(2/3) FortSETZen – Pilzähnliche Gedanken

Natalie verstand nicht, was an so einer Geschichte spannend sein sollte, es sei denn, man war eine einfältige Tigerkatze, die nach Sonnenreflexionen an der Wand sprang.

(Falscher Beitrag. Nichts gelernt. Ich soll ausrichten, das „einfältig“ zurückzunehmen.)

Was an so einer Geschichte spannend sein soll? Für diesen Punkt nehme ich das Durchgestrichene zurück und die Frage auf. Erweitere was man unter spannend verstehen könnte mache aus einer Geschichte mehrere, nenne es Literatur und frage mich also: warum Literatur, Literatur wie diese?

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Aleph, ich fühle mich wie ein Aleph. Um mich herum Unmengen von Literatur. Ich sollte mir einen Überblick verschaffen, das was das Ganze ware für dieses Mal und bin befangen von einem Detail. Ich bin so ungefähr bei Seite 500 und im Grunde für die Zeit der Lektüre ist jedes andere Buch gestrichen. Oder es wäre, das wenigstens, versetzt mit diesem Beigeschmack. Ich bin ungefähr auf Seite 500 und, das ist kein ästhetisches Urteil, ich sehne langsam das Ende herbei.

Es beginnt mich zu verändern. Es ist dieses Detail. Ich hänge dem nach. Ich laufe durch die Gänge auf der Suche nach Veranstaltungen und Lesungen, wo er liest, Clemens Setz, Chris Setz, Kris. Bei der Suche schmerzen mir irgendwann die Füße; Ich bräuchte besser einen Rollstuhl.

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Betreutes Lesen, so ein Unsinn. Wäre es nicht ein schöner Gedanke, über der Lektüre eines Buchs wahnsinnig zu werden und so die virtuelle Welt nie verlassen zu müssen. Eskapismus. An den Rändern der Literatur hat sie Risse, wie in einer riesigen, aber dabei programmierten virtuellen Spielwelt die Glitches,

als wäre die Raumzeit ärgerlich über die unerwartete Grenzbegehung, bestimmte Blickwinkel ergaben keinen Sinn mehr, der Zusammenhalt der Textur war nicht mehr gegeben, ein Schritt konnte schon den Durchbruch bedeuten.

Und mein Lesen ist nicht dein Lesen, diese meine Welt nicht deine. Und ob mir unsere Welt im Lesen gefallen würde, ist nur eine Behauptung. Technisch mag das funktionieren. Ob es ästhetisch eine Möglichkeit darstellt…?

Wurde schon einmal ein Autor beim Schreiben wahnsinnig? Ist betreutes Schreiben eine Option? Eher nicht. Hingegen, der Autor, der einem diese scheinbar riesenhafte Welt überlässt, für die er irgendwann die Lust an ihrer Erschaffung/Programmierung verloren hat, der einen mit dieser Welt sich selbst überlässt und es billigend/mutwillig in Kauf nimmt oder es sogar provoziert, dass der „vernünftige“ Leser dabei den Ausgang nicht mehr findet, der wäre nicht zu betreuen, sondern einzusperren.

Schützt uns Leser vor den Autoren!

Das ist aber außerhalb. Ich kümmere mich spatter darum. Noch bewege ich mich innerhalb des Buchs. Es legt sich mit jeder Seite Gedanke auf Gedanke und an dunkler Stelle in meinem Gehirn lagern sie sich ab und bilden die Form eines Pilzes. Es sind ungesunde Gedanken. Ich werde besser den ganzen Pilz herunterschlucken und ausscheiden, ist das Buch einmal gelesen.

Sonst verdirbt er mir die Lust auf Weiteres, auf Anderes. Und ich hinge diesen Gedanken auf ewig nach, wie ein Stalker.

(Anmerkung aus Selbstschutz: natürlich sind gewisse Passagen nicht so gemeint. Sie sind Teil einer von mir programmierten Welt, ich sagte nicht vollendet, ich sagte programmiert. Ich weiß sehr wohl um die vielen Bugs in meinem Text. Und es sei auch nur erwähnt, weil vielleicht einer meinen könnte, es würde den Tatsachen entsprechen. Ich nehme für mich in Anspruch, literarisch gewesen zu sein: alles wahr, aber nichts davon entspricht irgendwelchen Tatsachen.)

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6 Gedanken zu “(2/3) FortSETZen – Pilzähnliche Gedanken

  1. Jetzt mal ehrlich lieber Freund. Butter bei de Fische.
    Ich lese deinen Text schon das fünfte Mal und komme ihm nur im Ansatz nahe. Vieles scheint mir um vereckte ecken gedacht & und ein lockeres verstehen ist mir nicht in Sichtweite. Womöglich blubbert mein Hirn und die Synapsenkanäle fern der Höhe deiner Textur. Der Wille der begrifflichen Verständnis ist da. Ergebnisse nur spärlich. Aber auch im Nichtverstehen hat das enigmatische seinen Zauber & ich bewundere weiterhin deinen Umgang mit den ABC Zeichen und die Formenpracht deiner hohen Sicht. Respekt und Achtung sende ich dennoch ungeachtet meines Verstehens. Einen zweiten meisterlichen Hund ist mir nicht bekannt & mit Sicherheit auch nicht in der Ferne ahnend. Butter bei de Fische. So schreibt kein zweiter.
    Herzlich ©lz

  2. Tischer soll sich mal nicht so anstellen. – Das „einfältig“ ist sicher nicht persönlich gemeint.
    Dieses Buch. – Ich gehe nicht ohne es aus dem Haus und wann immer sich die Gelegenheit bietet, lese ich darin. Ich liebe es sozusagen.
    Viel Vergnügen weiterhin in Frankfurt!
    Beste Grüße lieber Herr Hund, ich hoffe sie haben viele Kekse und andere (geistige) Leckerlis bekommen! Mensch Päddra

  3. Pingback: (3/3) AbSETZen – “Sonst ist alles Dada.” | hundstrüffel

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