Dies eine Buch

Über dies eine Buch, da werd ich nicht weiter schreiben. Ich werde es nicht empfehlen. Und teile die Gedanken nicht mit, die ich mir machte bei seiner Lektüre. Überhaupt „Gedanken“. Tränen und Zittern, Hoffnung und Erleichterung, das war der Fall. Durchgeschüttelt wurde ich. Auf den Kopf gestellt wurde ich.

Erkannt wurde ich.

Der, der ich gewesen bin. Natürlich mit anderem Namen genannt, zu einer anderen Zeit, in einem anderen Land, diese Figur bin doch ich gewesen.

Oft bildet man sich das ein, er/sie erzählt von einem selbst. Immer mag das ein wenig stimmen. Doch kommt man über diese Fiktion hinweg. An der nächsten Ecke wartet eine neue Geschichte, verführt einen, nimmt einen mit, ist sie gut erzählt.

Traumwelten. Parallelwelten. Gegenwelten.

Dies Buch war ein grausamer Spiegel, dabei so gnädig. Zu mir. Ich kann mir nicht vorstellen, es wäre auch für einen anderen geschrieben worden, als nur für mich allein.

Es soll dies kein Rätsel werden. Niemand wird einen Hinweis erhalten. Seinen Inhalt verschweige ich. Dabei ist es sehr bekannt, wahrscheinlich des Autors bestes Buch.

Es ist nicht mein Lieblingsbuch. Es ist lediglich das wichtigste Buch, das ich bis jetzt gelesen habe. Ich denke bisweilen, allein für einen selbst können Bücher wichtig sein. Nicht für eine Menge von Menschen. Oder wie manchmal gesagt wird, für diese oder jene Generation. Ich lese so etwas und schmunzle für mich.

Das wichtigste Buch des Jahres. Nein, hinsichtlich irgendwelcher öffentlicher Diskussionen, glaube ich nicht daran.

Dies wichtigste Buch verschweige ich und werde es wohl auch nie wieder lesen.

Es hat mir einmal den Schädel eingeschlagen, es würde das wohl kein zweites Mal tun. Mein Leben ist ein anderes, ich ebenso. Und dies Buch wäre dann nur ein weiteres Buch, kann sein, sogar ein Lieblingsbuch.

Dass irgendwo, irgendwann wieder so ein Buch mich nimmt und aufschlägt und in mir liest, es ist nicht unmöglich. Wenn es mich nur wieder freilässt.

P.S. das mit dem Schädel soll kein Hinweis sein. Kafka ist nicht gemeint, obwohl Kafka gute Gründe (und Wahrheiten) liefert, um sich den Schädel einschlagen zu lassen

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12 Gedanken zu “Dies eine Buch

    • Viel zu heiß zu allem. Gerade komme ich zurück von einer Objektbesichtigung. Das Objekt wäre perfekt, sofern ich bei all dem Schweiß den Durchblick behalten habe. Also ja, mir ist zu heiß heute. Und ja, es ist ein wenig unpassend, an solchen Tagen ein „Rätsel“ in die Welt zu setzen.

      Freundliche Grüße
      Herr Hund

  1. Eine Liebeserklärung (? – auch in der Liebe gilt: sie muss nicht immer rosarot daherkommen, im Gegenteil erkennt man die Wahre eher an ihrer radikalen, alles verzehrenden, hirnzerschmetternden Wirkung) an ein Unbekanntes… Ich kenne diesen Mechanismus selbst, und zwar insofern, als es ein Buch – DIESES EINE – für mich gibt, das ich aus meiner brennenden Wohnung retten würde, gleichzeitig aber niemandem jemals empfohlen habe, es zu lesen, und das werde ich auch nie je tun, und überhaupt bin ich völlig unfähig Anderen gegenüber etwas über dieses Buch zu erzählen.

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