Herr Hund teilt aus (1): Kuh – eine Kulturgeschichte

Ich bin nur ein kleiner Herr Hund mit kleinem Kopf. Meine Ansprüche und Begierden liegen ein Vieles unter meinem Können und meinem Fassungs- und Verarbeitungsvermögen. Weil das so ist, teile ich ab heute aus. Nicht etwa, wie mir beliebt, sondern nach Lust, Zeit und Laune an die, die das auch wollen. Das heißt, ich verschicke Bücher an liebe Menschen, Bücher, von denen ich glaube, diese lieben Menschen können mit Ihnen Sinnvolles anfangen, also lesen.

Und dann hoffe ich, wünsche ein wenig, verlange aber nicht, denn zu einem anständigen Drohen fehlt mir Gewicht, dunkler Blick und Gebärde, dass diese lieben Menschen mir dazu etwas schreiben wollen, was ich dann, ihre Einstimmung vorausgesetzt bzw. abzubitten, hier an dieser Stelle veröffentlichen möchte.

Das alles aber, wie es einem Streuner und Flanierer wie mir geziemt, ohne jedes Regelwerk und jede Geschäftsordnung: jeder also, wie er will und kann. Einzige Bedingung, dass wir alle lieb bleiben.

Respektlose Kritik an dem Geschriebenen quttiert Herr Hund mit Wadenbeißen.

Mein erster lieber Mensch und Rezensent ist Huck, für den ich der Tom bin. Er/Sie wohnt in einem Kessel und fährt häufig Straßenbahn. Und also, bitteschön, hier die Rezension:

Es ist soweit, meine erste schriftliche Rezension. Mündlich gab´s das schon, aber noch nie schriftlich.

Ich nenne sie „ DIE WIEDERKÄUER“

Das Kapitel über das Glück durch Wiederkäuen hat mir am besten gefallen. Darin habe ich erfahren, dass das lateinische Verb „ruminare“, nicht nur für das Wiederkäuen steht, sondern auch „intensiv über eine Sache nachdenken“ bedeuten kann. (S. 121)

Die Kuh

Das Buch „Die Kuh“ Leben, Werk und Wirkung von Florian Werner, auf dessen Einband eine Kuh scheinbar einen großen Sprung vollführt. Sollte der Sprung eine Art Leichtigkeit versprechen, kann diese nur den Text selber meinen, die Kuh ist trotz angedeutetem Sprung eher schwerfällig. Kühe sind eben keine Eichhörnchen.

Vielleicht soll dies bereits andeuten, dass der Kuh vieles (zu Unrecht) angedichtet wurde, dessen sie mit Sicherheit widermuhen würde.

Ich habe in diesem Werk viel Interessantes und Spannendes über Kühe erfahren, aber auch Einiges, was mich langweilte oder ich im Nachhinein nie zu erfahren hoffen wollte. Dadurch kommt das Buch schon fast wie das Leben selbst daher.

Zum Glück ist das Buch, anders als das Leben, wunderbar aufgeteilt und bei jedem Kapitel wird kurz der genaue Inhalt in Stichworten aufgeführt. So kann ich nach Lust und Laune, ja wie es mir beliebt, das Buch aufschlagen und nachlesen. Was für mich dagegen wünschenswert gewesen wäre, dass ein Teil der Abbildungen, welche zur Veranschaulichung dienen sollen, etwas größer hätten abgedruckt sein können.

Zu meinen Lieblingstieren zählt auch und vor allem die Kuh. Als ich das Buch zum ersten Mal in meinen Händen hielt, sind mir spontan viele Geschichten und lustige Erinnerungen eingefallen. Meiner Meinung nach gibt es über Kühe so viel zu erzählen, jeder hierzulande kennt bestimmt seine eigene Kuhgeschichte. Aber da die Erläuterungen in diesem Werk mehr kulturgeschichtlich gehalten sind und die Erzählungen zum Großteil aus der Vergangenheit stammen ist es nicht so verwunderlich, dass meine Storys über Kuhpatenschaften, über das tolle Kinderbuch “Mamma Muh“, und wer kennt sie nicht „Die Kuh Elsa“ von Didi Hallervorden, das schottische Hochlandrind,…nicht vorkommen und, klar, meine privaten Geschichten können nicht in diesem Buch stehen, obwohl ich diese durchaus lesenswert finde. Auch wenn das Buch viel Aufschluss über und durch die Kuh zum Menschen gibt, hätte ich in diesem Buch trotzdem gerne eine kleine persönliche Geschichte des Autors gelesen oder auch einen deutlichen Hinweis, dass oder ob der Autor meine „Kuhliebe“ teilt.

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Leider wird auch mein persönliches Lieblingsteil, das Ohr der Kuh, nicht erwähnt. Dafür wird ausführlich über die Augen, das Euter und die Kuhhaut gesprochen, auch schön.

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Ohr_drei_und_vier

Doch ja, ich erwähne es gerne nochmal, ich habe vieles erfahren über das ich mich gefreut habe, sei es das Wissen über die Himmelskuh, die Mutterkuh, die Milch, Kuhhirten, Kuhgedichte und vieles mehr. Erschreckendes, Lustiges, Nachvollziehbares und Sonderbares. Es sei mir erlaubt folgenden Satz besonders hervorzuheben, da er doch sehr beruhigend auf mich gewirkt hat: „ Wir dürfen also davon ausgehen, dass in den ewigen Weidegründen neben dem Flattern und Singen der Engel auch immer wieder ein seliges Muhen zu hören sei.“ (S. 222)

Um mit den Worten einer Kuh zu sprechen, muht es doch quasi nach einem Buch „Die Kuh – Zwei“.

Ich muss mich auch nicht zurücklehnen und wiederkäuen um ganz gelassen feststellen zu können, sollte es das Buch “Die Kuh- Zwei“ wirklich einmal geben, ich dieses lesen werde.

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5 Gedanken zu “Herr Hund teilt aus (1): Kuh – eine Kulturgeschichte

  1. Verehrter Flanör / deine Worte sind wie Linzerbackwerk / immer wieder sie lesend und in kleinen Happen aufnehmend. Auch aus dem Briefkasten. Gerne.

  2. Ich liebe Milch bis heute, unter mindestens einem halben Liter pro Tag geht nichts, vor dem Großvieh habe ich eher Respekt, denn erstens habe ich als Kind des Öfteren die Schwänze ums Gesicht geschlagen bekommen, wenn ich beim Melken und der Erwartung des Becherchens frisch gemolkener Milch mit im Stall war und dann hat so ein Rindvieh meinen allerersten Popelinmantel, den ich natürlich auf einen Klassenausflug anziehen mußte , wiedergekäut und Löcher hinterlassen. Wir rasteten auf einer Wiese, der Mantel lag neben mir und die Kuh kam auf mich zu; natürlich flüchtete ich panisch und sie tat sich an meinem Mantel gütlich. Die Lehrerin hat ihn ihr dann entrissen.-:))) Aber Kühe zwischen zwei Buchdeckel eingesperrt, die können auch mich begeistern; auch das Yoga für Kühe, kennen Sie es?
    Haben Sie Dank für die schöne Besprechung und mit munterem Gruß vom Dach in Hanau
    Karin

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