbewohnern. Aber bei Herrn Hunds Füssen hört die Freundschaft auf.

      • Den Gruß wollte ich ausrichten und kam meinen Füßen dabei zu nahe……komatöse Ohnmacht über Stunden. So gesehen, ja es ist/war und wird sein, nämlich schlimm. Ich bin meinem Fräulein Schneefeld sehr dankbar, dass sie darauf ein wenig acht gibt, dass nicht Schlimmeres passiert und die Welt und ihre Bewohner weiterhin frei durchatmen können………..obwohl so ein wenig Weltschlaf und ich räume solange Tresore und Juweliere aus hätte schon was…….P.S. und die Keksgeschäfte…..Tischer findet den Plan gut…..Also Welt, ab morgen wird geschlafen, Füße kommen.

      • Ohje, dann ist es so schlimm, wie Fräulein Schneefelds Worte bereits vermuten ließen.
        Nun musst du nur noch etwas erfinden, wie im Blog Gerüche übertragen werden, dann geht dein Plan auf. Ich gebe Obacht, noch duftet der Morgen frisch und herbstlich.
        Sei gegrüßt, diesmal besonders die Ohren, die sind unverfänglich, oder nicht?

  3. Guten Morgen, lieber Herr Hund,
    Ihnen zum Trost: Sie leben nicht allein auf großem Fuß. Mein entzückender Enkelsohn weist schon mit 6 Wochen beachtliche Fuß- und Handgröße auf, er steht seinem Erzeuger in nichts nach, der auch mindestens Größe 48 hat, jedenfalls ersetzen des Vaters Schuhe schon ein halbes Kanu, also mangelt es dem Club der Großf(m)ütigen nicht an Zuwachs.
    Und es gab doch mal Jemanden, der über das Wasser wandeln konnte, es käme ja auf einen erneuten Versuch an oder vielleicht teilt sich ja das Meer, wenn sie in dieser Rüstung auftauchen, na falscher Begriff, sie sind ja noch gar nicht drin, also am Ufer lustwandeln..
    also : So weit die Füße tragen, es lockt der Ruf der Wildnis und der Kleine Wassermann

    Schmunzelgruß an die Abenteurer und ich bin auch wild….auf mehr Lesestoff…

    • Es wird mehr Lesestoff geben. Zunächst ist allerdings Marcel dran. Es fehlt noch ein halber Messe-Beitrag (mit Aktualität hab ich es wohl nicht so; eine Deadline würde mir den Garaus machen) und eine kurze Vorstellung wird es wohl schon bis Mittwoch geben: ich war mit Marcel zu Besuch………

      Es freut mich wahnsinnig, dass Ihnen die Geschichten so gefallen. Sie zu schreiben ist fast eine ebensolche Freude

      Freundlichst Ihnen und den großen Füßen in der Familie
      Ihr Herr Hund

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