Sesam öffnet sich………………………………nicht

Wir sind nicht Ali Baba, sind alle nicht Rilke, nicht einmal Buchpreisträger, die meisten von uns. An mir schaute ich heute wie jeden morgen hinab und wie jeden Tag in mich hinein und fand den Dichter nicht. Meine Worte sind höchstens grobkörnige Schattenspiele. 10 Worte oder alle in ein paar zeilen, und fühlen sich höchstens liebevoll gemeint an, schlimmstenfalls aber frigide, gänzlich unfruchtbar, seltsame Verrenkungen, von einem intimen Tango mit Folgen weit entfernt, grotesk, zu glauben, sie bewirken Märchen, Zauber, Welt-veränderung und es würde mich nicht wundern, sie landen wie unerwünschte Emails in Spamordner, delete, delete, delete, maximal einmal gelesen, geliked, kommentiert, dann weiter im Text, weiter im Text, weiter im Text…………………………….10 Worte, 100 Worte, 1000 Worte, Alle Worte, an jedem hinge vielleicht der Hauptgewinn und ich der Strippenzieher, Trostpreise billige Schraubenzieher, kleine Kuscheltiere als Schlüsselanhänger, alles Jahrmarkt, gebrannte Mandeln und Zuckerwatte, Karussells……..jede weitere Fahrt, mir schwirrt der Kopf, dreht sich der Magen. Zu viel Süßkram, zu viel Wirbel, Lichter, Lärm……..und wünsche so bisweilen, wenn ich denke, ich kann nicht mehr wollen, über Krokuswiesen, Mäuselöcher zu kreisen als einsamer Greifvogel in klarer hoher Luft, und nur Stille
Stille
Stille
Stille
„Stille“ (ein Wort)
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XXII: I. Hundsbuchfrühjahrsmesse

DIY. Ich ganz gespannt, um dann zuletzt wohl den Fehler bei der Sache mir selbst gegenüber eingestehen zu müssen. Falsch gelegt.

Die Nächte durchgearbeitet und den Stand mit den aktuellsten Büchern hergerichtet, alles ganz gemütlich gemacht. Viel Text angeschleppt, vorher gebohnert, abgestaubt und einmal richtig durchgelüftet. Nach_getaner_Arbeit

Der Mitarbeiter im Bild hat geschleppt. Wenn das kein Engagement ist, dann weiß ich auch nicht. Und, dem Trend folgend, wurde sogar ein Band Lyrik untergebracht, das schmale Buch ganz rechts, gleich neben dem Mitarbeiter. Es ist das mit am wenigsten Text. Und so gar keiner Handlung, aber intensiv.

Das also sind die aktuellen Bücher in diesem Frühjahr. Aktuell sind die Bücher, weil man gerade darin liest. Das passt also.

Es gibt neben den Büchern aber auch die Möglichkeit zum Gespräch. Ist Teil des Rahmenprogramms. Zur Couch für die prominenten Gäste hat es dieses Jahr noch nicht gereicht. Farblich wurde jedoch gelungen kopiert. Man kann nicht immer und ständig kreativ sein und immer das Originelle. Ein wenig sollte man sich schon an der Zielgruppe orientieren und kann ruhig Bewährtes fortführen. Gut_vorbereiteter_Moderator

Unser Moderator genügt jedenfalls den hohen Ansprüchen. Er kann es kaum erwarten, den ersten Gast, das erste Gespräch über Tolstoi. Da muss, wer kommt, durch. Und wenn dann noch Zeit bleibt für das eigene, na, man wird sehen.

Ebenso berücksichtigt wurden die immer größer werdende Relevanz von social media und dem ganzen anderen Zeugs für das mir English&IT-Vokabeln fehlen. Die Bloggerwelt soll folglich noch aktiver mit einbezogen werden. Für eine Lonsche war das Budget längst ausgeschöpft: Also wenn’s geht, zum Austausch bitte immer nur einer. Blogger_Stuhl Aber nur mit Akkreditierung.

Für alle anderen, es gibt bei uns um die Ecke eine Raucherkneipe.

Fehlt noch irgendwas? Nein. Trotzdem bis jetzt nicht ein Besucher. Gibt es denn so gar keinen, der sich da draußen für aktuelle Literatur interessiert? Seit letzten Donnerstag können Besucher aus aller Welt sich darüber informieren. Gekommen ist bislang nur einer von den Stadtwerken. Der war angemeldet.

Es sollte für die erste Messe ein intimer Rahmen sein, sicherlich. Das aber ist jetzt total öde. Wenn sich bis zum letzten Messetag morgen nichts tut, wird es zudem ein finanzielles Fiasko. Da wird es im nächsten Jahr, wenn die Hundsbuchfrühjahrsmesse überhaupt stattfinden kann, nochmal eine Nummer kleiner zugehen. Wir werden dann entweder auf den Stuhl oder auf das Kissen verzichten müssen.

Sogar einen Preisträger gibt’s. Tolstoi, wie jedes Jahr. Es wird schwierig, bis zum nächsten Jahr herauszufinden, ob er auch Gedichte geschrieben hat. Wenn nicht, dann leider, Leo, bist du draußen. Immer nur Romane, kann jeder.

Nur auf ein Gastland haben wir für dieses Jahr noch verzichtet. Die Wohnung ist einfach zu klein.

Verdammtnochmal !!!

Caruso

„Eine Kunst auszuüben, egal, wie gut oder schlecht, ist eine Methode, die Seele wachsen zu lassen, verdammtnochmal. Singt unter der Dusche. Tanzt zur Musik im Radio. Erzählt Geschichten. Schreibt jemand Liebem ein Gedicht, gern auch ein lausiges. Macht es so gut, wie ihr nur irgend könnt. Ihr werdet eine Riesenbelohnung dafür kriegen. Ihr werdet etwas geschaffen haben.“ Kurt Vonnegut

Kommt sofort zur Ausführung!

Kurzfristig kurzweilig.

Bestimmt lesen irgendwann bald und sofort

Joyce
Arno, Schmidt und Holz, beide dauerhafte Empfehlungen
Hölderlin
Beckett
Brecht
Vonnegut (in Sicht)
und
und
!!! Vor allem Ringelnatz !!!
und
und
und
Murakami
und
und
T.C.Boyle
und
und
Shortlister
Longlister
Prizelister
und
und
und
Empfehlungen der Süddeutschen, der Frankfurter, der Zeit, der der der
und und und dieses und jenes Blogs

sowie die Rezensionen und weiterführenden Beiträge, sofern es um Literatur geht
doch doch doch aber auch
alles andere, was interessant ist, oder doch zumindest anregend genug geschrieben ist

dazwischen aber hoffentlich immer wieder am See, am Cafétisch, im Bett oder unter einem Baum
der EINE……Proust

alles zum ersten Mal oder wieder und wieder und immer wieder neu

sobald die Lust wieder einsetzt
die so ein wenig
weil die Frage ist, wozu denn überhaupt
und warum nicht dann Bergwandern, Wasserski oder Töpfern

Zeit kriegt man damit auch rum
auch mit Gartenarbeit
ich habe keinen

so stockt es -nur kurz, nur gelegentlich-
und ich greif
zum Nothammer in der Notklammer
zum Starterkabel

im Wald vor lauter Bäumen

nach der Autorin, die immer half
Flutschbücher sagte wer
meine sind von
Tana French

und der Leselustmotor springt wieder an

Ist auch eine literarische Qualität.

Die Frage bleibt im Übrigen.

Liebe. Bla Bla Bla. – „Bonsai“ von Alejandro Zambra (übersetzt von Susanne Lange)

Weiß für das Leben aus Büchern nicht, was Liebe ist. Doch natürlich habe auch ich bereits viele Liebesgeschichten gelesen. Diese hier von Alejandro Zambra (im Original bereits 2006 erschienen) sogar dreimal. Sie ist kurz, was mir entgegenkam. Auf den zweiten Blick ergab sich so für das Buch zumindest Sympathie.

Am Anfang wären da Emilia und Julio. Der Erzähler nennt sie so. Emilia wird sterben, Julio nicht. „Der Rest ist Literatur“ (S.11) Was Liebe ist…? Liebe ist eine Geschichte.

Weitere Personen in ihrer Geschichte sind nicht weiter wichtig. Es gab diese Zwei. Es gab die anderen.

Emilia und Julio sind zu Beginn der Geschichte zwei chilenische Studenten „mit einem Faible für die Wahrheit“ (S.23). Und einer gegenüber dem anderen geben sie vor, Proust zu kennen. Literatur ist ein möglicher, vielleicht nicht unwesentlicher Grund für ihre Geschichte, wie für ihr Ende. Dabei wollte Emilia nur noch „auf gut Spanisch vögeln“. Dann kam aber die Literatur und so Liebe, Lüge, Wahrheit und der ganze Kram.

Wenn es keine Liebe gibt, so gibt es zumindest Geschichten von Liebe. Es ist im Kern das, was Liebe genannt wird, vielleicht eine allzu schnöde Angelegenheit, ohne die Geschichten, ohne die Poesien, die sich darum ranken. Emilia und Julio, wie der Erzähler sie nennt, finden darin erotische Inspiration für gemeinsame Nächte. Aber „Liebe“? So gelingt es ihnen auch nicht, das, was Liebe sein könnte, von der Literatur in das Leben zu überführen, von den gemeinsamen Nächten in den Tag. Diese Liebe scheitert. Und die gemeinsame Lektüre von Prousts Unterwegs zu Swann endet auf Seite 373, bei einem Zitat, das erklären könnte – oder eben nicht.

„Julios und Emilias Geschichte dauert an, fährt aber nicht fort.“ (S.38) Sie ist der Literatur entliehen und wird mit Emilias Tod nicht mehr fortgesetzt werden können.

Es bliebe Erinnerung und Gedanke, wenn man es hochtrabend möchte, nennt man es Idee und Julio, wie der Erzähler ihn nennt, findet nun dazu die Form…

…findet zum Bonsai. Das Leben wuchert. Aber Bonsai ist die Kunst der Reduktion auf das Wesentliche, das Gefäß besonders wichtig.„Außerhalb seines Topfs ist der Baum kein Bonsai mehr“ (S.82) Für Julios Liebe mag der Weg im Leben versperrt sein. Er findet einen anderen. Es ist nicht dasselbe.

Es gibt das Leben, seine Zufälligkeiten, sein Vergehen. Dabei Momente, da man glaubt, so ist es, wie in der Kunst, in der Literatur. Und Geschichten etwa von Proust, von Flaubert, von anderen, würden erzählen, wie es ist, TATSÄCHLICH ist. Nein, sie deuten nur, formen aus. Und die Geschichte von Emilia und Julio, wie der Erzähler sie nennt, ist nur eine weitere.

Eine allerdings, die mir sehr gefallen hat, erzählt in einer klaren Sprache, reduziert, klein, wie ein schöner Bonsai. In passender Form.

Unbenannt

(Suhrkamp Verlag 2015, 90 Seiten, 64 Gramm, 7 Lesezeichen)

(Was Liebe ist? In ihrem Wesen, Beginnen und Vergehen unbegreiflich, sofern es das Leben betrifft. Siehe als Beleg Proust, Seite 373. Oder jedes andere Zitat.)