XXV.: Tischer und ich und die zwei Wangen von Madame

War so müde, so ausgeschlaucht. Es war auch eine ziemliche Anstrengung bei so einer Hitze, innen und außen. Und hinzu als Kontrahent, dieses Mal also als echter Gegner Tischer, der sich so sehr besser versteht im Ringen und Platzschaffen für seine Person. Er kann schlafen danach, nach so einem Infight im böse Kucken und es Drauf-Ankommen-Lassen. Aber ich muss ja weiter, den nächsten Tag aufstehen. Tischer, der streckt sich wie ein Winner den Rest der Woche aus.

Er glaubt, er hätte gewonnen. Hat er vielleicht? Ich habe jedenfalls nicht gleich ausparoliert. ich hab ihm die Stirn geboten. Alle meine Streifen habe ich in den Ring geworfen. Der Grund war groß und wichtig, der Einsatz auch. Ich durfte nicht verlieren, wie ein Mäuschen kuschen, wie eine beliebige Aventiure mich von vorn herein ergeben. Da ging es um alles. Wenigstens eine Wange von Madame sollte meine bleiben, am liebsten natürlich beide.

Tischer wurde charmant. Vor ein, zwei Wochen ist es wohl gewesen, da schnurrte der plötzlich. Und begann zu schuppern an Madames rechter Wange, vom Kopfende aus gesehen. Da sagte der ein Wort, da würden mir alle Streifen abfallen, wäre ich ein Tischer: „Kuschelnwill“. Wir haben uns verhört, dachte jeder in dem Moment. So muss es sein, zu viel Ohrenschmalz. Na klar, und fangen alle an zu pulen. Die Ohren wieder sauber, warteten wir. „Kuschelnwill“ Wir wiederholten das Pulen, jeder beim anderen, mit dem kleinen Finger. Schöne Batzen förderten wir da zutage. Dann waren die Ohren trockengelegt. An denen konnte es nicht mehr liegen.

„KUSCHELNWILL!!!“

Das war deutlich. Da war kein Verhören. Tischer hatte, wir glaubten es fast nicht, aber doch genug, einen Frühling im Pelz. Wo sonst nur Jagd war in diesem Wilden, da war jetzt….na ja, obwohl, ein wenig war es da ja, eine Jagd. Nur nicht von wegen, wer ist der Stärkere am Schluss. Eine Beute, werden wir nicht zu romantisch und nennen es so, eine Beute, die hatte er, eben Madame, gut gelegen, leicht zu erreichen, in Nachbarschaft zu Tischers Höhle. Da musste er keine langen Wege gehen. Ein kurzer bequemer Sprung zur Seite.

Das also mir. Dass ich nun mit einem Tischer konkurrieren muss. Ich mag ihn ja. Er gehört zu mir, ich noch mehr zu ihm. Doch alles hat seine Grenzen. Bei gewissen Gefühlitäten, da soll kein anderer. Am liebsten würde man sie umzäunen, mit rot-weißem Band dieses Gewisse umspannen, für Unbefugte betreten verboten. Nun, ein Tischer eben, der wäre ja so einer, der glauben könnte, es ginge ihn an, nicht, wenn einer ihn meinen wollte. Da steigt der einfach über so einen Zaun drüber. Ich war aber erstmal perplex, emotional im Mixer. Schaute mir das ein paar Tage an. Die Nächte nicht, da war es zu dunkel. Ich vernahm lediglich Tischers Schnurren, was mich nur schwer in den Schlaf finden ließ.

Und Madame? Die lässt ihn an ihrer Wange liegen. An meiner Lieblingswange. Die war mir nämlich auch die nächste. Sie hat wahrlich ein großes, gastfreundliches Herz. Ein wenig war da in mir auch Bewunderung. Denn Tischer war in diesen Momenten des Wangenschmiegens ganz besänftigt und bezähmt. Das hat Madame geschafft, nur mit einer Wange.

Ich sagte mir zunächst, das geht vorbei. Ein Frühling dauert drei Monate. Dann kommt eine neue Jahreszeit, eine Verrücktheit, ein neues Gefühl in Tischer und er lässt ab. Denkste. Er ließ gar nicht ab. Im Gegenteil, er machte das jetzt schon ein, zwei Ewigkeiten lang, wird regelrecht zum Kätzchen, dass mich die Eifersucht ganz kirre macht.

Ich tat das Unglaubliche. Draußen waren es Tausend Grad, irgendwas war bei mir durchgeschmorrt. Ich also zu Tischer, ich bin ganz blind und sehe gar nicht, dass er ja immer noch viel mehr Streifen hat als ich, sage ihm, „Lass ab“. Er hat dieses Mal Ohrenschmalz. Ich lauter „LASS AB“. Da traf mich sein Blick. Kein Kätzchen. Tiefschwarze, bedrohliche Knopfaugen. Aber ich hielt stand. ein wenig, „Lass ab Tischer! Oder lass mich wenigstens auch mal wieder.“

Das hatte wohl gereicht. kein kräftezehrender Endloskampf oder so. Keine Eskalation. Mancher mag das gehofft haben. Ist bei uns nicht üblich. Tischer hat mich nämlich so lieb, wie ich ihn im Grunde auch. Nur meine linke Wange, vom Kopfende aus gesehen, die ist augenscheinlich zu kratzig, nix, wofür ein Tischer mal alle Streifen gerade sein lässt. Da ist die Neigung ganz bei Madame. Er tat also jetzt was Weises und ziemlich Anstrengendes für so einen Tischer. Er richtete sich auf, setzte erst das linke, dann das rechte Bein über Madames Nase und rollt den Rest hinterher, um dann auf Madames linker Wange zum Schmiegen zu kommen. Er räumte mir also, einfach so das Feld.

Seitdem hat Madame, wann immer Zeit dafür ist, nirgendwo eine Aventiure wartet oder Menschenzeugs in meinem Fall, und sie auch terminlich kann, zweimal Frühling an der Backe, Tischer links, ich rechts, vom Kopfende aus gesehen.

Ich aber, ich musste mich von dieser kindischen Eifersucht, die ich hatte, erst einmal erholen. Und das kann ich am besten, wenn ich so an Madames Wange schmiege, mit einem Keks im Mund….oder zweien oder dreien oder…..Stopp! Aus! Das ist ein Klischee und Vorurteil. Und deshalb ein ganz schlechtes Ende der Geschichte.

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4 Gedanken zu “XXV.: Tischer und ich und die zwei Wangen von Madame

  1. Ach, das Ende! Herr Hund, die Geschichte an sich hat ja bereits mütchenkühlendes Hoch-Wohlfallenspotential, selbst bei gefühlt 1000 Grad Hitzewallungen. Doch das Ende toppt sozusagen alles.
    Es ist wie…wie…also…
    Es ist schön. Einfach schön.
    So zum innerlich herumschmiegen schön.
    Liebe Grüße✨

  2. Bei dem ganzen rechts und links, da bekomme ich vor lauter Vorstellung so richtig Kuschellaune. Leider macht mir die Hitze weniger aus als meiner Wahlwange, die sich eher wehrt…

  3. Sie wissen doch lieber Herr Hund: wer nie sein Keks im Bette aß, weiß nicht wie Krümel pieken und das so nah an Madames Wange….zu den Stoppeln auch noch die Krümel….. da droht Wangenentzug, wenn Sie sich nicht mäßigen -:)))
    schön, daß Tischer wieder aufgetaucht ist und wie geht es Marcel, wo kuschelt er?
    mit vor Hitze geröteten Wangen vom Dach in Hanau einen herzlichen Gruß an die Schmieger und Kuschler

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