….und von der Schwester den Musil.

Liebe Petra, das wird kein Beitrag zu deiner RubrikEr sieht nur so aus fühlt sich aber nicht so an. Mit diesem Beitrag will ich es nicht erledigen. Dabei wäre hier der Ort. Allein, obwohl es die richtigen Zutaten sind, die wichtigsten allemal, braucht es dazu eine andere Bühne. Mir schwebt diesbezüglich ganz anderes vor. Oder will ich damit sagen, ich bin überhaupt nicht in der Lage, Bücher und Koffer, gleich welcher Größe, zusammenzubringen, gebe es aber nicht zu, dieses Unvermögen und schiebe darum vor, dass für die großartige, eine der Fragestellung angemessene Bearbeitung, die es geben muss, mir noch nicht der rechte Funke in die Finger gefahren ist.

Kurz, dies hier wird zu mittelmäßig. Sein Autor braucht Urlaub. Womit wir wieder beim Koffer wären, bei den Büchern und bei der Insel, für die diese gedacht sind.

Zur Auswahl -vielleicht sogar zu Literatur überhaupt- vorab eine Anmerkung: Handyspiele. Es gibt da diese Zusatzspiele. Man nimmt sie gerne an, man kommt gerade nicht weiter. Am Ende, sagen wir, dazu gehören fünf bis sechs Aufgaben zu meistern, die Belohnung, unter anderem unendliches Leben für 48 Stunden.

Vorläufige Ewigkeit, neben allem anderen, eine hervorzuhebende Qualität für ein Buch. Es hält, manchmal, darüber hinaus an, dieses Gefühl. Länger als 48 Stunden, aber nicht, leider nicht, denn so ist das Leben. Ein Buch ist dennoch mehr als ein Zusatzspiel, wenn es sonst nicht vorwärts geht.

Ich will mich, abgeschieden, lediglich Warmes, Bücher und das Fräulein im Gepäck, ein wenig in Ewigkeit ergehen. Wie schwer ist’s da, zuvor das Passende dafür zu finden und immer wieder wird umgeworfen, was einem passend erschien. Literatur ist ein Meer, Welle um Welle und ich mein‘, mit Händen das Meer herausgreifen zu können, da ich zudem das ganze Meer mit mir tragen möchte.

Für keine Insel der Welt würde ich dennoch ein E-Book haben wollen. Ich liebe ja diese Qual. Und liebe die Last.

Wenn ich nur in richtigen Fluten so waghalsig wäre, wie ich mich beim Lesen gebärde. Beim Lesen bin ich Kanalschwimmer, im Wasser halte ich mich lediglich darüber, so eben.

Und Lesen ist kein Eskapismus. Man kommt wieder an Land, doch wahrscheinlich mit einem viel ausgeprägteren Gespür für Tiefe.

Meine Auswahl der letzten halbe Stunde:

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Der Bus fährt am Montag. Es kann sich noch was tun. Ständig wird umgeworfen. Obwohl ich meine, dass Weiß mir steht. Im Moment sind nur zwei Bücher fix.

Bei einem, da will ich es zelebrieren. Da will ich nicht einen Blick hineinwerfen, bis ich auf der Insel bin. Das wird hoffentlich eine große Lust. Ich verspreche es mir davon. Ein Abenteuer.

Das andere, das habe ich von dem Menschen, der mich damals zum Lesen gebracht hat. Schwester, man schenkt einem Pubertierenden nicht Platons Dialoge. So etwas hätte den Schierlingsbecher verdient.

Im Nachhinein bin ich Dir für diese Verführung eines Jünglings dankbar. Die Bücher waren ein guter Ersatz. Jetzt will ich endlich auch zu diesem Buch kommen. Die Abgeschiedenheit, sie ist von Vorteil. Werd’s versuchen.

 

 

 

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Am Ende das Glück

Sackgasse

Es hat eine gewisse Redundanz. Das weiß man irgendwie vorher schon. Das kleine Glück. Der Mann aus der ersten Erzählung, fast wäre zu wünschen, er hätte tatsächlich Großbauer Meissners Scheune angezündet. Es klärt sich nicht. Nichts klärt sich. In allen Erzählungen bleibt es bei Andeutungen und Unausgesprochenem. Es bewegt sich nicht. Lediglich Autotüren werden geöffnet und wieder zugeschlagen. Kurze Fluchten, nie sehr weit, dann schnell die Umkehr.

Die Frau aus dem Nachbarhaus. Ist sie eine Angehörige der Verstorbenen? Ein Gespräch in lauer Sommernacht über den Zaun hinweg. Er sitzt später auf dem leeren Bett; Sie hätte eure Mutter sein können.

Der entfernte Freund im Krankenhaus, die verständnisvolle kleine Tochter. Kinder sind noch keine Erwachsenen.

Ich kenne das, nicht die Siedlungen, in denen die Geschichten (!?) sich abspielen. Ich kenne das Einlullende an so einem Glück. Es knirscht. Und es ist nicht der Garagenkies. Doch hört man es nicht. oder man hört es, tut es aber ab. Das kleine Glück kann die Hölle sein. Das kleine Glück ist der Frosch auf der Herdplatte.

Der Höhepunkt des gefährlich unscheinbaren Buchs von Bernhard Strobel, die letzte Erzählung; sie ist die längste. Ein Mann im Pflegeheim/Krankenhaus, er ist älter. Sein Leben hat er vertan. Er ist selbstgerecht. Er hat Bedürfnisse. Mit dem Feldstecher sitzt er im Rollstuhl und beobachtet, schreibt Briefe an einen vermeintlichen Freund. Der nie kommt. Dafür bekommt er am Ende unerwarteten Besuch. Tröstlich.

Sein Glück,

es ist ein großes Wort mit wenig Inhalt, auf das alle sich gleichzeitig stürzen, gierig, durstig, wie vor einer Schanktheke mit Freibier am Straßenrand, in einem elenden Gedränge, und da ist es nur natürlich, möchte ich meinen, dass nicht für jeden etwas abfällt, immer wird es welche geben, die danebengehen und zusehen und sich damit trösten, dass es auf lange Sicht kaum eine Rolle spielt, weil es die Maden gewiss wenig kümmert, ob man glücklich gelebt hat, sie können das glückliche Fleisch nicht aus dem glücklosen herausschmecken. Oder können sie?

Aus der Sicht mag es stimmen. Auf lange Sicht verhilft einem kein Eigenheim zum Glück – per se.

Ganz sicher scheint mir, dass aber auf lange Sicht unglücklich macht der Blick auf das, was man nicht hat – und dass man sein Nichtbemühen um die wichtigen Dingen dabei hinter Gartenzäunen versteckt bzw. verbarrikadiert.

Bernhard Strobel, Ein dünner Faden – Literaturverlag Droschl

 

Findlingsrezension

Die nächste Stufe der Bekanntheit, auf einer solchen Stufe im übertragenen Sinne vor meiner Tür lag, im Briefkasten, ein Buch, dass ich an solcher Literatur Interesse haben sollte, wusste ich bislang nicht, es war auch nur eine kurze Erregung nach dem Auspacken bei dem, was ich in Händen hielt, die schnell erlosch, doch sie war da, ich will es nicht verheimlichen: Aktfotographie – die ersten Schritte.

Was für ein Gedanke. Ich? Ein Fotograf von nackter Haut? Eben nicht und deshalb vielleicht sogar der rechte Adressat. Für erste Schritte. Doch nein, es scheitert bereits an der Ausrüstung. Da wird sehr viel verlangt. Ich aber hab das alles nicht, nur eine Kamera, deren Talente mehr so im Philosophischen liegen, in paradoxen Selfies.

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Für Akte, da würde sie durchschmoren, das überfordert sie, ein sehr starker Rotfilter täte not, das keusche kleine Ding. Nein, nein, sorry, das kann nichts werden. Da stehen wir nicht zur Verfügung. Ein ruhiger See, Blumen, ab und zu ein Tierchen, das aber sich nicht zu heftig rühren darf, das ist’s, da sind wir dabei, darauf verstehen wir uns. Aber das, so Prickelndes, Gänsehaut Erzeugendes gelänge uns beiden nicht; ich wüsste gar nicht, wer da eifriger verwackeln würde ständig, von uns beiden.

Dabei, dass das jeder weiß. Dass da keine Gerüchte aufkommen, keine falschen Meinungen. Ich wäre den Damen gegenüber stets ein Gentleman. Dieses Kapitel im Buch, das verstand ich sofort, als ich unmittelbar nach Durchsicht der Bilder zu lesen begann: Distanz und Professionalität.

Wir winken folglich ab. Es war sicherlich gut gemeint, wobei ich noch nicht darauf gekommen bin, worin diese gute Meinung besteht, doch sind da bessere Türen, vor denen abzulegen so einen Findling lohnt.

Danke dennoch für das Zutrauen.

 

…da mir noch ein achter Grund einfiele (nebst weiteren, die mir vielleicht nicht eingefallen sind).

Vor ein paar Tagen, da las ich bei einem Wertgeschätzten und ich tat es in einem ersten Vernehmen ein wenig  nicht ganz ernstnehmend ab, deren sieben Gründe, was es mit dem Lesen wäre und warum es also getan werden sollte; ich dachte darüber nach, der Tag lud dazu ein. Auch, da ich selbst Leser bin, überzeugter Leser, und tue das bereits seit einigen Jahren, wohl Jahrzehnten, ganz ohne Scham. Ich fühle es ebenso, wie es mich veränderte, seit ich es tue. Ich will es ersparen, davon zu erzählen, von der Zeit zuvor, da zumindest hierin, dieses zu lesen, aus keinem dieser Gründe, von denen die Rede ist, sich lohnen würde, diese fast schon aber widerlegen könnte, zur Gänze, würde man es trotzdem lesen.
Davon also nicht. Und später erst von einer Gegenprobe, die einzufallen mir ein trostloser Gang am Morgen brachte. Zunächst, auch weil er mir als Grund geradezu existentiell erscheint, ich mich darüber wundere im Nachdenken, dass geschätzter Blogger ihn nicht erwähnt, mir er aber selbst erst sehr viel später einfiel, obwohl so naheliegend, aber wahrscheinlich spricht man darüber nicht so gerne, weil er das Menschlichste in uns so schonungslos offenbart: wir lesen nämlich, vorzugsweise dicke Bücher über unwahrscheinliche Traumwelten, doch funktioniert es ebenso mit Novellen und so gerade eben noch mit Gedichten (und nur unter Vorbehalt, da müssen es aber dann viele sein und kurz hintereinander), damit wir nicht etwa mit Kettensägen, so eine würde ich nehmen, übereinander herfallen.

Sagen wir, wie es ist, in der Dauer, die es braucht, etwa den letzten Setz zu lesen oder, das hat letztes Jahr viele Leben gerettet, eine Haratischwili, ist mit einer Markenkettensäge aus dem Baumarkt eine mittlere Dorfgemeinde auszulöschen.

Lesen rettet Leben, nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret. Der Meuchelmörder in uns hat seine Gute-Nacht-Geschichte bekommen, er schläft. Und er träumt. Besser, wir lassen ihn träumen. Lesen wir lieber weiter uns vor, eine Geschichte, noch eine und so fort, mit Gedichten dagegen ist vorsichtig umzugehen, sie könnten im Vortrag eher verstörend Öl für’s Feuer sein.

Doch so eine epische Geschichte mit reizenden Fernen in Gedanken und Bildern, sie lässt ihn schlummernd außer Acht lassend, die in der Nähe lockenden Gliedmaße zu ……………………….. mit Sonderangeboten, an denen man am Samstag noch vorbeiging, ohne sie zu nutzen.

Ich liebe die Kultur. Und meine Nachbarn, sie lieben sie auch. Meinetwegen. Ihretwegen.

(zur Nagelprobe in Kürze……fällt mir nichts Besseres ein)

Trailer: Lektor II – jetzt wird korrigiert

Nach der überaus erfolglosen Bearbeitung einer halbgarenwahren Geschichte, folgt nun im Januar 2016 die Fortsetzung.

Er ist entkommen.
Er ist zurück.
Und dieses Mal schreibt er um.

Im ersten Teil hinterließ er Leerstellen, Leichenberge von Texten, Unlesbares. Ein ganzes Land verstummte.

Nun aber wird es wirr. Dagegen war Babylon eine Dorfkirmes
Bedienungsanleitungen werden zu Neujahrsansprachen.
Neujahrsansprachen zu Kindermärchen.
Und aus Texten für die Kleinen werden Kriegserklärungen.

Wenn aus der Lust auf Lesen die Lust zu morden wird.

Der Lektor zweiter Teil. Und dieses Mal wird’s eng.

Dieses Jahr könnte es das letzte Weihnachten sein.
Feiert! Seid besinnlich!
2016 ist das Jahr des Lektors.
2016 ist Schluss mit friedlich.

Wenn keiner den anderen versteht.
In keiner Sprache der Welt.

Der Lektor Teil Zwei – Wenn die Welt verstummt
vor lauter Text. Wenn sie ganz andere Worte spricht,
ist es für Schweigen zu spät.

Der Lektor II, zu schrecklich, um nur der Gedanke eines
phantasielosen Bloggers zu sein.

Wer es sich antun will, Januar 2016
auf diesem Blog.

Einmal noch Klartext.
Einmal noch mit eigenen Worten.
Einmal noch verstanden werden.

Bevor er sprechen lässt. Der Lektor.

Und wer es wissen will:
Es wird ein Donnerstag sein.

Der Lektor II – jetzt wird korrigiert. 
(In Polycolor und Formaldehyd. Und Colin Firth ist auch dabei)

Freigegeben ab 0. Danach ist sowieso alles egal.