Nach mir kommt lange nichts …

….es mag daran liegen, dass die Richtung eine andere ist (und ich darin irre).

Das Folgende liegt schon ein paar Tage zurück. Es ist kalt und längst ohne Belang. Oder nicht? Natürlich vielleicht. Denn warum schreibe ich sonst in Folge, ist nicht wichtig, nicht mehr wichtig, überhaupt nicht, ganz und gar nicht und verschwende trotzdem meine Zeit damit.

Literatur (sorry, dass ich mein Geschreibsel einmal so nennen möchte) ist irgendwie immer zu spät dran, von irgendwelchen ewigen Wahrheiten und Wesentlichkeiten, die sich darin wie Zecken beim Gang über eine Sommerwiese eingenistet haben, einmal abgesehen.

Als ich noch richtig sauer war heute morgen, da hätte ich schreiben sollen. Jetzt ist’s fad. (Anmerkung: „Jetzt“ war übrigens gestern, was es nicht besser macht, im Gegenteil. Also war „heute morgen“ gestern morgen und heute, wo -im Moment- noch heute ist, da ist’s schon wieder fast verraucht, also ist die Frage berechtigt, warum der ganze Schmu, so treibt’s mich nun auch nicht um. Gut möglich allerdings, dass wenn ich’s morgen wieder aufgreife und das „heute“ von heute, das „gestern“ von morgen wird, es schon wieder anders aussieht. Es wäre also lohnenswert, es entweder heute zu verschreiben oder es ganz bleiben zu lassen, bevor es sich hinzieht und weitere morgen, heute, gestern, mit und ohne Gänsefüsschen, hinzukommen, was den stärksten Ast vom Baume holt, und ich ja nur Zweige habe. Mein fester Wille also für heute: bring’s zu Ende und leb wieder. Na jedenfalls sollte jeder, der da jetzt weiterliest, wissen, dass jedes „heute“ sich auf gestern bezieht, wobei mein Jetzt ja ein anderes ist als das Jetzt dessen, der sich das antun mag und also bei einem Leser von morgen „Jetzt“ bedeutet, mit „heute“ vorgestern zu denken und nicht gestern, weil das wäre heute. Und das ist ja das, was ich meine. Kurzum: alles hat seine Zeit. Weiter im Text.)

(Anmerkung II, zwei Tage später: es könnte an den Fischstäbchen gelegen haben. Die waren schonmal besser. Und wenn man in der Hinsicht bereits enttäuscht wurde, wie ist da noch Lektüre am selben Tag zu genießen. Für alles Weitere trägt Rewe zumindest eine Mitschuld. Weiter im Text.)

Es war einmal ein sehr kleines Wesen, ein Flohbär, das wollte so gerne ein Dichter sein. Es ist bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen, dafür aber ein sehr schwerer Betonmischer. Und der erschlug den Flohbär. Tja, vielleicht hätte sich sein Traum erfüllt. Wissen kann man es nicht.

Ist doch echt schlecht, oder? Und so weiter könnte es gehen. Also entweder

usw.

oder

usf.

Was besser ist. Besser ist aber nichts davon. Ich lektoriere meistens selbst. Das kommt dabei raus. Heute morgen, im Zornesrausch sah meine Selbsteinschätzung freundlicher aus. Da hatte ich diese Eingeschnapptheit, die sich leicht einstellen kann, wenn man bereits weit über zweihundert Beiträge verfasst hat. Da las ich die letzten Kapitel von….

MB präsentiert:

marion-brasch-godot-2d-cmyk

Aber auf ihren Godot mochte ich nicht mehr warten (und muss es jetzt auch nicht mehr, denn nach 150 Seiten, da hatte ich glücklicherweise andere Termine und nicht einer davon beim Zahnarzt). Der würde mir vom Himbeergeist erzählen. Vom Reißwolf. Von Hesses Schreibmaschine. Von Popeline. Und, ganz schlimm, von aufgehängten Hunden. Ewig weiter, eine Unsinnigkeit löst die nächste ab.

Seltsame Verbindung kurzweilig-langweilig.

Würde mir das alles, was stattdessen „MB präsentiert“ vorab so freundlich war, auszuplaudern, nun also Godot erzählen, dass darin die Gründe seiner Verspätung lägen, lauter Räuberpistolen, so würde ich denken, Ladehemmung, zündet nicht. Wahrscheinlich würde ich ihn gar nicht zu Wort kommen lassen sondern einfach verdreschen, auf’s Übelste vermöbeln. Meine Geduld hat Grenzen.

Literatur soll das Beste im Menschen fördern. Ein weiteres Kapitel billigste Ausreden aber und ich vergesse meine Kinderstube. Ich hatte darin eine Carrera-Rennbahn und ein Autoparkhaus aus Plastik. Ich weiß nicht wo Beides hin ist.

Das Schlimmste an solchen Büchern jedoch, und irgendwann passiert das Jedem, wenn er ehrlich ist, ist dieser Gedanke, das könnte ich besser. Dankbar müsste man geradezu dem Autor sein, denn man hätte sein Sujet gefunden, seinen Stil. Denn so aufgebracht man ist, da spricht die Wahrheit aus einem. Es ist die eigene, aber das ist ja egal.

Jeder Leser will einmal selbst ans Ruder. Ist doch normal. Wenigstens einmal wollte ich es sagen, meine Stimmung heute morgen war danach, lasst mich mal machen,

Eine Stimmung, die mittlerweile Gras von gestern ist. Allerdings ein Körnchen im Schuh, das ist geblieben. Und nachdem’s mit dem Singen nichts wird, lest selbst und stellt euch das Hören vor (nach einer Ralph-Siegel-Meldoie):

dum-di-dum, ich hab nicht viel außer…
dum di rum….meinem Sex-Appeal

Ich: Und? Er (ESC-Experte): Lass mal. Ich: Schreibe ich besser? Er (ESC-Experte): Ich bin nur ESC-Experte. Ich: Frage ich jemand anders? Er (ESC-Experte): Besser.

Singe ich also nicht auf der Krim im nächsten Jahr. Bliebe das hier. Und vielleicht komme ich zu einem Niveau, das zur Teilnahme bei einer ESC-artigen Veranstaltung, nur eben literarisch, berechtigt.

In jedem Fall hege ich gerade mit mir, ob ich Rezensent bleiben oder ein mittelbegabter Selbstschreiber werden will. Es pendelt gerade.

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2 Gedanken zu “Nach mir kommt lange nichts …

  1. Einmal lesen, ein zweites Mal ohne Einschübe. Dem Gefühl nachgespürt, obgleich nicht nur die Spur erkaltet ist bzw. war. Angeblich. Nicht immer Literatur, in der Art der Betrachtung jedoch Poesie.

  2. Pingback: Joshua Groß, Hannah Gebauer / Faunenschnitt / Starfruit | hundstrüffel

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