XXIII: Tischer wälzt sich in den Schlaf

Es kommt vor, die letzte Zeit, da kann unser Tischer nicht so richtig schlafen. Ist schon wach am Freitag, ist schon wach am Donnerstag, ist schon wach, wenn eigentlich noch Werktag ist und nur Luschen ihre Kraft verbrauchen mit Wachsein. Jedoch ist es so, das weiß einer, dem die Aventiure durch die Adern fließt, dass fünf Tage die zwei Tage Vollgas gerade mal soeben ausgleichen.

Sei einmal müde, wenn’s drauf ankommt und du verlierst ganz schnell den Überblick. Und das ein oder andere Abenteuer nutzt es aus und macht sich aus dem Staub. Viele von denen können sich nämlich respektabel gut verstecken. Find die mal, wenn Dir nur zwei Tage. Also ausschlafen bis du wach bist wie ein Bergsee, dann entgeht dir keins, manchmal gleich drei auf einmal. Tischers Rekord liegt übrigens bei 28 so Plusminusdaumen. Ist ziemlich, aber da hat er auch fünf Tage durch und weil er gut dabei war, gleich fünf Tage drangehängt. So wach war er da bei seinem Rekord, dagegen ist ein Bergsee eine trübe Pfütze.

Ist allerdings schon eine Weile her. Zurzeit schläft er so schlecht, dass allerhöchstens, wenn er wach ist, so ein halbes, unerfahrenes Abenteuer herauskommt. Ich sag, wie es ist, das ist großer Mist und nagt verdammt sehr viel sogar an unserem Wilden. Und wenn da was ist, das nagt, eine Sorge, so ein Flohgedanke, dann hilft das auch nicht beim Ein- und Durchschlafen. Kannst dich schütteln und rütteln, es hat sich dennoch wohnlich eingerichtet zwischen den Streifen.

Hinzu kommt, das nur am Rande, dass ja so eine Sorge ein Akt des Denkens ist, irgendwie. Tischer ist zwar ein Instinktsicherer, aber nichts weniger als so ein Denkgeschulter, wie zum Beispiel Marcel, der aus so einer Sorge gleich ein ganzes Poem verfassen würde. Nein, so Etwas bringt Tischers Getriebe ganz schön durcheinander. Man stelle sich vor Tischers Instinkt wäre ein Fahrrad, das einen steilen Berg hinuntersaust, dann wäre das Denken in dem Fall eben so ein großer Stock bei voller Fahrt und zahlreiche Beulen und Schrammen die Folge, nur eben im Kopf und nicht außen drumrum, wogegen unser Tischer ja nichts hätte. Die zeichnen ihn ja aus und snd die gängige Währung für Abenteurer.

Verunsichert soll er nicht sein. Gar nicht auszudenken, ihm fallen deswegen einmal die Streifen ab. Er muss also zum Schlafen gebracht werden, dauerhaft über die notwendige Distanz.

Gründe für die Schlaflosigkeit? Das Wetter. Die Liebe. Ein voller Magen. Lauter so ein Quatsch. Keine Ahnung, was es sein könnte und wollen auch nicht so in Tischers Tiefe gehen. Da müsste mit Tischer gesprochen werden, wo er drückt der Schuh. Doch so ein Gespräch, das kommt ja nicht in Frage wegen der Textlastigkeit. So ein drastisches Mittel kann nur, wenn wirklich nichts mehr gehen sollte, zur Anwendung gebracht werden. Für den Fall bereitet sich Marcel vor und wälzt bereits Freud; den Wiener Akzent kann er schon ganz gut.

Und Tischer wird zum Versuchstier. Jeder durfte mal: Einer holte die Geige raus und spielte einschläfernde Schlager, keine Wirkung. Obwohl,das ja, doch wir wurden dabei langsam wahnsinnig. Wer kann auch Schlager ertragen, wenn er die ganze Woche durchgefiedelt wird? Dann gab es Milch mit Honig. Da musste Tischer nur von Bäuerchen machen, was einem ausgewachsenem Wilden gar nicht gut zu Gesicht steht und die Krise eher verstärkte. Die dümmste Idee war die mit dem Arzt, gar nicht mehr zu sagen, wer die hatte. Jedenfalls es dauerte einen Bruchteil von Zeit, da war die auch vom Tisch. Tischer beim Arzt? Wahnwitz. Aber ein Zeichen dafür, wie unwohl uns langsam wurde……..

Bis, denn an dieser Stelle der Geschichte wird es Zeit für eine Wendung, sonst hätten uns die zahlreichen nutzlosen Versuche langsam wirklich selbst um jeden Schlaf und damit direkt in die Unausgewogenheit gebracht, und wir hätten vielleicht nie wieder unsere legendäre Harmonie erreicht, zu der wir immer wieder, selbst nach dem turbulentesetn Abenteuer unseres Tischers, zurückfinden……also bis wir, zufällig, ein Mittel fanden:

Gute-Nacht-Geschichten, in Bildern, am besten mit Tieren, gar nicht unbedingt solchen, die Tischer gerne zum Mittag hätte, doch wild, eigensinnig, ganz entfernt so wie Tischer.

So ein Buch-Comic, so eine graphische Geschichte, Plumdog, die hatten Marcel und ich gerade in Arbeit -wir haben ja dieses Ding am Laufen-, da muss Tischer irgendwie so den Blick draufbekommen haben. Und wir waren gerade auf einer Seite, wo sich einer wälzt, ein Hund, und da ist ein ganz wenig Text darunter. Tischer fragt, was macht der da. Marcel antwortet, er wälzt sich in Fuchskacke. Ab da ist Tischer aufmerksam, mehr als sonst bei einem Buch, voll dabei, meckert zwar ab und zu auch, „Zu viel Text“, findet aber sonst großes Gefallen an der Geschichte, weil der in dem Buch so Dinge tut, die nicht so immer ganz OK sind. Trotzdem wird er aber geliebt von seiner Familie; er liebt sie genauso, wenn sie auch bisweilen sehr anstrengend ist. Und weil es mit Tischer ja ganz ähnlich ist, kann er sich prima hineinversetzen, ist er auch ein Tischer und der nur ein Hund.

So, nach Wälzen und Zerfetzen von Lieblingsspielzeugen, nach einfach Drauflosrennen und Hineinspringen, im Schnee, im Matsch, nach ein paar Seiten „lesen“, da gleitet Tischer, die Augen fallen zu, hinüber, grummelt nochmal kurz „Zu viel Text, aber das mit der Fuchskacke und so….hihihi“, und schläft, wie ein Baby…..bis er dann am Wochenende versucht, seinen Rekord zu knacken. Es könnte was werden.

Und wenn nicht, so wird er sich schon irgendwie beschäftigen, wie es sich gehört. Ein paar Tipps für die Freizeitgestaltung hat er ja bekommen. Wir hoffen nur, er riecht nicht zu streng, wenn er nach Hause kommt.

Kleiner Nachtrag: Plumdog, also sein Frauchen Emma Chichester Clark, hat übrigens einen eigenen Blog, der ganz possierlich ist: ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

http://emmachichesterclark.blogspot.de

 

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7 Gedanken zu “XXIII: Tischer wälzt sich in den Schlaf

  1. Ob Tischer wohl erlaubt, dass meiner Menagerie auf dem Dach, als da sind Sir Percy, noch nicht zählbare Kohl- und Blaumeisen, auch nicht zählbare Ameisen, Asseln, Winzlingsschnecken, Fliegen, Bienen, Hummeln, Blattläusen, Asseln auch aus diesem Buch vorgelesen wird?
    Es steht schon auf meiner Orderliste, denn das könnte auch später etwas für den zweibeinigen kleinen Wilden sein, der da neu heranwächst.
    Eine köstliche Buchbesprechung ist Ihnen da gelungen, ob die Verlagsseite mitliest, ich würde es ihr wünschen.
    amüsierte Grüße an die Rasselbande vom Dach in Hanau
    Karin

    PS: Tischer und Marcel sind im übrigen schon jetzt herzlich auf’s Dach eingeladen, die nächste Buchmesse kommt ja bald und es könnte ja sein…..???

  2. Muss sagen, Tischers Zustand hat mich nun kurz wachgerüttelt, die Streifen-Aventiuren, sorgenvoll, hoffe nun, ich finde selbst wieder zur Ruhe, etwas Milch in Honig könnte helfen, aber nicht bei der durch diesen Beitrag hervorgerufenen Aufregung, Gute-Nacht-Geschichten scheinen probates Mittel, muss mal suchen gehen, zudem ist dann die wache Zeit jetzt gut genutzt…am besten, drüber schlafen…

  3. Was für eine grandiose Buchvorstellung! Felix und Linus haben sich sofort auf zum Verlag gemacht und die Seiten zum Buch studiert. Felix konnte es nicht fassen: Sieht Plum doch aus wie er (wenn er nicht beim Friseur war!). Friseur ist ja auch ein wichtiges Thema in dem Buch und dass man sich danach erst einmal wieder für die Umwelt zurecht machen muss, ist ja hundehrensache. Und dass der Hund abends gerne die Füße hochlegt – das ist so richtig gut getroffen – und wahr. Also bei uns sieht es nicht so aus, als sei es ein Einschlafbuch, mehr so ein Buch, dass das ganz normale Leben zeichnet. Vielen Dank für den tollen Tipp!
    Und viele Grüße, Claudia, Felix und Linus

  4. Noch so ein Trüffelchen, ein köstlicher Text. Lusche…dieses Wort ist allein ein echter Burner.
    Abenteuer Schlaf ist eine Kunst, die Tischer trefflich beherrscht, indem er sie vermeidet.
    Genüsslicher Lesegruß zur Nacht✨

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