XVII. Diplomatie

Aventiuren gehen nicht ohne Schmutz. Das ist Naturgesetz. Und da Tischer so ziemlich Natur ist, fällt er darunter. Uns fielen Streifen auf, die vorher nicht da waren. „Hab mich befördert“, meint Tischer. Verdient hätte er es. Aber mehr von Mut, als Tischer hat, das ist Utopie. Es soll nichts Unwahres erzählt werden.

Nein, Tischer ist Obergrenze an Mut. Die Streifen kommen woanders her. Wie beim letzten Mal und beim Mal davor und davor und immer Tischers Erklärungen, also die eine. Dazu das leichte Zittern, denn er weiß, was ihn erwartet. Jenseits der Obergrenze von Mut wird es feucht. Und eigentlich ist das geklärt zwischen Tischer und feucht: jeder bleibt auf seiner Seite. Sie teilen sich das Ganze, als wär’s Chicago, Al Tischer und Al Feucht.

Jetzt krieg die mal zusammen, wenn da zu viel Streifen sind und Tischer vielleicht Gefahr läuft, übermütig zu werden. Da muss was getan werden, auch in seinem Interesse. So ein Zusammenkommen von Al Tischer und Al Feucht findet 2 bis 3 Mal im Jahr statt. Es soll friedlich bleiben, also dass „es kein böses Blut“ gibt. Das kostet Nerven, uns Unbeteiligte. Man wird da so hineingezogen und muss da durch.

Es gibt einen. der sowieso der Klügste von uns ist, der schnell gelernt hat, nämlich Marcel. Er hat ein ausgleichendes Wesen und ist auch sonst nicht auf den Kopf gefallen. Ein Diplomat, wie ihn sich die Uno wünschen würde. Angefragt hat sie noch nicht. Und außerdem, mit Tischer, da hat er schon genug zu tun. Nimm alle Weltkrisen zusammen, das Spitz auf Knopf, nicht das Dumme daran, und du kommst so ungefähr an das heran, was ein Tischer sein Tagwerk nennen würde. Und Marcels Tagwerk, sofern er nicht die Nase tief versenkt hat in Tolstoi oder einen anderen Dickseitigen, besteht darin, Tischer wenigstens so ein wenig in der Spur zu halten. Marcels Genius werde ich nie durchschauen. Er schafft es einfach. Also hin und wieder, denn Genius vs. Tischers Rabaukerei, das ist ein offenes Spiel mit ungewissem Ausgang.

Es sollte erwähnt werden, die beiden sind fast so etwas wie Brüder. Das kann zur Erklärung helfen, muss aber nicht.

Jedenfalls so ein richtiger Brocken in Marcels Aufgabenbereich ist die Sache mit Al Feucht und den überzähligen Streifen von Tischer. Marcel ist klug genug (möglich, dass das irgendwo bei Tolstoi zu lesen ist), dass er weiß, Diplomatie erfordert bisweilen Opfer, von der unangenehmsten Sorte: mit gutem Beispiel voran. Denn ja, auch unser Marcel hat es mit Al Feucht nicht so, erstmal.

Al Feucht löst bei ihm, und er kann es mit seinem Genius einfach nicht in den Griff kriegen, das ziemlich gleiche Zittern wie bei Tischer aus. Wenn nicht so schon, im Zittern sind sie verbunden, Eigentlich ein sehr interessantes Phänomen, das uns Unbeteiligte da jedesmal aufgeführt wird.

Nichtsdestotzrotz, das Zittern kann nicht verhindern, dass Marcel weiß, wie wichtig es ist, zu einer friedlichen Übereinkunft zu kommen, von wegen Balance der Kräfte undsoweiter. Er schreitet also voran, in einer Angelegenheit, bei der Tischer das einzige Mal (sehr wichtig: nicht weitererzählen!) in Ziemlich höchstens Zweiter ist. Und das wäre dann fast schon Lusche.

Marcel, man bedenke, es sind keine Nacktwochen, womit bewiesen wäre, wie brenzlig die Situation ist, legt sein Jacket ab und geht in die Konfrontation mit Al Feucht. Er bereitet das Feld für Tischer, wenn man so will. Und Tischer, scheinbar, weil er nicht will, dass da noch einer kommt und er wäre dann höchstens Dritter, also ganz sicher Lusche, mit ebenso leichtem Zittern wie Marcel vor ihm, konfrontiert sich auch mit Al Feucht. Und so kann das Saubere-Wäsche machen, wie es in Chicago genannt werden würde, beginnen.

DSCF3391Wobei Wäsche ist da ja nicht. Das abgelegte Jacket ist bereits erwähnt. Aber selbst Tischer geht ohne Hose und Tuch in diese Konfrontation. Rituale wahrscheinlich. Doch wenn es gut ist und hilft, den Frieden wieder herzustellen, dann also nackt. Vielleicht sollte bei eskalierenden Krisen eh mehr nackt diplomatiert werden. Das müssen die wissen. Hier bei uns, da scheint es zu funktionieren.

DSCF3390Mitten drin in der Bereinigung nehmen Marcel und Tischer die Sache auch sehr ernst und sind sehr gründlich. Marcel wird seinem Al Bruder sicher den ein oder anderen Hinweis geben und der wird sich, so klug ist er dann schon, danach richten. Trotzdem, es dauert. Nicht gerade einen ganzen Tag, aber doch so lange, dass angedachte Aventiuren oder das Versenken von Nasen in Tolstoi erst einmal verschoben werden müssen.

Tatsächlich, dank Marcels Geschick und Tischers Folgsamkeit -die Bläschen, die er gelegentlich hat aufsteigen lassen, tun dem keinen Abbruch-, entspannt sich so die hochbrenzlige Situation und……….

DSCF3386…..,wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man den Eindruck gewinnen, die beiden fangen an, sich wohlzufühlen. Was Diplomatie so alles erreichen kann. Jetzt, das Anstrengende hinter sich gebracht, lässt auch Marcel das ein oder andere Bläschen steigen. Der Frieden ist wieder hergestellt. Mehr als das.

DSCF3393Denn wie es aussieht, sind Marcel und Al Tischer sauberer aus der Sache herausgekommen als Al Feucht. So macht man Geschäfte, so wahrt man den Frieden. Und das Erreichte in trockene Tücher gebracht, ist wieder Ruhe für einige Zeit.

Ich bin sehr stolz auf die Beiden.

Doch jetzt, Bitte!, rasch wieder angezogen. Es sind Damen unter den Lesern. was sollen die denken, bzw, wer soll sie aufhalten, wenn sie das noch länger sehen?

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28 Gedanken zu “XVII. Diplomatie

  1. Ich weiß zwar nicht, ob ich unter den Begriff „Damen“ falle, aber ja: Wer soll mich aufhalten!
    Schon das Ansehen entspannt, ich werde es jedenfalls weiterempfehlen.
    Auch Tapferkeit, Diplomatie und gelegentliches Bläschensteigenlassen werde ich mir merken.
    Somit: Neuer Bildschirmhintergrund und wieder ab in den Alltagsdschungel. Ich befördere mich ebenfalls selbst!

  2. ich traue es mich ja kaum zu sagen, aber al feucht könnte vielleicht besänftigt werden. ich würde dazu schokoloko empfehlen. tischer hätte vermutlich sogar spaß daran?
    letztlich sollen sie aber von mir befördert werden, nämlich zum erfinder der nackten diplomatie, die ganz sicher durchschlagenden erfolg verzeichenen wird!
    herzlichst grüßt sie die seifenfee 🙂

  3. wieder das pure Vergnügen von Tischer und Marcel zu lesen….
    Ich liebe Ihr großes Herz und Ihre Kinderseele, Ihre Fantasie, Ihre Wortspielerei und bin nach wie vor der Meinung, das muss eines Tages in gebundener Form vorliegen und ich schlage es schon heute für den Jugendbuchpreis im Jahre XYZ vor.
    Es sind so unerwartete Adventsgeschenke, die einem morgens beim Lesen vor die Augen purzeln und nichts als Freude bringen.
    Jetzt aber schnell mit den Beiden in warme Kleidung, auf/in trockenen Tüchern sind sie ja schon.
    Lächelstrahlegruß von mir an Sie und Fräulein Schneefeld

    • *glucks…Sehr schöne Qualitäten, die Sie mir da zuschreiben. Ich kann nur sagen, ich stelle fest, den größten Spass beim Schreiben dieser Geschichten zu haben. Das ist das Wichtigste: Freude, ein wenig Notwendigkeit und mit dem Herzen dabei.
      An irgendwelche Preise denke ich nicht.
      Freundlichst
      Ihr Herr Hund

  4. Ein Diplomat der ja sagt meint vielleicht, der vielleicht sagt meint nein, der nein sagt ist kein Dipolmat.
    Eine Dame die nein sagt meint vielleicht, die vielleicht sagt meint ja und die ja sagt ist keine Dame.
    Antwortet für mich Herr Tallyrand- Périgord.

  5. Wurden Tischer und Marcel nach dem Bad luftgetrocknet oder kamen sie in den Genuss wohlig-warmer Luftströme aus einem Fön? Das würde mich interessieren. Alle anderen wichtigen Informationen haben Sie in Ihrem fein austarierten Text ja bereits geliefert. lg_jochen

  6. die reinigung per wasser ist doch um einiges angenehmer als jene durch feuer. ich kenne die beiden nicht so gut, von denen du hier erzählst. sie sind mir aber beide sympathisch und frisch gebadet sehen sie noch schöner aus. was die diplomatie angeht, – die hilft oft. ist aber nicht immer erreichbar. einen besseren kommentar kann ich gerade nicht schreiben. ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich überhaupt irgendwas verstanden habe. der kommentar ist sowas wie ein blindflug. sehenden auges allerdings. sagen wir also: doch kein blindflug. 🙂

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