Nicht Kansas (*)

Irgendwo darin zu finden. Zwischen Eingeweiden in Seelennähe und anderen lebenswichtigen Organen. Wundertüte. Ich bleibe dabei, ein Wagnis. Nicht allein dass es möglich ist, daneben zu greifen, zu hastig, und sich selbst zu verletzen. Wer weiß schon, was er hervorholt, bzw. ob das, was dort seinen angestammten Platz hat, in dem, was Welt ist, nicht zugrunde gehen würde. Nicht das Vorhandensein bestreite ich, noch die Notwendigkeit dieser Wunder. Sondern, ob die Welt eine wunderfreundliche Umgebung ist. Wunder sind Ausnahmen, die Welt die Regel.

Das Wunder ist die Phantasie und ist meine Vorstellung. Nicht alles aber ist „esse est percipi“, jedoch ist es ein nicht ganz unwesentlicher Teil von mir. Und der „Phantast“ steht da, an einer Kreuzung, im Supermarkt, in einer Ecke auf einem Stuhl sitzend auf einer Party, von der er nicht mehr weiß, wieso er hingegangen ist. Dass man ihn eingeladen hat, will ihm nicht verständlich werden. „Der Phantast“, das ist nicht abwertend gemeint; es spricht lediglich eine Gefährdung aus;

„Und wenn die Welt sich weigerte, mit seiner Version der Realität konform zu gehen, dann war sie notwendig eine gleichgültige Welt, eine bittere und abscheuliche Welt, eine Strafkolonie, in der er dazu verurteilt war, barbarisch einsam zu sein.“ (Jonathan Franzen, Korrekturen S.379)

Es ist nicht gegen die Welt geredet. Sie ist nur immer anders. Die Welt ist immer Kansas. Und Regenbögen halten nicht, was sie versprechen.

Das Ungesündeste könnte sein, stur an solchen Wundern festzuhalten, obwohl die Verführung groß ist. Sich stets das auszumalen, was nicht ist, um hinter den Regenbogenfarben zu verschwinden. Gänzlich.

Oder an einem Ende des Bogens den Goldtopf zu finden. An jenem Ende ist wieder nur Welt. Was auch sonst?

Es gibt kein Dahinter, kein Darüber und kein Weg von allem. Es gibt aber mich. Das hat die Welt kein weiteres Mal. Und wenn an einem Ende die Welt ist, so finde ich an seinem anderen mich selbst.

Ich bin mein Goldtopf. Und er nicht zu finden außerhalb von mir selbst. Wie denn auch. Wir suchen bei Regenbögen nach Goldtöpfen und neigen dazu, immer, wirklich immer, am falschen Ende zu suchen. Der Weg ist viel kürzer.

Nur, und das ist einfach das Wesen jedes Regenbogens: er scheint eine optische Täuschung zu sein, er verschwindet langsam, wird undeutlicher, verliert an Farbe. Zurück bleibt mein Ich und die Welt. Und es könnte sein, dass es sich dann anfühlt, als wären diese beiden Enden zwei Unverbundene.

So drehe ich es um. Dass es nämlich mit dem Goldtopf beginnt, nicht mit dem Regenbogen. Und der Regenbogen nur ein Weg ist, an dessen anderem Ende die Welt zu finden ist. Wie sie sein könnte. Jenseits von Kansas.

Manchmal ist man Dorothy, manchmal Al (siehe Zitat). Manchmal wird aus Schwarz/Weiß ein Regenbogen, manchmal bleibt es „grauste Wirklichkeit“.

Die Welt bleibt immer Kansas. Es gibt eine zweite. Und darin eine Topf voller Gold, der eigentlich ein Topf voller Farbe ist. Meine überschwappende Phantasie.

Das eigentliche Wunder am richtigen Ende des Regenbogens. Es wäre nur noch zu wagen. Zu bauen.

Und bevor ich mich völlig verrenne, schnell abschließend ein Lied (*)….und weg…..irgendwo müssen doch meine Zöpfe sein:

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14 Gedanken zu “Nicht Kansas (*)

  1. Wow….lieber Herr Hund, du siehst mich tief berührt mit Schleier vor den Augen. Welch wunderbar schöner jedoch auch so trauriger Text. Und die elementare Frage, ist es wirklich so ungesund am Wunder festzuhalten, und vielleicht ist das Versprechen anders interpretiert?
    Verbleibe Denkend mit herzlichen Grüßen, Mia

    • Festhalten zu wollen, das kann. Ich spreche ja von Phantasie und denke mir gewisse Umstände und Rückseiten mit: Ausgrenzung als komischer Kauz, das Sich regelrecht Verlieren in Virtualität, die Leere eines Künstlers etwa, ausgebrannt, verzweifelt um einen neuen Einfall bemüht und niemals zufrieden mit dem letzten….das zum Beispiel…..

      Was das Versprechen angeht, so ist eben so ein Regenbogen nie von langer Dauer. Und das berauschende Gefühl der Bilder und Vorstellungen hält auch nicht ewig…….

      ….und dann….Ernüchterung.

      Aber ich habe ja nur phantasiert. Da ist nichts belegt und bewiesen.

      • Es klingt dennoch so richtig… Und nicht unbekannt. Auch wenn ich sie nicht mag. Diese Ernüchterung. Und das nicht zufrieden sein. Es sind bekannte Begleiter.
        Es ist sehr schön verfasst…

  2. Ich mag deine Worte, lieber Herr Hund, die sind wie eine Wundertüte, ganz viel drin und immer Neues, das zum Staunen einlädt! Danke.
    Und wagen wir, bauen wir! 🙂

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