Flaniert. Genossen. Mit Bauch.

Und ein guter Flaneur weiß nicht warum. Und kümmert ihn auch nicht. Warum sollte ich denken, es müsste mir peinlich sein? Weil mit hoher Nase ich oft lese, zu oft, und zu selten nach dem Bauch. Und wenn ich es doch tue, wie in diesem Fall, dann will die Nase im Nachhinein eine Erklärung finden, was man dann höheren Sinn nennt.

Ich will’s nicht erklären. Bin ihm gefolgt, mal Bauch an Bauch, auf gleicher Höhe, mal ist er mir ein wenig entwischt, weil er ein E-Bike nimmt. Doch habe ich ihn wieder eingeholt und fand ihn „schnaufend“. Da nahm ich bei ihm Platz, er bestellte vorzüglich und ausgesucht, und ließ es mir gutgehen.

Ich weiß nicht, wann ich wieder hinkomme. Doch für die Dauer der Lektüre war ich dort, so ein paar Plätze und Straßen kenne ich auch und bin derselben Meinung, man finde noch den Zauber, gibt man sich Mühe. Was das heißt, Mühe? Klang nicht so, als hätte er Mühe gehabt. Und viel mehr hat er gesehen als ich. Ich Nuss. Das ist ein Flaneur, ich nur hinterhergedackelt.

So lernt sich’s jedoch vorzüglich. Auch im Genießen habe ich ja durchaus Nachholbedarf. Wenn das gekonnt wird, lässt sich so Einiges an Unschönem vermeiden. Nicht zu sehr darauf drängen, nicht zu viel sich damit plagen, es mit leichtem Mut nehmen, nicht vergessend, man ist auch nur ein Mensch.

Das ist „wahrer Humanismus“, Schwächen kennen, besonders die eigenen, und solange man genießt, dass eine Moral dabei sein könnte, beiseite schieben. Es gibt ja ein Danach, ein Davor, das ist schon eng genug. Nur Moral und Darf-Man-Nicht und Soll-Man-Nicht und immer drauf achten und etwa die wohlschmeckende Gänseleber auf dem Teller vor einem nie genießen dürfen, so unmenschlich will doch keiner sein.

Ich jedenfalls kreid’s ihm nicht an, nicht die Leber, nicht neidisch die teuren Mahlzeiten. Ich sehe nur, da ist ein Leibhaftiger, ein Mensch, und find ihn sehr sympathisch.

Ich komm hier nicht weg, er nahm mich mit, nach Paris. Nach Paris, verdammt und zugenäht. Man wird doch mal genießen dürfen.

Vincent Klink – Ein Bauch spaziert durch Paris, Rowohlt

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Doch soll als Kontrast folgendes Zitat noch am Ende stehen:

Kürzlich erklärte mir ein Gast aus dem Libanon, wie wunderbar es hier in Deutschland sei: „Hier kann ich mich in ein Straßencafé setzen, ohne dass auf mich geschossen wird.“

Es steht im Buch am Anfang, der 13.11. war noch nicht passiert.

P.S. Das Leben bleibt schön. Macht, was ihr wollt.

 

 

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5 Gedanken zu “Flaniert. Genossen. Mit Bauch.

  1. Lieber Herr Hund, “ Das Leben bleibt schön. Macht was ihr wollt.“ (Herr Hund) Ich werde diesen Satz aufschreiben, rahmen und für jeden, der mein Haus betritt sichtbar machen. Dankesehr!
    Herzliche Grüße, Mensch Päddra Nawersagtsdenn

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