Die Pfaueninsel

Höchstens fünf Minuten dauert das Übersetzen mit der Fähre. Eine Menge Menschen, die sich jedoch schnell verläuft. Es gibt zahlreiche Wege auf der kleinen Pfaueninsel, vieles zu entdecken, Verborgenes, für das man den Blick hat oder nicht. Die Tapete im Jagdschirm jedoch, in Schweinfurter Grün, ist längst abgeblättert und beim Betrachten von außen durch die Fenster nur noch zu ahnen. Tor_Himmel Ob ich mit den Augen des Autors die Insel betrachte, mit den Augen seiner Heldin Marie oder doch mit den eigenen? Was wir sehen heute, ist eine andere Welt, doch bleibt sie letztendlich dieselbe. Sind alles Bilder, die man hat, das Offensichtliche, die Empathie, sie schlägt die Brücken. Impressionismus. Brücke_grün_grünNicht mehr finden sich die ehemals zahlreichen exotischen Tiere; Pfauen sind da noch, natürlich, kreuzen den Weg, werden -verbotenerweise, nicht von uns- gefüttert mit süßem Gebäck. Ein paar Pferde und Ponies, ihre Mähnen, sind zu entdecken hinter hohem Schilf, dahinter das Wasser der Havel, die Segelboote. Und Schafe (oder Ziegen) liegen müde im Gras.

Die Fontäne, in Blickachse zum Schloss, ergießt sich weiterhin, für die Besucher, für uns. In Meierei und Schloss sind Führungen zu machen. Nicht die greise Schlossherrin, die alles zeigt. Und froh wieder ist und für sich, sind die Besucher verschwunden.

Auf einer Bank, in der Nähe des Luisentempels, die kurze Rast. Der mitgebrachte Zitronenkuchen wird nicht geteilt. Zu schmackhaft. Gestärkt der weitere Gang. Und nur ein kurzer Besuch der Liegewiese. Die Schlange am BBQ-Stand wäre eh zu lang gewesen. Und der Zitronengeschmack auf der Zunge hätte sowieso sich mit einer Thüringer Bratwurst nicht gut vertragen, obwohl ich…doch Herr Hund beherrscht mich nicht immer. Struktur_des_Schönen Im Zentrum die Voliere. Etwas Unbedingtes, Forderndes liegt in der Schönheit dieser Vögel, dabei wie unsicher der Erfolg. „Schönheit ist Willkür. Es gab sie nicht, wenn er ihr nicht gefiel. Ganz egal, ob ich ihn schön finde, dachte Marie, nur ihr muß er gefallen.“ (S.68) Er ihr und kein Anderer. Muss gefallen. Nicht sehr angenehm kann das sein. Und wenn sie sich ihm ab- und einem anderen zuwendet? Ist er dann nicht mehr schön zu nennen?

Zum Glück sind wir weiter. Sind weniger befangen als die allein auf Fortpflanzung Bedachten. Oder doch viel mehr befangen, gedankenvoller, dabei im Einzelfall und -Urteil gedankenloser. Was den Pfau angeht, ohne Absicht, die Vorderseite im Blick, können wir die Schönheit des Federschmucks bewundern, ohne zu müssen. Machen ein paar Bilder und setzen den Weg fort.FederschmuckAm Ende wird das Schloss angegangen. Heute ist es nicht zu betreten. Von außen ist es Kulisse. Ein wenig Angst könnte man haben, sie unabsichtlich umzustoßen durch Berührung. Wie sich auf dieser Insel vermischt, Attrappe und Natürlichkeit, ist faszinierend. Dabei ist jedoch nichts Falsches, wenn auch Unechtes.Mir scheint, wo der Mensch ist, existiert ganz selbstverständlich Beides, neben- und ineinander.

Vorbei der Rundgang, ein baldiges Wiederkommen jedoch wahrscheinlich. Die Wirkung des Zitronenkuchens ist verbraucht, zuhause wartet der Spargel. Die Wirkung der Insel, sie wird nachhängen.

Wie es das Buch von Thomas Hettche, „Die Pfaueninsel“ längst schon tat, bevor es Monate später überhaupt gelesen wurde. Jetzt, da es gelesen, kann ich auch sagen, es hat mich nicht enttäuscht. Es hat das getan, was in Hettches Lebensbeschreibung der Marie Strakon einmal in Bezug auf Gärten treffend gesagt wird, und es mag gelten für das Leben selbst, doch sicherlich für gute Geschichten: „Nur um das Herz zu berühren. Und das ist doch unsere Aufgabe auf der Welt, nicht wahr? Das Herz des anderen, aber auch unser eigenes. Ganz gleich wo wir sind.“ (Seite 143)

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9 Gedanken zu “Die Pfaueninsel

  1. Ich bitte, besuche weiter Inseln und Schlösser.
    Und…erzähle uns davon, so dass ich mich in den Worten verliere, wie gerade geschehen.
    Herzeliges. ..BELL…

    • Für diese Plätzchen zu suchen, ist ja gerade nicht so die Zeit. Doch wenn ich eines finde, soll es mein Geheimnis nicht bleiben, meistens.
      Bis dahin zumeist die Plätzchen, für die es -bei mir- weniger zeit braucht, wie dieses hier in meiner Handmmmmppfff….mmmpppff. Soll über diese ich auch berichten?
      Grüsselig
      Wuff

  2. Bilder und Text saugten sich ins dankbare Hirn gleich Zitronenkuchenkrümelchen…wunderbar…eine überraschende Wohltat für schöngeistliebende Fee am Abend.
    Danke…Und liebe Wochenendgrüße…✨

      • Herr Hund…ich mag auch Ihr Unverdaulicheres. Ihre Beiträge regen mich stets zum Nachdenken an, die Büchertipps, das was sich daraus mit dem Leben und den Empfindungen verquickt. Ich seh noch den Gasthund kopfschüttelnd vor den Frolic stehen. Wenn meine Mutter wegsah, gab ich ihm ganz schnell die Hälfte meiner Leberwurststulle. Dann freute er sich wie verrückt und knurrte den ganzen Tag niemanden mehr an.
        Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und wie immer: gute Lektüre zum Weiterempfehlen und Inspiration
        Mal lieben Dank dafür✨

  3. Ein herzliches Guten Morgen an die Inselpiraten -:))
    die Pfaueninsel habe ich seinerzeit mit der Tochter besucht und würde sie nach dem Lesen dieses Buches gern noch einmal durchstreifen, sie lohnt ja eigentlich immer einen Besuch, es wäre ein literarischer Bummel diesmal. Über meine Begeisterung über dieses Buch und die Lesung in Frankfurt hatte ich ja schon auf meinem Blog berichtet.
    Sie haben wunderschöne Fotos mitgebracht, vlt. geselle ich sie dem Buch bei.
    Waren Tischer und Marcel auch mit von der Partie? Ich vermisse sie so ein bißchen.
    mit den besten Wünschen für ein schönes Wochenende
    Karin vom Dach in Hanau

    • Wie hätte Tischer auf die Pfaue reagiert? Und umgekehrt?
      Gleich Hausverbot nach dem ersten Besuch? Nein, der blieb zuhause.
      Es soll dennoch in Kürze so einigermaßen Berichtenswertes kommen, versprochen.
      Im Übrigen war die Besprechung zu Hettches Buch als Abschlussteil zur Buchmesse damals gedacht (3,5/3,5). Erst gab es kein Rezensionsexemplar, dann passierte viel und so dauerte es eben……….
      Die Fotos hat Frl. Schneefeld gemacht. Dass sie Ihnen gefallen, wird sie freuen.

      Ihnen ein Schönes Wochenende too

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