Über Wände

Mein Gott, ich liebe schiefe Bilder. Aber seien wir ehrlich, im Grunde ist alles Vernünftige bereits gedacht – leider das Meiste nicht von mir.

Wenn man im Denken, in der Phantasie oder ganz real einen Raum betritt, so wird der leer sein oder nicht. Aber wie auch immer, man wird beginnen, ihn sich einzurichten. Das Wichtigste dabei zunächst wird aber sein, sich zu vergewissern, welche Wände tragen, welche nicht. Denn wenn man es nicht tut und einreißt, was besser stehengeblieben wäre, dann braucht man sich auch keine weiteren Gedanken über die Farbe der Tapete machen, ob Parkett oder Teppich oder wo Möbel sich am besten machen. Dann ist es mit einem heimischen Gefühl und einer Gemütlichkeit nicht weit bestellt. Unter Schutt ist nicht gut Gäste zu empfangen.

Ich stelle mir diesen realen Raum vor und überlege, was geht. In diesem konkreten Fall muss ich es, zum Glück, nicht alleine tun. Ich liebe schiefe Bilder, aber auch für die braucht es tragende Wände.

 

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Ein Gedanke zu “Über Wände

  1. Interessanterweise bestehen die Wände meiner Wohnwabe aus einer Art Pappmaché, das stellenweise von Stahlbetonfasern durchkreuzt wird. In die Wände geschlagene Nägel verschwinden entweder ganz und kommen beim Nachbarn wieder heraus oder aber man braucht eine Schlagbohrmaschine, um ein Loch in den Beton zu fräsen. Bilder hängen schon aus diesem Grund niemals ganz gerade bei mir und die Wasserwaage schiebt Frust im Kabuff, in das sie verbannt wurde, weil sie zwecklos ist. Damit Bilder an nicht tragenden Pappmachéwänden montiert werden konnten, kaufte ich also spezielle Spreizdübel, die sich derart hinter die Pappwände krallen, dass ich sogar den großen schweren Kandinsky aufhängen konnte. Etwas schief, versteht sich, weil sich an der einen Seite ein störrischer Stahlbetonträger befindet.
    Beinahe alles wiederholt sich irgendwann. Auf den ersten Blick erscheint es vertraut und bereits bekannt und erst auf den zweiten dritten und vierten offenbaren sich winzige Details, die das Vertraute, bereits Bekannte unterscheiden und zu etwas Neuem, Unbekannten und Einzigartigen machen.
    Das Bekannte neu zu erfassen mag so unvernünftig erscheinen wie Bilder an nicht tragenden Wänden schief aufzuhängen.
    Doch nur auf den ersten Blick…✨

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