Kanalbauerliteratur

Gänzlich unbeachtet, doch existent.  Männer, aber Frauen (die sich ja als eigentliche Leser sehen) auch nicht, haben sich wenig um ihn geschert. Er, der Einzige, muss es wohl geahnt haben, dass viel zu eigenwillig, dabei wahrhaftig sind die paar Zeilen, die er im Frühjahr 1885 verfasste.

Mir zugefällig das schmale Werk, das die sogenannte Kanalbauerliteratur begründete, aber auch nicht mehr. Denn über ein einzelnes loses Blatt kam es nie hinaus.

Begradigte Landschaften. Mich stürzt in Unruhe alle Naturmächtigkeit nicht mehr.

Dann nurmehr Unleserliches.

Denkt einmal nach, nur weil ihr’s nicht habt lesen wollen, damals nicht, heute nicht, wurde es nicht fortgeschrieben. Eure Macht macht angst. Um Kanalbauer tat’s euch nicht leid. Zu kurzsichtig, denn wie reich hätte die Literatur sein können. Aber sechs Bände Knausgaard? Statt eines davon sich vielleicht zugewandt dem Werk Jerome Guerins, geboren 1861 in Veynes, gestorben unter ungeklärten Umständen 1887 am selben Ort, dann müsste jetzt nicht mir  -denn mir fehlt die Zeit und Französisch kann ich auch nicht- Mühe und Ehre zuteil werden.

Kanalbauerliteratur

Einziges Bild von Jerome Guerin. Oder doch eines Anderen.

Dann könnte ich einfach genießen, eintauchen in die Gedanken Guerins in vielbändigen Ausgaben, bei einer Tasse Kaffee. Stattdessen, ich sehe es euch an, wollt ihr, ich sollte lieber über den Norweger ein paar Beiträge verlieren. Never. Schreibt es euch selber zu. Ich lösche ihn durch Nichtlesen aus, so wie ihr Jerome dereinst durch Mißachtung ausgelöscht habt, ihr, die immer schon entschieden habt, was gelesen werden soll, was nicht.

Und die Folgen, da die Kanalbauerliteratur vollständig brachliegt? Bedachtet ihr? Ich schäme mich selbst ein wenig, ich bin nicht besser gewesen. Doch dieses Wenige des Jerome Guerin hat mir die Augen geöffnet.

Dass Literatur nur zu retten ist, liest man/frau völlig independent (heißt: unbedingt) und setzt sich dabei aus ‚aller Naturmächtigkeit‘, die Literatur überhaupt noch bietet.

Und Jerome Guerin, du seist ab heute mein Schutzpatron. Dass ich weiterlesen kann. Das wenigstens. Ist mehr auch nicht drin.

(Aber jetzt etwa pilgern nach Veynes, das ginge dann doch zu weit und in eine gänzlich falsche Richtung.)

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