Mit Neigung zum See

Einen Rausch haben. Im Ranzen eine Luscht verspüren. Und sich Befriedigung verschaffen. Es war eine gute Idee, nur ein paar wenige Münzen mitgenommen zu haben. Dass schönes Wetter gewesen ist, wurde bereits andernorts gesagt. Der Ort war eine ziemliche Zumutung, um nicht zu sagen, schön. Das ganze Drumherum. So wenig eine Messe. Unprofessionell. Das muss besser werden. Oder so bleiben. Vor mir der See, über mir das Rauschen der Blätter, hinter mir ebenfalls. Es würden später noch ein paar Äste fallen.

Runterschauen

Dreifaches Blätterrauschen. Dabei wahrscheinlich mehr Menschen als Bücher. Das wird wohl immer so sein. Zu viele Bücher sind im Grunde nicht mein Ding. Ich bin zu klein. Sehr viele Menschen, das schüchtert mich ein, ein klein wenig. Es ist von hier aus, tippend, mitten in der Nacht, einfacher. Wozu jedoch gibt es Stände mit Weißweinschorle (plus Pfand). Die Bücher links liegengelassen für den Moment. Ein kleines Gläschen. Ehrlich, eines. Wärme. Etwas mehr Leichtigkeit. Die entdeckten Blogger habe ich dennoch nicht angesprochen.

Obwohl,  zum Ende hin, einer auf die Schulter gekloppft, „Wo ist der Hund geblieben? Geht’s ihm gut?“ Letztlich ein paar Worte doch gewechselt. „Ja, ich lese wirklich langsam.“

Ich bin zu dieser Messe gekommen mit einem Buch; es fehlten noch letzte Seiten: „Der Kalte“ von Robert Schindel. Wer Wien mag. Ich tu’s. Ein gutes Buch. Dass man nicht vergisst. Aber ich hätte Bücher von hier wegtragen müssen und keine noch hinzu. Messen sind zum Leerräumen. So viel Feines, so hübsch gestappelt. Meine Tasche aber war voll. Vielleicht deswegen das Buch dabei. Dass nichts passieren kann.

Eines dann doch. So viel Platz muss sein. Es wird nicht verraten, welches. Es ist ein Anfang, die Einlösung eines Versprechens. Und ich habe es ganz legal erworben.

Doch bevor dieses gelesen wird, Zwischenstopp „Drei-Ibsen“, drei kleine gelbe Reclambändchen zu meinem Lieblingsdramatiker, gegen den Rausch. Gegen Überhitzung. Immer wieder gut.

„Er nannte das eine Art Gehirnerweichung – oder so ähnlich. Ich finde, dieses Wort hört sich so hübsch an. Ich muss dabei immer an kirschrote Vorhänge aus Seidensamt denken – an denen man so angenehm entlangstreichen kann.“ (Oswald, Gespenster, 3.Akt)

Literatur ist ähnlich. Sie macht glücklich.

Aber Vorsicht!

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9 Gedanken zu “Mit Neigung zum See

  1. Ach, Herr Hund,
    immer diese Berichte DANACH! Statt Vorankündigungen zu verfassen, an Termine zu erinnern, so lange so viele Neugier- und Lust-machende Posts in die virtuelle Welt zu entlassen, bis auch ich mich auf den langen Weg nach Berlin mache, um den Garten, die Bücher und Sie zu treffen…
    Etwas vorwurfsvolle Grüße, Claudia

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