Ein möglicher Ort

Das erscheint jetzt nur trübsinnig.

Man sagt, aus dem Gedächtnis, ich zitiere aus dem Gedächtnis. Da fehlt dann vielleicht ein Wort oder wird vertauscht. Vielleicht wurde das alles nicht so gesagt. Vielleicht ist da nur Gedächtnis und es war da nichts.

Aus der Erinnerung Vergangenes hervorholen. Telefonnummern, an die man sich erinnert, sind leicht zu überprüfen und am anderen Ende keine Stille vielleicht. Viel leichter als Geschichten. Stimmen die noch. waren die so? Oder sind es immer nur Geschichten, die nie waren und immer nur sind, jedes Mal.

In Geschichten aus dem Leben verschwinden. Bewahren.

Man steigt nie aus dem Fluss, wie man hineingestiegen ist. Man sieht selbst nie den Fluss. Man spürt die Strömung, fühlt die Nässe, friert. Aber man sieht nie den Fluss, den ganzen Fluss. Doch soll es ihn geben.

Ein kleiner Blick, ein kurzes Stück vom Fluss, Geschichten bannen ihn
– für Momente.
Geschichtenerzähler schöpfen den Fluss mit bloßen Händen
– niemals aus.

Er beruhigt sich in Geschichten. Dann klappe ich das Buch zu, diese Geschichte ist erzählt, er reißt mich fort. Und ich werde vielleicht dieser Geschichte nicht mehr wieder begegnen.

Auch sie wird, wenn, dann eine andere sein, weil ich es sein werde.

Stephan Kaluza hat einmal den Rhein fotografiert, alle paar Meter ein Bild, er hat die Bilder zusammengesetzt. Was in der Zeit nie zu sehen ist und deshalb nicht zu beweisen, in einem Bild. Er existiert als Montage.

Das Leben ist Ein möglicher Ort.

Sie wissen schon, das Leben ist ein Konstrukt, die Literatur ist es auch, nur Narren sprechen von Unterschieden.

Stephan Kaluza hat ein beunruhigendes Buch geschrieben. Ein Bildermensch, der darin nach der Idylle sucht, um -fast- darin umzukommen. Er lernt Julie kennen. Sie beobachtet sehr genau und kann so auch nicht leben.

Das Leben ist nur irgendwo zwischen Auslassung und Hingabe zu leben.

Vielleicht.

EinmöglicherOrt

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Ein möglicher Ort

  1. Eine sehr feine Rezension. So viel Wahrheiten in diesen Sätzen. Flüsse zu beobachten gibt viel Aufschluss über das Leben. Nie sind sie gleich, manches werfen sie zurück ans Ufer, anderes tragen sie auf Nimmerwiedersehen fort. Flüsse sind wohl am auffälligsten in der stetigen Veränderung. Doch selbst die Berge vorm Fenster sehen nie gleich aus. Ihre Veränderungen sind nur unauffälliger. Es sind winzige Details, das Licht, die Wolken, Nebel oder klare Sicht. In täglichen Betrachtungen bemerkt der aufmerksame Beobachter, dass ein Zweig am Baum Horizontallinie Mitte rechts am Hang abgebrochen ist, der gestern noch da war. Bemerkt, dass die Schatten stündlich weiterwandern. Ein Fluss ist niemals statisch. Das weiß jedes Kind. Doch nicht jedes weiß, dass auch Berge es nicht sind.

    • Danke für das Lob, für die Ausführungen. Ich weiß nur nicht, ob es eine Rezension genannt werden darf. Bin mir sehr sicher, so etwas gar nicht zu können. Mich stuppst ein Buch lediglich an, komm les mit mir. Bisweilen fällt dabei etwas ab. Bisweilen Lohnenswertes. Wie in diesem Fall.

  2. Eine Telephonnummer ist eine Telephonnummer ist eine Telephonnummer. Eine Geschichte ein Gedicht eine Novelle eine Textlandschaft kann alles sein. Das ganz kleine
    wenige. Das einnehmend große. Der Winkel der Aufnahme ist wie das Leben. So scheint es mir. Daraus ein immer neuer Blick. Da ist die Telephonnummer eher wie der Teebeutel gegenüber dem Tee. Offen wie das Leben.

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