Mann liest – eine zu kurze Episode schöner Liebe

Was las ich da vor ein paar Tagen: Männer lesen nicht. 

So in etwa wusste ich das bereits. Als Zielgruppe nicht gerade außen vor, doch keine sehr bestimmende Variable, eher so ein kleines x.

Dann aber hoppla, ich bin selbst ein Herr, also Mann. Mehr als das. Ich bin ein Mann, der nicht nur Krimis liest. Der nicht nur Schinken liest. Der Gefühle hat und reflektieren kann.

Und nicht nur bei harten Themen, nein, bei Zwischenmenschlichem, das sogar in der Hauptsache. Ja, ich habe für Romane eine Schwäche und verschmähe auch nicht Gedichte, „wenn’s grade passt“ (um es mit Loriot zu sagen).

Ich kann nun einmal mit Menschen mehr anfangen als mit Globalisierung, mit Psychologie mehr als mit BWL. Und ich kann nicht autofahren.

Klischees all das, natürlich. Simplifizierung. Es ließe sich bestimmt eine Statistik dazu finden. Die Behauptung also: Männer lesen nicht, Herr Hund aber schon.

Und zuletzt sogar eine Geschichte mit einer tragischen Liebe. Und ich war davon sehr angetan, sehr bewegt. Ich lass jede Ironie beseite, sie hätte hier keinen Platz und sag es, wie es ist: ich habe es sehr für Andreas Egger bedauert, dass diese Episode großer Liebe zwischen ihm und seiner Marie kurz war und unvollendet blieb, weil brutal vom Schicksal beendet.

Und es gefiel mir die Einfachheit der wenigen Worte, mit denen es der Autor verstand, Ein ganzes Leben dieses Andreas Egger mitsamt dieser zu kurzen Liebe darin, so unaufgeregt, doch einfühlsam, zu erzählen.

Mag sein, Männer lesen nicht, lesen keine Romane. Aber es gibt noch welche, die sie schreiben können. Robert Seethaler ist einer davon.

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8 Gedanken zu “Mann liest – eine zu kurze Episode schöner Liebe

  1. Herr Hund, ich bin ein Mann – lese Romane, auch Gedichte (immer mehr).
    War von der Geschichte und den dafür gewählten Worten des Herrn Seethaler ebenfalls sehr berührt und angetan.
    Muss ich mir um meine Reputation Sorgen machen?
    Zutiefst verunsichert der Ihre
    e.a.b.

  2. Na klar lesen Männer…..spätestens in zwei Monaten …zur Weinlese -:)))
    und Seethaler…ich hoffe, Sie erleben ihn einmal live…. er hat im November letzten Jahres hier im Literaturhaus aus „Ein ganzes Leben“ vorgelesen und wir waren alle berührt , wieder so ein leises, feines Stück Literatur.
    mit regentröpfelnden Grüßen in die Hauptstadt

  3. Pingback: Herr Hund ganz Frau | hundstrüffel

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