Durchs Jahr mit XYZ (wobei es bei mir Robert Schindel ist)

Und tatsächlich hat mein Jahr bereits im Oktober in Frankfurt begonnen. Einmal sagte ein virtueller Freund, mit dem einen Rotwein zu trinken noch immer aussteht, das Kurze ist es, das Lange schwafelt.

Ich dachte mir, ein Roman, wie der damals gemeinte, verhielte sich zu Kürzerem wie eine Wanderung zu einem Spaziergang. Und ein Gedicht wäre wie ein Blick aus dem Fenster. Ich lerne vom Einen das Gehen, vom anderen das Sehen.

Doch ich denke mir jetzt, keineswegs braucht es für ein Gedicht weniger Zeit, nicht im Schreiben und erst recht nicht im Lesen. Ein Gedicht ist längst nicht fertig mit einem, wenn ich sage, es ist schön. Da fängt’s meistens erst an.

Wenn ein Gedicht ein Fenster wäre, so wären die Tage, die ich sähe doch nie dieselben. Ein Rahmen und erst hindurch und das Dahinter, von innen nach außen, von außen nach innen, zeigt sich selten sofort.

Ich kann mir so nicht das schmale Bändchen nehmen und lese einfach von vorne nach hinten, hmmm, ja, soso und schön. Nicht etwa analysieren, nicht gleich, vielmehr einige wenige Gedichte oder nur Zeilen oder nur einzelne Worte zur Ruhe kommen und aufgehen lassen.

Dann Stellen wiederholen, Reihenfolgen ändern, sich vortragen, flüstern, schreien und brüllen – schweigen; es ist durchaus möglich, für heute sagt es nichts, selbst morgen stellt es sich stumm.

Geduld. Bis es zurückblickt und in mich hinein spricht.

Ich habe für die lange Zeit, die notwendig ist, mir Robert Schindel ausgesucht. Ich hoffe, ich habe die Geduld. Romane kann ich gut, nur mit Gedichten, man steht da und will lieber woanders sein, geradezu flüchten vor so wenig Zeilen, Lange Weile, die es braucht, dass, was da so verdichtet daliegt, sich auftut für einen.

Nicht jedes Gedicht. Dauert. Manche scheinen/sind zugänglicher, sprechen von Traurigkeit, die mir nicht unbekannt ist, vom Fremdsein, vom Alter, vom Sterben und vom Verlust,

Jetzt wo du fort bist

Gehen die Stunden in deine Richtung

von Erinnerung.

Ich lese von anderen, er bruddelt oft der Schindel, ich hör ihm zu, wie er grantelt, wo er die Worte nur hernimmt, es ist eine Arbeit, sich seinem Unverständnis nicht zu ergeben, dennoch gebannt, für aber nie länger als fünf Gedichte. Es täte nicht gut.

Könnte sagen, da ist viel Jüdisches drin, viel Österreich, viel von seinerzeit und leider auch noch heute. Würde es helfen?

Gedichte lassen sich nicht gut empfehlen. Von mir nicht. Ich kann nur empfehlen, sie zu lesen. Und viele dürften es nicht sein. Vielleicht nur ein schmaler Band im Jahr. Und immer wieder darin lesen, bis es dann glücklicherweise zu Ende gelesen ist.

Meiner ist der Schindel, „Scharlachnatter“.

Scharlachnatter

Ich mochte den „Kalten“, ich mag spätestens seit Frankfurt den Kerl, hoffe, seine Gedichte mögen mich; es lässt sich wenigstens gut an.

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5 Gedanken zu “Durchs Jahr mit XYZ (wobei es bei mir Robert Schindel ist)

    • Im Gegensatz zu einem Roman hat man bei Gedichten-Sammlungen den Vorteil der Wahl, gefällt mir heute dieses Gedicht nicht, so werde ich ein paar Seiten weiter das richtige schon finden. Oder anders gesagt: Gedichte funktionieren gut nach dem Prinzip „Zufallsbekanntschaft“.
      Ich jedenfalls habe danach schon so einige Zeilen entdeckt, ganz so nebenher. Gedichte sind für Flaneure.
      Gruß
      Herr Hund

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