Ohne Abschluss

Würde sagen wollen, ganz überrascht nach den großen Ferien. Nur so war es nicht. Vielmehr so häufig, wie dieses Mal auch, geschwänzt. Die Sonne an diesem Tag so schön, an jenem das Leben so offenherzig, ich abgelenkt, ändere die Pläne und gehe vorbei. Gut möglich, es gehöre sich, auf den Lehrplan, zu schwänzen geradezu. Nicht jeder Lektion zu folgen, sie gewissenhaft aufzunehmen, sondern lieber herumzuschlawenzeln irgendwo und sich selbst schmunzelnd einen Reim zu machen.

Ich glaubte das die letzten Tag wohl zu sehr, dauerschwänzte, stand jetzt davor, Grundschule Joachim und musste feststellen, sie steht nicht mehr, nein, nicht etwa abgebrannt, glaube ich, sondern allein nur ein leerer Platz.

Ringelnatz, sonst stets anwesender einziger in einer Person Lehrer, Rektor, Hausmeister und Herausgeber von Pausenmilch und -brot, sogar ein wenig Tabak mitunter, alt genug die Schüler, also ich, nicht aber so weise, um nicht noch zumindest diese Schule besuchen zu können, war ebenso verschwunden. Keine Menschenseele, nichts zu hören, kein „La Paloma“, da erste Stunde Musikunterricht, Stille.

Wo bekommt Herr Hund seinen Schalk nun her, endgültige Form? Die Nase nichtmal ansatzweise ausgewachsen, kümmerlicher kleiner poetischer Zinken, mehr als Millimeter, die fehlen.

Es steht, verlassen, Muschelkalkweg, linke Straßenseite, ein gefühlter 8-Jähriger vor einem großen leeren Platz, schlechter Schüler, viel zu lernen, wenig gelernt, hätte auch freiwillig nachgesessen, kann es aber, nach einiger Zeit sieht er es ein, trotz seiner Unreife, nicht mehr herbeiändern und kramt hervor kurzen Stift, Bleistift natürlich und ein Papier, Umpapier von einem Kaugummi und schreibt nichts Witziges, nichts Geistreiches, aber wenigstens fehlerfrei, einfach

DANKE!

hängt es an den Baum, an dem er eben noch lehnte, vis-a-vis des leeren Platzes, des verschwundenen Blogs, summt oder pfeift, wie er es kann, das eine kleine Lied und schwänzt letztlich davon, während die Sonne ihn an dem, was eine kolossale poetische Nase hätte werden können, sanft und verständnisvoll kitzelt……wird schon!

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9 Gedanken zu “Ohne Abschluss

  1. Nase. Nase! Ich meine: Nase! Sie ahnen, dass nicht die Sonne…?!
    Auf der Theke im neuen Floratelier liegt die Uraltzerlesenringelnatzausgabe, ich lese hundertfach bekanntes und lächle stillfein vor mich hin.
    Liebe Ostermontagsgrüße, Ihre Frau Knobloch.

    • Ja, ja, es ist vielleicht nicht die Sonne, obwohl, schwer zu sagen, wo der Unterschied. Liebt denn die Sonne nicht auch die Blumen?
      Dass Sie ein Zerlesenes haben, wundert kaum. Doch direkt vorne auf der Theke? Hi Hi, ein schönes Bild.

      Ihnen ebensolche Ostermontagsgrüße
      Ihr Herr Hund

  2. Lieber Hundeherr!
    Nicht wahr,so herrliche Spaziergänge waren das. Man fühlte sich sehr aufgehoben.Und für Sie gab es sicher immer eine Schüssel köstliches,klares Wasser zum aufschlappern,oder?

    Freudigerweise gibt es noch ein paar andere Orte voller Magie in der Nachbarschaft.
    Und um Ihre Nase machen Sie sich mal keine Sorgen,die wächst noch. (Außerdem ,wuchsen in ihr nicht seltene Gräser,deren Namen ich bedauerlicherweise vergaß?)
    In Ihrer Brust schlägt schließlich auch das Herz eines Dichters!

    Anbei ein Ringelnatz zum Trost.

    Sieh,ich war so oft allein,
    Und ich lernte gleich den Zweigen,
    Gleich dem Stein,
    Träume wachen,Worte schweigen.

    Denke,dass ich Dichter bin.
    Eure Sonne ist nicht meine.
    Nimm als Freund mich hin,
    Wenn ich dir auch fremd erscheine.

    Lass mich lauschen aus der Ferne,
    Wenn ihr tanzend schwebt,
    Dass auch ich das Schwere lerne:
    Wie man narrenglücklich lebt.
    (Joachim Ringelnatz)

    Beste Grüße,Ihre Mensch Päddra

    • Vielen Dank für das Weiter-geht’s! Ich bin ja Herr meiner selbst und breche nicht zusammen. Doch bedanken musste ich mich. Es war ein für mich zu schöner Grund, stehenzubleiben. Jetzt, spätestens aber ab morgen, schaue ich mich um nach weiteren magischen Orten, wie von Ihnen behauptet.
      Für das Trostgedicht herzlichsten Dank. Es wirkt.
      Freundlichst
      Ihr Herr Hund

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