XXVII. Das wahrscheinlich größte Abenteuer diese Woche – wenn sie keiner warnt

Mein Gott, die vielen Streifen machen dich auch nicht klüger, hm?

Also das ist jetzt nicht dein Beitrag, Clemens. Halt Dich da raus! Abgesehen davon, Du hast keine Ahnung von Katzen und von solchen mit Streifen schon gleich gar nicht. Ich halte dich für ziemlich intelligent, aber da liegst du ganz daneben. Streifen stehen für mehr als Intelligenz. Streifen machen Intelligenz überflüssig. Wer Streifen hat, muss nicht Geschichten sich ausdenken, er macht sie. Und wenn ich seh, Du erzählst auf tausendund Seiten eine Geschichte, ist zu vermuten, nirgendwo an deinem Körper auch nur der Hauch von einem Streifen, nichts davon eigenes Abenteuer. Nur Denken, nur Intelligenz und Genialität.

Ganz anders einer, dessen Streifen man schon von weitem sieht, wenig von dem, was dir wichtig ist, doch randvoller Aventiure und bereits so viele von denen gemeistert, manche durch bloßes grimmig Draufschauen, dass anzubauen wäre für die vielen Streifen. Denn er wächst nicht mehr an Körperfläche und nicht mehr optisch unterzubringen ist sein ganzer Mut.

Und all diese verdienten Streifen ohne sich viel dabei denken zu müssen. Für das Wenige, das bedacht werden musste bislang, standen wir In der Pflicht. Er aber, einfach hin, rein in das Abenteuer, das gerade wollte oder musste, weil er schneller war, und bestanden. Selten, ganz selten, Worte gemacht. Sondern sich den Streifen abgeholt, zurück unter die Decke, mehr nicht.

Sei’s drum. Das war zu klären. Ist geklärt. Stör nicht weiter mit unsinnigen Zitaten und lerne lieber von einem, der ein Träger von Streifen ist. Deine Zeit für einen eigenen Beitrag wird schon bald wieder kommen. Jetzt aber zum vorläufig größten Abenteuer in dieser Woche: wir, die wahrscheinlich unglaubwürdigste Reisegruppe, die sich denken lässt sind auf halber Strecke. Und sie, die am Ende der zweiten Hälfte sind, sollten langsam mit dem Zittern beginnen, denn Tischer ist dabei. Und er hat diesmal einen großen Filzstift dabei, in schwarz.

Für diese Aventiure, ausnahmsweise, hat Tischer sich vorbereitet. Er will einfach in den drei Tagen fertigwerden. Drei Tage, das hätte vor ihm keiner geschafft. Drei Tage, in denen Tischer den ganzen Texten den Garaus machen will. Streifen gegen Text. Dicke schwarze Streifen. Er hat geübt. Wir überließen ihm, was wir entbehren bzw. nicht schnell genug verstecken konnten. Es tat uns, Marcel und mir, trotzdem weh, das alles mit anschauen zu müssen.

Wir versuchen alles, um es einzudämmen, um Tischers Rabaukentum und Wildheit im einigermaßen Zivilen zu halten. Nur befürchten wir einen Rausch, wenn er erstmal die Hallen voller Texte sieht. Aber es ist nur ein Filzstift. Was ist damit schon auszurichten? Dem Aufsichtspersonal können wir nur die Empfehlung aussprechen, am Eingang die Texte vom Vorjahr auszulegen. Das würde ihn aufhalten, bis der Stift leer ist.

Und wir warnen die, die solche Texte verfassen, Abstand zu halten. Er erkennt sie und er bekritzelt sie. Da hättet ihr dann eure Streifen, nicht abwaschbar. Es ist für manchen ja vielleicht sogar eine Ehre, von Tischer Streifen verliehen zu bekommen. Der kann die Warnung ja ignorieren. Wir haben jedenfalls hiermit unsere Pflicht getan. Jeder weiß Bescheid.

Dann wäre da noch die Sache mit den Kassetten von lauter Musik, My Way von Frank Sinatra, Tischer Lieblingslied. Denn, Tischers Plan, was Text ist, wird gelegentlich auch vorgetragen und so will er mit Frank Sinatra in voller Lautstärke und in Endlosschleife diese Lesungen sabotieren.

Fragt also nicht, wenn laute Musik erklingt, kein Wort mehr zu verstehen ist, weil infernalisch Frankie durch die Hallen tönt, ist das das Ende und Wie komm ich jetzt schnell nach Hause unter mein Bett, sondern das bedeutet nur, Stift ist alle, Tischer macht akustisch weiter und ja, vielleicht, ist das das Ende und schön ist es zuhause unter dem Bett. Doch es gibt Schlimmeres. Tischer könnte zum Beispiel Helene Fischer abspielen. Man kann nicht sagen, Tischer wäre nicht human.

Das zu Tischers kleinem Feldzug gegen jede Menge Text. Wir stehen kurz vor den Toren der Stadt. Und wenn die Stadtoberen jetzt nicht alles verschließen mit Vorräten bis zum Winter und die Mauern hochziehen bis kurz unter die Decke, dann wird’s sicher lustig. Es ist ja nur einer, der ein wenig Anderes im Sinn hat als seine Mitreisegenossen.

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3 Gedanken zu “XXVII. Das wahrscheinlich größte Abenteuer diese Woche – wenn sie keiner warnt

  1. Pah! Frankfurt ist noch lange nicht Bamberg, erst da söllte man Tischer fürchten. Und Bamberg ist wiederum noch lange nicht Bad Salzuflen. Hält aber die falschechten bereit…
    Herzliche Grüße und viel Glück/Erfolg/Rauschgenuß/Ohrfreiheit*
    Ihre Frau Knobloch, applaudierend.

    *Zutreffendes bitte unterstreichen.

  2. Hey Ho, Herr Hund!
    Tischer wird wahrscheinlich eine nicht unbeachtliche Menge Kunst schaffen. Schwarze Balken auf Texten, – das kennt man doch.
    Ansonsten mag ich nicht mehr so oft fluchen, deshalb spare ich mir hier das : „f***, alle fahren auf die Messe, ich aber leider nicht!!“
    Möge es ein Fest werden!
    Viele Grüße, Mensch Päddra

  3. …und zur Buchmessentagwerkaventiure gesellt sich ja nächtens der Kampf mit dem weißen Tiger, der ihm den Platz unter oder im Bett, am Futternapf usw. streitig machen will…..ooooh Tischer, Herr Hund wird sich die Finger wund schreiben müssen, ob all der Aventiuren.
    Vielleicht gelingt es, eine kleine Fotomittextstrecke der beiden oder drei Wilden zu erstellen, die dann hundstrüffelig hier erscheinen?
    Frankfurt und der märchenhafte Beifrankfurtort haben sich zum Besuch ihrer Ehrengäste gerüstet, die (Korrektur-)fahne flattert auf dem Dach, die Federn sind aufgeschüttelt, die morgendliche Tasse zum im Kaffeesatz Lesen ist gespült, S- und U-Bahn stehen bereit und alle hoffen auf die Nachricht
    Tischer ante portas!

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