Schrödingers Katze, Herr Hunds Schrödinger

Bei Kilometer 200, zuvor kurz eingenickt, dann wieder wach, die linke Seite des Kopfs an die Scheibe gelehnt, das schwere Buch mit beiden Händen schwer zu halten, es entgleitet mir fast, von den neon-bunten Lesezeichen sind nicht mehr viele da, kollidieren Gedanken, wie ähnlich sich Literatur und Quantentheorie sind.

Krude Kombinationen verschiedener Lektüren, von dem, was man gefunden hat auf dem Weg mit dem, was Natalie, Hollberg, Dorm denken, der Autor, schon vorher anderswo andere; es versammelt sich in einem trägen Schädel.

Schrödingers Katze, meine Gedanken, die Anordnung im Kasten, der Verlauf beim Denken, richtig-falsch, zur gleichen Zeit, solange es dauert, dabei immer wahr, einmal rausgelassen, wie jetzt hier an dieser Stelle, in Sätzen, es entscheidet sich, doch ganz gleich, es ist nie mehr so wie vorher.

Ausgesprochen, Ab-ge-scrollt die Katzengedanken, mussten raus, Wahrheit kollabiert. Jeder ist dumm und klug zugleich, bis er den Mund aufmacht. Draußen ist er das eine, ist er das andere, doch wahrscheinlich nicht mehr so wahr wie bis zu dem Moment, als er dachte, das wäre doch interessant und man würde es gern wissen.

Besser, es bleibt der Deckel drauf, dann ist weiterhin alles möglich. Fast glaubte ich (bei Kilometer 200 in dem Moment zwischen zwei Zuständen), am besten wäre, die Bücher (und Gedanken) zwar alle haben, aber niemals lesen (und aussprechen) – reicher wird man nicht mehr an Wahrheit.

Kurz vor dem Ziel, einige Kilometer später, angelangt bei Seite 600. Ich hab dann doch weitergelesen. Richtig oder falsch, ich konnte nicht anders. Und ich schreibe das jetzt.

Wahrscheinlich dumm.

Wahrscheinlich nicht.

Um den Deckel wieder drauf zu setzen, dafür ist es zu spät.

Katze tot?

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10 Gedanken zu “Schrödingers Katze, Herr Hunds Schrödinger

      • Definiere Heldentum: Das sind doch nicht die, die sich mit „Heureka!“ auf ein Werk stürzen und dieses meinen mit einer flotten Eroberung verstanden (im Sinne von beherrscht) zu haben. Sondern jene, die zögerlich sich annähern, geplagt von den Zweifeln, aber sich dennoch daran wagen – ich beispielsweise bin ein Feigling. Ich kneife vor dem Setz. Das verstecke ich hinter intellektuellem Hochmut: Pah, der! Morbidität als Inszenierung. Pah, völlig überschätzt! Dabei habe ich nur einen Riesenbammel, ich könnt ihn nicht verstehen. Aber Sie, Sie kämpfen sich heldenhaft durch, ringen damit, also wenn das kein Heldentum ist! Aber ich frage: Das unterlichtscheffeln ist auch Teil Ihrer Inszenierung?

      • Nein, ich bin voller Zweifel. Ist nicht Inszenierung. Ist nicht Ich-brauch-jetzt-ein-Kompliment-genau-jetzt. Wahrscheinlich falsche Orientierung, eben weil’s die richtige ist, die an den großen, den ganz großen Geistern. Drunter ist unter dem Scheffel.

        Im Übrigen: der Setz ist gar nicht so arg. Er ist ein sehr lesbarer Forster-Wallace.

  1. lange über den satz „Jeder ist dumm und klug zugleich, bis er den Mund aufmacht.“ nachgedacht in anbetracht der tatsache, dass man doch oft recht dumm aussieht, wenn man sich blöd anstellt, obwohl man gescheites zu sagen hätte, wenn. hm. (wieder mal kein ergebnis vorzuweisen.) (ich bleib dran.)

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