Kleiner grüner Panzerwagen

Es war einmal auf einem weitläufigen Truppenübungsplatz ein kleiner grüner Panzerwagen, der war unscheinbar, dabei meist sehr schmutzig. Das Größte an ihm waren die Räder, das Kleinste das Kanonenrohr. Er war ein Spähpanzerwagen. Und darin war er wirklich gut, im Spähen. Weil er so grün war, nicht nur grün, auch hier und da braun und sandfarben, aber doch in der Hauptsache grün, fiel er, wenn er in einem Gebüsch oder zwischen dichten Bäumen Stellung bezog, um zu spähen, fast gar nicht auf. Nur für den, der gute Augen hatte oder wenn der kleine Spähpanzerwagen doch einmal übermütig schoss aus seinem Rohr, war zu ahnen: Hoppla, da ist er, gefunden! Dann war das Spähen vorbei und schnell zog sich der kleine Spähpanzerwagen zurück, denn das mochte er nicht, so entdeckt zu werden und mitten im Tumult zu stehen und im Lärm, der daraufhin fast immer entstand. Das kleine Rohr, das half hier nicht. Da waren dann die größeren, schwereren, die ausgewachsenen Panzer, die alles plattwalzten und die Büsche und kleineren Bäume niederfuhren und mit ihren sehr langen Rohren zerschossen. Schnell machte sich da der Kleinere aus dem Staub, um nicht etwa in dem ganzen Radau unter die Ketten zu kommen.

Es war mit ihm so, dass er sehr neugierig war. Das musste wohl auch so sein, weil sonst wäre ein Spähpanzerwagen zum Spähen nicht sonderlich geeignet. Und wenn er eben nicht gerade aus Übermut einmal schoss, um sofort danach die Flucht ergreifen zu müssen, so oft kam das nicht vor, aber doch manchmal, dann stand er am liebsten da und schaute sich um. Anfangs beobachtete er allein die anderen bei ihren seltsamen Spielen, ihr Umherrasen und -schießen, am schönsten waren ihm dabei immer die Fontänen von Schlamm, die spritzten, wenn es laut wurde. Die anderen schienen die Fontänen nie zu bemerken, schossen immer weiter, jagten sich weiter, bis sie müde wurden und abends in ihre Garagen fuhren. Der kleine grüne Panzerwagen aber, gut versteckt und noch überhaupt nicht an Schlaf denkend, blieb, wenn alles ruhig wurde und betrachtete von seinem Platz zwischen den Gebüschen und dichten Bäumen aus, Himmel, Sterne und Wolken und horchte nach den Stimmen, die jetzt zu hören waren nach dem Verstummen des Lärms.

Die Nacht war für den kleinen grünen Panzerwagen mit der Zeit das Schönste am Tage geworden. Selbst wenn es regnete, blieb er noch eine ganze Weile, achtete auf das Prasseln der Tropfen, die gelegentlich auf ihn niederfielen.  Da stand er also und spähte. Und fragte sich, was das sei, woher es kommt und wozu es sein soll, Himmel, Sterne, Wolken, die Stimmen und der Regen. Er fand das schön. Einfach so in die Nacht zu spähen, nach dem Tumult des Tages, an dem er eh nie so richtig teilnehmen konnte. Und in so einer Nacht, da konnte er ganz für sich alleine spähen und beobachten. Dieses Allein-Für-Sich-Umschauen brachte ihn in besondere Stimmung, der Lärm von Ketten und langen Rohren verklang, es wurde friedlich. Die Welt sah anders aus.

Ganz langsam, sehr aufmerksam alles betrachtend, was vom Tage übrig blieb und die Nacht hervorbrachte, fuhr er durchs Holz und auch über den Platz, den er am Tage den stärkeren Panzern überlassen musste, und der jetzt übersät war von Detonationsgruben und den tiefen Rillen der schweren Ketten. Allein mit seinen  großen Rädern hatte er da keine Probleme. Dieser Truppenübungsplatz verwandelte sich in so einer Nacht, wuchs bis zu den Sternen und darüber hinaus. Und erst der Tag mit seinem Lärm und den Fontänen von Schlamm, dem Herumfahren und -schießen, an dem der kleine grüne Spähpanzer nicht teilnehmen konnte, noch wollte (oder doch nur hin und wieder in kurz aufblitzendem Übermut), ließ seine Welt wieder schrumpfen auf das, was er immer schon kannte und doch weiter auszuspähen hatte.

Ihn überkam so eine Sehnsucht………..(to be fortgesetzt)

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3 Gedanken zu “Kleiner grüner Panzerwagen

  1. Da hab ich ja was versäumt, seinerzeit, als ich den Gestellungsbefehl zu den Panzeraufklärern verweigerte…
    Und dieser diabolische Cliffhanger…da überkommt einen ja direkt die Sehnsucht.

  2. Putzig und auch … heimelig, der kleine Grüne. Die Minenwege und Schießschneisen für die großen Panzer werden bis zur nächsten Übung wieder geharkt und ordentlich gemacht. Die zu arg zugerichten Ziele für die Haubitzen werden dann und wann ausgetauscht. So eine Übung soll ja auch immer ein ‚realistisches‘ Szenario bieten.

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