Alle Literatur ist Fragment…

 

…alle Auslegung, jedes Verständnis unvollständig; es bleibt spannend, es erschöpft sich nicht. Literatur (Kunst) ist immer mehr, als wir wissen. Sie ist das Blair Witch Projekt, Zittern und Heulen im dunklen Wald.

img_0773

Seltsame Gedanken, kamen mir gegen Ende einer ziemlichen Surrealität. der Speichel floss ungehemmter. Dagegen immer widerspenstiger die vorzutragenden Worte. In den leeren Raum hinein las ich Serbes‘ „Fragmente“. Bequem der gelbe Sessel, zwei Stehlampen für gutes Licht, Keks und Wasser auf kleinem Beistelltisch. Die Wegmarken meines Vortrags stellte ich ins Netz, #fragmentelesen. Acht Stunden lang und am Folgetag noch zwei, ein paar Pausen, eine für den Wochenendeinkauf, Käse, Wurst und Gurken.

Wenn man liest, liest man gegen die Leere an. Man wünscht sich sehr, in dieser Leere würden sich die Worte verfangen. Dem ist meist nicht so.

Am Ende, am Schluss der letzten Erzählung Galip Ishani  stand der Satz

„Du konntest mich nicht erklären.“

Jedem Buch -sicherlich ungerechterweise- könnte ich diesen Vorwurf machen. Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen. Ich verwende es für mich. Aber letzten Endes ist jedes gottverdammte Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, im ersten Moment, in dem man es auf sich verwendet, bestimmt.

Trotzdem es also in diesem anderen Zusammenhang nicht stimmen mag, denke ich doch darüber nach, dass keines der Bücher, die ich jemals gelesen habe, mich erklären konnte. Dabei bin ich mutmaßlich einfach gestrickt.

Dass die Sehnsucht nach einer Erklärung doch nie endet, nie aber enden soll.

Als ich laut las und nur ein leerer Raum um mich herum, ahnte ich zumindest, dass da eine  gewisser Starrsinn bei mir ist und ich es mir mit Büchern nicht leicht machen kann. Bei allem schönen Sinn ist immer ein Grimmen und Zähnefletschen dabei, irgendwo anzukommen mit dem ganzen Tun.

Und dann nie mehr lesen zu müssen, weil keine Fragen mehr sind. Und keine Leere mehr.

Was wäre das furchtbar. Nie mehr lesen zu müssen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Alle Literatur ist Fragment…

  1. für mich ist das Lesen nie ein Muß, ich würde sagen „nie mehr lesen zu dürfen das wäre furchtbar!“
    Wir können fremde Texte nicht vollständig entschlüsseln, sie sind nicht unserer Feder entsprungen, insofern hinterlassen sie immer auch eine Leere.Mit Gelassenheit ans Lesen herangehen wie dieser alte Chinese:

    Auf ein Buch gebeugt

    Es ist noch früh im Jahr.
    Die Gräser steigen
    In Silberbüscheln zum Gezweig ums Haus.
    Das Buch der Landschaft les ich nimmer aus.
    Zehntausend Strophen weiß die Drossel.
    Schweigen.
    Am Abend dann.
    Der Acker ist gepflügt.
    Ein andres Buch hat mich hinabgenommen.
    Ein Wagen hält.
    Ein Freund ist angekommen.
    Ein Buch. Ein Freund. Ein Acker.
    Das genügt.
    Den Wein, den wir nun langsam trinken wollen,
    Das Brot, die Früchte hab ich selbst gebaut
    Und oft nach einem Regen ausgeschaut.
    Ein Windhauch.
    Kühle.
    Ferne Donner rollen.
    Es ruft das Buch uns alte Zeiten her,
    Da wir die alten Seiten leise wenden,
    Und langsam lesen wir so die Legendenvon Berg und Fluß.
    Mein Freund, was willst du mehr?

    Tao Yuanming ( 365-427)

    Lieber Abendgruß vom kalten Dach
    Karin

  2. Iß, mein Pelz, iß!
    Der Hodscha ist zu einem Bankett eingeladen. Er trägt sein Alltagsgewand und wird von niemandem beachtet. Das macht ihn betroffen. Er eilt nach Hause, wirft seinen prächtigen Pelzmantel um und kehrt zu der Festgesellschaft zurück. Schon am Eingang wird er in Empfang genommen und zu einem Podest geführt, wo man ihm den besten Platz zuweist. Als die Suppe serviert wird, tunkt der Hodscha das Revers seines Mantels in die Schüssel und sagt: »Bitte, bedien Dich. Iß, mein Pelz, iß, mein Pelz!«

    Den erstaunten Gästen aber erklärt er:

    »Die Ehre gilt ja doch dem Pelz, soll der auch das Essen haben!«

    Nun, nu Herr Hund…das gibt sich. Sag mir doch bitte lieber…wo ich das schlaue Büchlein herbekomme;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s