Mir fremd…

Die Unzugänglichkeit, die in mir liegt. Manchmal sehe ich mich nicht in der Lage, zu verstehen, dass ich sagen könnte, es ist gut oder es ist schlecht. Dann bin ich kalt und fremd. Dann gehe ich etwa aus einem Buch heraus und es ist bereits vergangen. Dann sind da keine weiteren neuen Fragen, die so wichtig sein sollen. Und ich bin vor allen Dingen kein Anderer; es hat mich -Großes Wort- nicht verändert.

Wenn einem Literatur die (unveränderliche) Fremde vor Augen führen kann, dann auch die eigene. Mir egal, was geht es mich an, Leere und Gleichgültigkeit, die blinde Stelle, der weiße Fleck, das Vakuum.

Es kann doch nicht sein, darf nicht sein, dass einem die Worte fehlen. Es gibt Bücher, man liest sie, sie berühren einen, man ist keine Minute gelangweilt, kleinlich wäre es, die paar wenigen schwachen Stellen zu erwähnen, und kaum klappt man es zu, kurz, nachdem man noch mit dem Helden mitgefiebert hat, da ist’s nur noch ein Rauschen.

Ja, da wären Schlagworte, an die man sich halten könnte und ich könnte jetzt schwadronieren über den Autoren, über Lebensumstände, historische oder politische Hintergründe und vielleicht ziemlich überzeugend sogar das Werk an seine Stelle setzen: es verlinken und dann hat es seinen Platz, findet seinen Leser, der mehr für sich wird damit anfangen können, als ich selbst.

Es hat schon stärkere Bücher gegeben als dieses und ich habe sie trotzdem alle vergessen. Irgendwie nicht will ich nur Bücher lesen, um darüber sprechen zu können. Irgendwie erwarte ich -das ist mein persönlicher Wunsch- von einem Buch auch Zaubersprüche. Und ich lese sie mir vor und öffne mich; es verändert sich etwas. Es ist mein Bedürfnis um die Tilgung dieser weißen Flecken in mir – Selbsterkenntnis.

Und nicht nur, dass ich mit Wissen nun daherstolzieren kann, als verstünde ich damit mehr.

Ein Buch wie dieses hat den Wert, sich der eigenen Sprachlosigkeit bewusst zu werden, wenn es sicherlich dessen Intention nicht gewesen sein kann; es ergab sich nur aus meiner Lektüre. Dass nichts zu sagen ist außer Gerede, ist nicht immer dem Buch anzulasten.

Die Lektüre eines anderen ist wahrscheinlich eine treffendere, verständnisvollere, eine objektive.

Ich bin derjenige nicht. Irgendwann? Vielleicht. Warum sollte es nicht so sein, dass man sich ein zweites Mal begegnet, dann weniger fremd einander.

Das Buch: Rodrigo Rey Rosa – Die Gehörlosen (Septime-Verlag)

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3 Gedanken zu “Mir fremd…

    • Wie Sie es sagen, wenn es schweigt vor lauter Stimmen und Klingen. Aber in diesem Fall ist’s anders gewesen: ich las es, war bewegt, solange ich es las, aber dann fiel mir nichts dazu ein und eigentlich (ganz bescheiden) fällt mir immer etwas ein. Und es hatte ja diese Elemente, die mich interessieren. Und an der Ausarbeitung war in großen Teilen nichts auszusetzen. Aber es klang nichts nach. Und frage mich, warum’s so ist.

  1. Ich danke Dir dafür, daß Du es aussprichst, das mit den Zaubersprüchen…ja, ich erwarte sie mir auch. Ja, und das mit der fremden und der eigenen Fremde, ja,das sehe ich auch so…ist mir sehr nahegekommen, Dein Text, hab ihn gerne gelesen. Ich grüß Dich, Herr Hund.

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