Liegengebliebenes

„In den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts hatte Richard Barnes, ein Wissenschaftler aus Cambridge, sich zusammen mit seiner Frau Karen daran gemacht, in den Regenwäldern von Gabun die Populationsdichte von Elefanten durch Zählung der Kothaufen zu ermitteln. Niemand hatte eine Ahnung, wie viele Waldelefanten es tatsächlich gab. Aus der Luft war es unmöglich, sie zu zählen, und Zählungen vom Boden aus waren schwierig und unzuverlässig. Die Kothaufen von Elefanten waren indes leichter zu finden, als die Elefanten selbst. (…) Zwei Jahre lang streifte er durch den Ogoouè-Ivindo-Wald im Nordosten Gabuns, markierte rund 20 Kilometer lange Pfade, die den Wald durchschnitten, watete durch Flüsse und Sumpfgebiete, die auf seinem Weg lagen, und zeichnete alle Daten über die Elefantenkothaufen auf, die er fand. Jeder einzelne Kothaufen wurde registriert, sein Fundort festgehalten, sein Alter geschätzt. Das Alter wurde in vier Kategorien unterteilt, von A für einen Kothaufen, der intakt, sehr frisch, feucht war und roch, bis D für Klumpen, die völlig zerfallen oder verwittert waren. Die Ergebnisse waren beeindruckend genug, dass sich andere Teams von Kothaufen-Läufern auf den Weg machten, um in Brazzaville und Kinshasa im Kongo, in Kamerun und in der Zentralafrikanischen Republik zu forschen.“ (Martin Meredith – Der afrikanische Elefant, Eine Biographie, Diederichs-Verlag, Seite 162f. Zu empfehlen.)

Und nach der Lektüre ich in Gedanken wieder hier bei mir, doch nicht ganz, gebe es allerdings, sobald ich mir die Größe des Unterfangens vor Augen geführt habe, auf, etwa dieselbe Methode auf die Ermittlung der Populationsdichte hiesiger Vierbeiner anzuwenden. Zu großräumig. Zu dicht und verzweigt das Geflecht ihrer Wege beim Gassigehen und Herumstreunen. Und sowieso wäre es eher einem krankhaften Fetisch gefolgt als wissenschaftlich begründet. Sie sind ja alle, ich nehme es an, gemeldet.

Eines aber weiß ich bereits, und es mag dann doch als Ausgangspunkt und -these für mögliche Nachforschungen in der Zukunft, von Langeweile geplagt, dienen, dass scheinbar all diese Wege kleiner und größerer Hunde direkt vor meiner eigenen Haustür verlaufen müssen, und das beständig, deuten doch die Hinterlassenschaften, in jeder Kategorie vorhanden, darauf hin.

Sachbücher, vornehmlich im Bereich der Naturwissenschaften, wie wohltuend anders als Belletristik, immer bei den Fakten, immer bei dem was ist, nie sich verlierend in der Ideenwelt eines Einzelnen,

Bevor ich mich in meiner verliere, mache ich jetzt lieber einen Spaziergang, um auf andere Gedanken zu kommen, vorsichtig dabei einen Fuß vor den anderen setzend, Denn ich kenne so ungefähr die hiesige Populationsdichte. Sie ist groß.

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9 Gedanken zu “Liegengebliebenes

    • Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich liebe Hunde. Allerdings, in dieses starke Gefühl mischt sich diese Ambivalenz, sehe ich keine Hunde, aber das, was sie so zurücklassen. Schiebe es auf die Frauchen und Herrchen.
      Der Clip, sehr lustig gerappt und gesteppt.
      Freundlichst grüßt
      Herr Hund

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