17:40

Als Herr H. eines Morgens aufwachte, fand er sich in ein recht langes Lied verwandelt. Es hätte ihn schlimmer treffen können, fand er sogleich. Es hätte viel kürzer sein können, das Lied. Oder schlimmer noch, er hätte lediglich als Klingelton oder klassisch als Insekt, daran wollte er nicht denken. Es war gut so, wie es kam.

Am Abend zuvor, da saß er noch bei sich zuhause, aß sein Büchsenfleisch, es war auch gut, aber keine Geschichte. Er schlief ein, sehr bald, wie stets. Und irgendwann zwischen halb Drei und Vier, da musste, niemand Anderes war dabei, Keiner konnte später erzählen, wie, da wurden aus Herr H. Töne. Einfach so. Die setzten sich zusammen, es brauchte dafür ein Weilchen, aber die Nacht hat ja die Zeit, für solche Begebenheiten, am Ende kam heraus, ganz harmonisch, Herr H. war es aber nicht mehr, dieses lange Stück Musik, wo vorher ein Mensch gewesen ist.

Und wenn man es logisch nimmt, war da auch für Herr H. am darauf folgenden Morgen kein Bedauern oder Besser- und Schlechterfinden, dass er jetzt eben nicht mehr und das Frühstück und der Tag -danach- ohne Herrn H. würde auskommen müssen, denn ein Lied, kurz oder lang, das findet nichts, bedauert noch viel weniger, sondern klingt einfach.

Allein, es wäre für Herrn H., der in dieser Nacht zum Lied geworden war, zu wünschen, wenigstens einer ist da, um ihn zu hören, dass er nicht einfach in die Stille sich vergibt. Das würde dann doch aus dem Ganzen eine gänzlich sinnlose Angelegenheit machen.

Die ich bei diesem Ausgang so nicht würde akzeptieren können.

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10 Gedanken zu “17:40

    • dem könnte ich auch nächstens stundenlang zuhören, die Dolores machte mich kribbelig und ungeduldig, bin sowieso kein Jazzfreund, zumindest nicht dieser Art von Jazz .
      Was den tagträumenden Schläfer anbelangt, betreibt er poetische Tonmalerei à la carte -:)))
      aufgeweckte Grüße an Herrn Hund

      • „Poetische Tonmalerei à la carte“, das ist schön gesagt.
        Ich stelle fest, dass sich unsere Wege immer mal überkreuzen, liebe Karin. Und damit wird es Zeit für einen Besuch auf deiner Seite… Liebe Grüße dir und natürlich dem Herrn Hund auch.

  1. So sehr wie ich Herrn H. als Lied schätze und das lange Handgeklapper als absolut angemessen erachte, hoffe ich doch, er entliedet sich wieder. Weil Lieder werden ja geschrieben und mir ist ein schreibender Herr H. dann doch lieber als ein begenoteter.

    Herzliche Grüße von Ihrer Frau Knobloch, schnellnochmallauschend zugeneigt.

    PS: Ich war letztnächtig Wind, das war einfach nur wunderwunderschön…

    • Verzeihen Sie dem Welpen in mir, wenn der sagt, er wäre das letzte Mal nächtens Wind gewesen, als er am Abend zuvor zu viel von den Linsen gegessen hatte. Das war auch schön, meint er, sinfonisch schön, wie Engels POsaunen, meint er. Ich rüge ihn dafür, doch er macht sowieso die meiste Zeit, was er will. Und hält auch selten den Mund.

      • Uik, da muß ich kurz überlegen ~~~~~~~~~~ Doppeluik: Am Vorabend des Windtraumes gab es ordentlich zwiebeldekoriertes Dönertier.
        Jetzt rügt meine innere Biedermiederdame mich. Pah…

        Ihnen einen famosen Freitag und die besten Grüße auch an das Frollein, stets die Ihre.

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