Am Ende das Glück

Sackgasse

Es hat eine gewisse Redundanz. Das weiß man irgendwie vorher schon. Das kleine Glück. Der Mann aus der ersten Erzählung, fast wäre zu wünschen, er hätte tatsächlich Großbauer Meissners Scheune angezündet. Es klärt sich nicht. Nichts klärt sich. In allen Erzählungen bleibt es bei Andeutungen und Unausgesprochenem. Es bewegt sich nicht. Lediglich Autotüren werden geöffnet und wieder zugeschlagen. Kurze Fluchten, nie sehr weit, dann schnell die Umkehr.

Die Frau aus dem Nachbarhaus. Ist sie eine Angehörige der Verstorbenen? Ein Gespräch in lauer Sommernacht über den Zaun hinweg. Er sitzt später auf dem leeren Bett; Sie hätte eure Mutter sein können.

Der entfernte Freund im Krankenhaus, die verständnisvolle kleine Tochter. Kinder sind noch keine Erwachsenen.

Ich kenne das, nicht die Siedlungen, in denen die Geschichten (!?) sich abspielen. Ich kenne das Einlullende an so einem Glück. Es knirscht. Und es ist nicht der Garagenkies. Doch hört man es nicht. oder man hört es, tut es aber ab. Das kleine Glück kann die Hölle sein. Das kleine Glück ist der Frosch auf der Herdplatte.

Der Höhepunkt des gefährlich unscheinbaren Buchs von Bernhard Strobel, die letzte Erzählung; sie ist die längste. Ein Mann im Pflegeheim/Krankenhaus, er ist älter. Sein Leben hat er vertan. Er ist selbstgerecht. Er hat Bedürfnisse. Mit dem Feldstecher sitzt er im Rollstuhl und beobachtet, schreibt Briefe an einen vermeintlichen Freund. Der nie kommt. Dafür bekommt er am Ende unerwarteten Besuch. Tröstlich.

Sein Glück,

es ist ein großes Wort mit wenig Inhalt, auf das alle sich gleichzeitig stürzen, gierig, durstig, wie vor einer Schanktheke mit Freibier am Straßenrand, in einem elenden Gedränge, und da ist es nur natürlich, möchte ich meinen, dass nicht für jeden etwas abfällt, immer wird es welche geben, die danebengehen und zusehen und sich damit trösten, dass es auf lange Sicht kaum eine Rolle spielt, weil es die Maden gewiss wenig kümmert, ob man glücklich gelebt hat, sie können das glückliche Fleisch nicht aus dem glücklosen herausschmecken. Oder können sie?

Aus der Sicht mag es stimmen. Auf lange Sicht verhilft einem kein Eigenheim zum Glück – per se.

Ganz sicher scheint mir, dass aber auf lange Sicht unglücklich macht der Blick auf das, was man nicht hat – und dass man sein Nichtbemühen um die wichtigen Dingen dabei hinter Gartenzäunen versteckt bzw. verbarrikadiert.

Bernhard Strobel, Ein dünner Faden – Literaturverlag Droschl

 

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