Rodeln

Falsche Jahreszeit? Möglich. Nur Wasserski kann ich nicht. Eine Luftmatratze habe ich nicht. Und außerdem habe ich bereits seit 24 h an dem Vergleich gearbeitet und kann nicht mehr zurück. Wenn er irgendwo hängen oder haken sollte, erklärt sich das aus dem Vergleich selbst.

Geht auch nicht lang. Versprochen.

Der Vergleich: ich schreibe, als würde ich Schlitten fahren. Ich stapfe durch die Gegend, sehe irgendwann um mich herum einen Gedanken, ein Buch, ein Lebensetwas oder nur eine witzige Formulierung, ein Wort und es denkt sich was zusammen in mir und türmt sich auf.

Das kann dauern, muss aber nicht. Und irgendwann da steige ich hoch, bisweilen ist es anstrengend, steige auf den Schlitten und uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii ….. schreibe los.

Manchmal ist’s nur ein sehr kleiner Hügel, eine kurz Fahrt, ein kurzes UI.
Manchmal ist’s nicht besonders steil und es wird nicht besonders UI.
Manchmal merke ich, dass da kein Schnee ist und ich bilde mir das UI nur ein.
Manchmal -aber wirklich nur sehr selten- ist da nichtmal ein Schlitten; irgendwo muss die Leine gerissen sein.

Ich bin kein Schorsch Hackl. Aber manchmal bin ich so schnell, dass ich nichts mehr seh um mich herum vor lauter uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii, dass, wenn ich unten bin und die Strecke mir anschau‘, ich mich wundere. woher der Rausch wohl gekommen ist. Da ist die Nüchternheit, die sich einstellt. Zu dürftig, der Anblick von unten.

Und sehr bald stapfe ich wieder herum und schaue ich nach dem, was mir als ein guter Berg zum Rodeln dienen könnte.

Ich will nur rodeln. Das ganz Steile meide ich zwar oder fahre es nur in Kurven und Kehren herunter. Der Mutigste bin ich nicht.

Wenn ich so heruntersause, gehört der Berg mir allein.

Also im Schreiben nehme ich die Welt in Besitz, in einem uiiiiiiiiiiiiiiii, das nicht lange dauert, aber es dauert. Wenn ich fertig bin, so ist’s ein wenig so, dass mit dem Berg auch die Welt nicht so ganz mehr meine ist und sich entzieht.

Ich schreibe also in meiner Art auch, damit da überhaupt ein Berg ist, den ich herunterfahren kann, der also nur da ist, weil ich ihn herunterfahre.

Ich mag das Flache nicht so. Flach ist flach, was gibt es da zu sagen.

83176681f7e24d448c5da30bb8a17fde

Da fehlt mir so ein wenig das uiiiiiiiiiiiiiiiiiii. Könnte ich nur Wasserski.

Oder anständig Schach.

Hätte ich nur andere Bedürfnisse. Oder wäre Schorsch Hackl.

Ich schrieb dies und solange ich es schrieb, war’s auch so. Jetzt bin ich fertig/unten, im Flachen. Ich such mir einen neuen Berg.

Advertisements

XXIX. Tischer, Jäger und Sammler

Jeder braucht ein Hobby. Das Dasein kann so breit, so lang und weilig auch werden, wenn es nicht ausgefüllt werden kann. Nur schlafen und träumen, das wäre schön, geht aber nicht immer. Man könnte natürlich ständig die Steuer erklären und käme an kein Ende. Ist eine Überlegung wert. Beschäftigt wäre man.

Was aber, wenn man ein Tischer ist und mit Steuern nichts am Hut hat?

Am Anfang wollte Tischer Treppenstufen sammeln. Das konnten wir ihm ausreden. Die Forderungen der Krankenkassen erschienen uns zu hoch. Wir sind keine Milliardäre, keine Baulöwen, dass wir Treppenstufen bzw. das Fehlen derselben mal soeben aus der Portokasse bezahlen könnten.

Zwischenzeitlich verlegte sich Tischer darauf, Kirchenfenster einzuschmeißen, aber nur die bunten und da gezielt die Farbe Rot. Aber Kirchen werden immer weltlicher und farbloser und Verkehrsampeln sind nur der halbe Spass. Er ließ es bleiben.

Ich schlug ihm -thörichterweise- Briefmarkensammeln vor. Ich vergaß, auf so einer Briefmarke steht oben unter dem Gezackten oder unten über dem Gezackten oder auch mal irgendwo dazwischen, ganz klein, aber man kanns lesen „Deutsche Post“ oder „Dänische Post“ oder „Post von Vatikan“ oder „Post von sonstwoanders“. Und man kann’s nur lesen, weil’s ein Text ist. Klein oder groß, Tischer mag Texte nicht. Und von allen Briefmarken das runterschneiden – ist doof.

Tischer meinte mal, ihm gefielen Ming-Vasen. Wir schwiegen lange, Münder und Augen weit offen. Dazu fiel uns nichts ein. Und glücklicherweise sprach Tischer auch nie wieder darüber.

Nachdem also Tischer die Reihe durchhatte mit kreativen Einfällen und zuletzt Poesiealbum (Vorschlag Marcel) auch nicht wirklich eine gute Idee war, fanden wir doch eins. Also Tischer gab dem Hobby seine Weihe, Madame ihm eine Dose: ab da sammelte Tischer Fussel und Fusselähnliches.

Nun würde mancher sagen, aber Tischer macht doch Aventiure. Ist das denn kein Hobby? Nein, denn Aventiure ist mehr als das. Ist Tischer wesentlich. Ist seine Essenz. Nimm diese weg, was hast du da: ein Ding mit Streifen. Nein, die Aventiuren gehören zu Tischer wie Luft zu Liebe. Ohne Aventiure wäre für Tischer wie Ersticken. Und tatsächlich röchelt er immer ein wenig, wenn’s mal wieder zu lange dauert. Denn die Aventiuren sehen es ein wenig anders als Tischer. Sie meinen, sie kämen ganz gut ohne Tischer aus, zumindest aber so lange, bis sie sich wieder erholt haben vom Gestreiften. Und dann machen sie Siesta, weit weg in einem Land, das nicht an Tischer ausliefert.

Nein, ein Hobby, das ist für Tischer ein Ausgleich, eine Überbrückung. Für das allerdings Tischer eine Leidenschaft entwickelt hat. Wenn was machen, tun oder haben, dann alles.

Er hat also Fussel für sich entdeckt. Zuerst die aus meinem Nabel, dann die unterm Bett undsofort. Und nur die schönsten Fussel sind ihm gerade recht, wobei uns die ästhetischen Kriterien von Tischer nicht ganz klar sind. Auch sind es nur im allerweitesten Sinn „Fussel“. Da ist schonmal eine Feder oder ein alter Keks dabei. Doch er ist glücklich dabei. Also, was soll’s?

Und seine Sammlung, ich kann’s nicht anders sagen, ist schon recht beachtlich.

IMG_0402.jpg

Da sind Stücke dabei. Unbezahlbare, kostbare Stücke, will ich meinen. Tischer hat die jetzt nicht von einem Fusselsachverständigen mit Diplom schätzen lassen, das nicht, aber darauf geschlossen, wie Tischer seine Dose bewacht, so muss es mindestens den Wert einer gesunkenen Galeone haben, einer spanischen echten, keiner nachgemachten aus Lego. Es war deshalb nicht ganz ohne Gefahr, mal kurz sich die Dose für ein Beweisbild zu borgen. Aber wir kennen alle Tischers Tiefschlafphasen, er brabbelt dann bzw. es ist ein Werktag. Mit ein wenig Geschick, so gelingt’s an solchen Tagen.

Gut, gut, Fussel also. Nur, da es Tischer ist, so muss ja folgerichtig irgendwann eine Übertreibung kommen. Es wäre ausgesprochen irritierend, würde unser Gestreifter nun für immer einfach dasitzen mit einer Pinzette und einer Lupe und einfach die gesammelten Fussel von rechts nach links sortieren oder sie reinigen, putzen und abstauben. Dann könnte er ja gleich alt werden.

Nein, nein, da fehlte noch der Tischersche Twist, das Obligatorische. Das kam letzte Woche und dauert an. Tischer wollte seiner Sammlung einen besonderen Fussel einverleiben. Da es sich außerdem nach einer exquisiten Aventiure anfühlte, war bei Tischer sowohl die Sammelleidenschaft, als auch der Jagdinstinkt entfeuert: der unter Kennern bekannte Riesenfussel, die Krönung jeder Sammlung, entdeckt und in greifbarer Nähe in Tisches Einflussbereichs. (Anmerkung: ehrlicherweise muss man sagen, dass dem, was ein Experte für Fussel genannt werden kann, am nächsten kommt, nur allein Tischer selbst sein kann, es die Einschätzung als Krönung einer Sammlung also ein wenig einschränkt. Mir nicht bekannt, dass es für Fussel einen Lehrstuhl oder eine Fernsehsendung gibt.)

Mir ist nicht klar, welche Konsequenzen, es haben wird, aber einfach wird es nicht. Tischer will, also ist Tischer nicht aufzuhalten. Und schon gar nicht von Argumenten. Wenn ich ihm sage, der Besitzer von Riesenfussel hat Delegiertenstimmen und möglicherweise bald auch Panzer, dann ist’s nur Öl ins Feuer. Arme Panzer, ich liebe Panzer. Delegierte sind mir nicht so wichtig. Aber so Panzer haben nicht die Ausrüstung für so einen Tischer. Wenn man sie alle zusammenschweißen würde, helfen würde es nicht gegen Tischer.

Tischer ist also los, ließ sich nicht aufhalten, hat sich meinen Handrasierer geliehen und ist auf dem Weg. Und es dauert solange, wie es dauert. Ich weiß jetzt nicht, ob ich die Panzer warnen soll. Dass sie sich auf Bäume retten, einbuddeln oder als Kinderwagen tarnen können. Raten würde ich den Panzern auf jeden Fall, Abstand zu halten vom Besitzer von Riesenfussel. das könnte schon reichen.

Um den Besitzer von Riesenfussel ist’s mir wurscht. Um seine Delegiertenstimmen ebenso.

Aber gut, um des lieben Friedens willen, falls jemand ihn wirklich warnen möchte -als würde das was helfen-, hier ein Bild des Objekts von Tischers Begierde:

maxresdefault

Vielleicht dass man dem Besitzer ein Nachricht zukommen lässt, besser den Fussel rauszurücken. es gibt sicherlich in seiner Nachbarschaft einen qualifizierten Friseur, der das Schlimmste abzuwenden helfen könnte. Und wenn er es nur wegen der lieben Panzer würde machen wollen.

Szenen aus Schottland. James Leslie Mitchell. (Guggolz-Verlag)

2490b8abfca04af9146a40bfc3aca99f

Gründlich lesen soll die Maxime sein.

Mir hatte es besonders „Das Land“ angetan und da ich es zum zweiten Male lese, fällt mir auf, wie oberflächlich noch die erste Lektüre gewesen sein muss. Stellen, von denen ich wusste, ich hatte sie gelesen, erschienen mir gänzlich unbekannt.

Wie selbst bei Einsatz von Lesezeichen Vieles mit Abschluss der Seite, des Kapitels verlustig geht. Und welcher Eindruck dadurch entsteht. Und stelle mir die Frage, wie oft ein Buch bei durchschnittlicher Intelligenz zu lesen wäre, bis man an sein Ende kommt? Oder seine Mitte, denn sollte ein Buch gelesen werden, so, um bis zum Kern zu kommen, dessen, was es uns sagen wollte und nicht zwangsläufig -und damit wäre es getan- bis zur letzten Seite.

Ich hatte zunächst den Winter vermisst. In diesem Teil der „Szenen aus Schottland“ beschreibt James Leslie Mitchell seine Heimat, was Das Land ausmacht, die Erde, das Wetter, die Menschen. Er beschreibt die Jahreszeiten, das Landleben, vergleicht Szenen aus der Erinnerung mit gegenwärtigen Eindrücken, lässt auch soziale Missstände seiner Zeit nicht unerwähnt.

Und ich hatte den Winter vermisst.

Es ist dieser Essay kein Reiseführer, obwohl wer als Reisender wirklich erfahren will, die Sensationen nicht achten sollte, das Pittoreske meidet, hinter den Schauwert zu kommen versucht. Was ein Land ist, ist tief in seiner Erde.

Wer nicht fortkommt, dem mag an einer Beschreibung zweierlei wichtig sein: Präzision in der Beobachtung, sowie Empathie für den Gegenstand, wobei Präzision nicht ermüdender Fakten- und Erklärungsüberfluss bedeutet, sondern es ausdrücken zu können, was man weiß; es ist also mehr eine Stilfrage, ein Ton. Und unter Empathie verstehe ich, halte, was du weißt, in deiner Nähe, bleib bei dem, was du kennst und Dir wichtig ist.

Bei einem Autor sind mir nicht wichtig die großen Themen, die Aktualität, die Thesen, sondern der besondere Blick auf die Dinge. Ich las, Lesen biete einem die Möglichkeit, Welten zu entdecken. Tatsächlich ist’s nur die eine. Doch wer gründlich liest, schaut in diese Welt mit anderen Augen und es mag ihm also so erscheinen wie eine andere Welt.

Doch käme es auch darauf an, dass von dieser neuen Perspektive etwas bleibt. Allein es aufzuschlagen, es zu lesen, die Deckel zu schließen und schon beim nächsten zu sein, könnte nicht reichen. Ich hatte den Winter vermisst, doch in Mitchells Beschreibung stand er am Anfang. Ungenau war mein Lesen. Wenn ich die Welt so betrachte, was ist mir da bereits entgangen?

Ich will beim Lesen nicht nur Tourist sein. Ich weiß, ich kann da kein Leben einrichten. Doch warum nicht einmal länger bei einem Text verweilen? Warum diese ständigen Wechsel, von Novität zu Novität, ständig auf’s Neue zu erklimmende belletristische Höhepunkte? Das geht bisweilen so rasant, dass vor lauter Schnappatmung die Worte ausgehen und man sich nur noch stotternd auszudrücken weiß.

Natürlich aber bin ich jetzt beim Nächsten schon.

Mit James Leslie Mitchell in den „Szenen aus Schottland“ darf ich seine Welt, Das Land, erlesen und wie er nah an Lehm, Graupel und den Menschen bleibt, kommt’s auch mir nah, jede Jahreszeit, gerade so, als säße man daneben, da er es aufschreibt, auf einem Stein sitzend, rastend, während des Gangs durch Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Ich hatte meinen Winter bekommen. Ich hatte ein ganzes schottisches Jahr erhalten. Und wäre gerne noch  geblieben.

Wenn ich einmal nach Schottland kommen sollte, werde ich anderes sehen. Aber wenn ich solche Beschreibungen nur oft genug lese, so kann ich hoffen, wenigstens gelernt zu haben, genauer zu sehen.

Sonst käme mir noch mehr Welt abhanden. Und das lohnt dann die Reise nicht.

Wem Beschreibungen wie diese nicht reichen, der solle im gleichen Band auch die Erzählungen lesen. Lohnt. Einmal. Zweimal. Solange es braucht.

WMcejb8qQNSs9uu1jBaY_Cover_2016_Mitchell_RGB

James Leslie Mitchell, Szenen aus Schottland (Guggolz-Verlag)

 

 

 

 

 

Nach mir kommt lange nichts …

….es mag daran liegen, dass die Richtung eine andere ist (und ich darin irre).

Das Folgende liegt schon ein paar Tage zurück. Es ist kalt und längst ohne Belang. Oder nicht? Natürlich vielleicht. Denn warum schreibe ich sonst in Folge, ist nicht wichtig, nicht mehr wichtig, überhaupt nicht, ganz und gar nicht und verschwende trotzdem meine Zeit damit.

Literatur (sorry, dass ich mein Geschreibsel einmal so nennen möchte) ist irgendwie immer zu spät dran, von irgendwelchen ewigen Wahrheiten und Wesentlichkeiten, die sich darin wie Zecken beim Gang über eine Sommerwiese eingenistet haben, einmal abgesehen.

Als ich noch richtig sauer war heute morgen, da hätte ich schreiben sollen. Jetzt ist’s fad. (Anmerkung: „Jetzt“ war übrigens gestern, was es nicht besser macht, im Gegenteil. Also war „heute morgen“ gestern morgen und heute, wo -im Moment- noch heute ist, da ist’s schon wieder fast verraucht, also ist die Frage berechtigt, warum der ganze Schmu, so treibt’s mich nun auch nicht um. Gut möglich allerdings, dass wenn ich’s morgen wieder aufgreife und das „heute“ von heute, das „gestern“ von morgen wird, es schon wieder anders aussieht. Es wäre also lohnenswert, es entweder heute zu verschreiben oder es ganz bleiben zu lassen, bevor es sich hinzieht und weitere morgen, heute, gestern, mit und ohne Gänsefüsschen, hinzukommen, was den stärksten Ast vom Baume holt, und ich ja nur Zweige habe. Mein fester Wille also für heute: bring’s zu Ende und leb wieder. Na jedenfalls sollte jeder, der da jetzt weiterliest, wissen, dass jedes „heute“ sich auf gestern bezieht, wobei mein Jetzt ja ein anderes ist als das Jetzt dessen, der sich das antun mag und also bei einem Leser von morgen „Jetzt“ bedeutet, mit „heute“ vorgestern zu denken und nicht gestern, weil das wäre heute. Und das ist ja das, was ich meine. Kurzum: alles hat seine Zeit. Weiter im Text.)

(Anmerkung II, zwei Tage später: es könnte an den Fischstäbchen gelegen haben. Die waren schonmal besser. Und wenn man in der Hinsicht bereits enttäuscht wurde, wie ist da noch Lektüre am selben Tag zu genießen. Für alles Weitere trägt Rewe zumindest eine Mitschuld. Weiter im Text.)

Es war einmal ein sehr kleines Wesen, ein Flohbär, das wollte so gerne ein Dichter sein. Es ist bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen, dafür aber ein sehr schwerer Betonmischer. Und der erschlug den Flohbär. Tja, vielleicht hätte sich sein Traum erfüllt. Wissen kann man es nicht.

Ist doch echt schlecht, oder? Und so weiter könnte es gehen. Also entweder

usw.

oder

usf.

Was besser ist. Besser ist aber nichts davon. Ich lektoriere meistens selbst. Das kommt dabei raus. Heute morgen, im Zornesrausch sah meine Selbsteinschätzung freundlicher aus. Da hatte ich diese Eingeschnapptheit, die sich leicht einstellen kann, wenn man bereits weit über zweihundert Beiträge verfasst hat. Da las ich die letzten Kapitel von….

MB präsentiert:

marion-brasch-godot-2d-cmyk

Aber auf ihren Godot mochte ich nicht mehr warten (und muss es jetzt auch nicht mehr, denn nach 150 Seiten, da hatte ich glücklicherweise andere Termine und nicht einer davon beim Zahnarzt). Der würde mir vom Himbeergeist erzählen. Vom Reißwolf. Von Hesses Schreibmaschine. Von Popeline. Und, ganz schlimm, von aufgehängten Hunden. Ewig weiter, eine Unsinnigkeit löst die nächste ab.

Seltsame Verbindung kurzweilig-langweilig.

Würde mir das alles, was stattdessen „MB präsentiert“ vorab so freundlich war, auszuplaudern, nun also Godot erzählen, dass darin die Gründe seiner Verspätung lägen, lauter Räuberpistolen, so würde ich denken, Ladehemmung, zündet nicht. Wahrscheinlich würde ich ihn gar nicht zu Wort kommen lassen sondern einfach verdreschen, auf’s Übelste vermöbeln. Meine Geduld hat Grenzen.

Literatur soll das Beste im Menschen fördern. Ein weiteres Kapitel billigste Ausreden aber und ich vergesse meine Kinderstube. Ich hatte darin eine Carrera-Rennbahn und ein Autoparkhaus aus Plastik. Ich weiß nicht wo Beides hin ist.

Das Schlimmste an solchen Büchern jedoch, und irgendwann passiert das Jedem, wenn er ehrlich ist, ist dieser Gedanke, das könnte ich besser. Dankbar müsste man geradezu dem Autor sein, denn man hätte sein Sujet gefunden, seinen Stil. Denn so aufgebracht man ist, da spricht die Wahrheit aus einem. Es ist die eigene, aber das ist ja egal.

Jeder Leser will einmal selbst ans Ruder. Ist doch normal. Wenigstens einmal wollte ich es sagen, meine Stimmung heute morgen war danach, lasst mich mal machen,

Eine Stimmung, die mittlerweile Gras von gestern ist. Allerdings ein Körnchen im Schuh, das ist geblieben. Und nachdem’s mit dem Singen nichts wird, lest selbst und stellt euch das Hören vor (nach einer Ralph-Siegel-Meldoie):

dum-di-dum, ich hab nicht viel außer…
dum di rum….meinem Sex-Appeal

Ich: Und? Er (ESC-Experte): Lass mal. Ich: Schreibe ich besser? Er (ESC-Experte): Ich bin nur ESC-Experte. Ich: Frage ich jemand anders? Er (ESC-Experte): Besser.

Singe ich also nicht auf der Krim im nächsten Jahr. Bliebe das hier. Und vielleicht komme ich zu einem Niveau, das zur Teilnahme bei einer ESC-artigen Veranstaltung, nur eben literarisch, berechtigt.

In jedem Fall hege ich gerade mit mir, ob ich Rezensent bleiben oder ein mittelbegabter Selbstschreiber werden will. Es pendelt gerade.

Ocean one

Es war einmal einer, der war ziemlich faul. Nennen wir ihn Herr Hund (denn mir einen lustigen Namen auszudenken, dafür bin ich nun zu faul). Dieser Herr Hund hatte zwei Leidenschaften: Mikado und Kunstraub. Früher waren es sogar drei. Da liebte er es, Goldfischgläser zu sammeln. Aber nachdem man ihm sagte, die gäbe es nur noch mit Goldfisch, da ließ er es bleiben.

Dieser Herr Hund war so faul, wenn er es mit BringmaldenMüllrunter zu tun bekam, wurde er sofort krank. Dann hatte er Migräne, Fusspilz oder Sonstetwasinderart. Kleiner Tipp von mir: gegen Sonstetwasinderart helfen kalte Umschläge und warmes Spezi. Ein gutes Mittel ist auch, wenn ein anderer den Müll runterbringt.

Herr Hund also verließ im Grunde nie sein Haus. Die Mikadostäbchen ließ er sich vom Mikadostäbchenbringdienst nach Hause bringen. Wer Interesse hat, soll sich melden, ich hab die Nummer.

Mit dem Kunstraub war es da schon schwieriger. Und viel Zeit war nicht mehr, denn schon am Ende dieses Beitrags wollte Herr Hund der weltgrößte Kunsträuber aller Zeiten sein. Länger zu warten, wäre ihm zu anstrengend gewesen. Er hatte den Plan, die Sixtinische Kapelle zu stehlen. Doch die hat Ausmaße, ist viel zu schwer und in die Straßenbahn darf man die nicht mitnehmen, nur Kinderwägen, Fahrräder und große Hunde. In Lüdenscheid allerdings, da darf man Sixtinische Kapellen mitnehmen. Dafür aber keine großen Hunde. Da Herr Hund aber nicht in Lüdenscheid wohnte, kam das nicht in Frage. Da er also nicht in Lüdenscheid wohnte, musste er sich etwas anderes ausdenken, was die japanische Touristen sehr erfreute, weil die sixtinische Kapelle an ihrem Platz blieb, nicht aber die japanischen Touristen, die dachten, die sixtinische Kapelle wäre in Lüdenscheid. Hier hätte auch Herr Hund geirrt, aber da er es sich anders überlegte, war’s egal.

Sein Plan kam ihm beim Scrollen, da er feststellte, die Welt kommt heute zu einem, man muss sich nicht mehr die Füße platttreten, will man in der weiten Welt sich eine Kunst ansehen (es sei denn, man ist japanischer Tourist und nicht in Lüdenscheid, wo man keine Kunst findet, oder doch schon, aber sie nicht erkennt, weil sie im Reiseführer von Rom nicht abgebildet ist) oder, wie Herr Hund es vorhatte, stehlen. Also beim Scrollen da reifte in ihm der Plan wie ein schöner noch grüner Apfel, wobei ihm noch ein weiterer Gedanke kam, er müsste mal wieder zum Zahnarzt, der zwar zur Welt gehört, aber sich davon ausnimmt, zu einem nach Hause zu kommen, so dass Herr Hund bei diesem Gedanken sehr ins Schwitzen kam und deshalb schnell weiterdachte, denn es waren nur noch ein paar Zeilen für seinen Raub übrig und seine Weltbekanntheit.

Er scrollte also, entdeckte einen älteren Beitrag eines digitalen Freundes von ihm, ich will ihn einmal den Versteckten Poeten nennen, und stahl ihm einfach ein Bild und das hängte er hier hin:

2016-03-30-14-10-59

Aber so recht, weil lange, konnte er sich nicht freuen, weil das bringmaldenmüllrunter sich meldete und Herr Hund nun sich schnell überlegen musste, welche Krankheit es an diesem Tag sein sollte. Er entschied sich für Fusspilz.

Das war die Geschichte von Herr Hunds erstem Kunstraub, dem Beginn seiner Weltbekanntheit, in deren Verlauf auch die sixtinische Kapelle dran zu glauben hatte. Es steht geschrieben und damit ist’s amtlich. Ich lass da auch nicht mehr mit mir reden. Und wenn mir Japan deswegen den Krieg erklären sollte.