XXXII. Extremlesen ODER Horrorclowns sind Luschen

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ , Schiller (Dichter, Schwabe, Lusche)

Ich verstehe Halloween nicht. Ich verstehe das Konzept nicht. Ich fühlte mich auch nicht bedroht von diesem Dreikäsehoch-Sith, der da vor mir stand mit seinem Plastiklaserschwert. Obwohl es unangenehm hätte werden können, inmitten des Süßwarenladens, in dem ich stand. Süßes? Jede Menge. Saures? Möge die Macht -und diese Schokolade mit knappem MHD- mit Dir sein, aber jetzt raus.

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Ein Horrorclown war nicht dabei. Was hätten wir gelacht. Für uns kommt nach Tischer lange nichts. Tischer macht nicht Angst. Es ist eher das Gefühl von Machtlosigkeit. Angst verfliegt, es ist nur eine Maske. Die Machtlosigkeit bleibt. Man, frau, es heißt, sich abzufinden. Halloween, das wahre, das wäre ein von Tür zu Tür von Tischer, „Süßes egal, auf jeden Fall Saures.“

Ein Horrorclown mit Tischer ein halbes Minütchen allein in der Besenkammer, ein Wiener Sängerknabe würde nicht heller nach seiner Mami singen. Der Mensch ist meist nicht besonders mutig. Er sucht eine Unterlegenheit und dahin zielt sein Spass. Erbärmlich.  An Tischer, da kannst du lange suchen. Vorher aber hat er dich gefunden. So läuft das Spiel. Das echte Spiel. Für Über-Mutige. Stell Dich dem Unausweichlichen. Arrangiere Dich. Das ist nichts, was auf einen Tag fällt oder nur neunzig Minuten dauert. Es ist eine Entscheidung für’s Leben, wenn Du Dich auf einen Tischer einlässt.

Ich habe dieses Buch begonnen, war zunächst amüsiert, was sich die Menschen alles einfallen lassen. Ihre Langeweile treibt Blüten der seltsamsten Art. Vieles nicht von Dauer. Dann fällt mir die feige Grausamkeit ins Auge: Bärenhatz, Löwenhatz, alle möglichen Tier, die auf kreativste Weise gequält und zu Tode gebracht werden. Heute gibt es Fussballstadien und Legebatterien. Der Mensch hält es nicht lange aus, ohne irgendwie es ausleben zu können.

Meine aktuelle Sportart ist das Extremlesen. Nicht dass es mich fitter würde werden lassen, noch meine Lebenserwartung deswegen steigen würde. Allein, es stärkt die Nerven, rede ich mir zumindest ein, da ich mit Tischer leben muss und starke Nerven nicht die schlechteste Voraussetzung dafür sind. Es wäre auch zu nennen „Die Tischerhatz“, nur dass die Rollen vertauscht sind, wo ich auch hinwill, ist er schon da und besonders wenn ich mich in Lektüre (lohnenswert? ja, kommt man an ein Ende, des Satzes, der Seite oder irgendwo sonsthin) vertiefen möchte, ist da diese gestreifte Aufmerksamkeit, die mir alle nimmt, weil sie Meiner bedarf und ich also für irgendwelche kleinen oder großen Aventiuren herhalten muss.

Les‘ da mal, wie es sich gehört. Ich bin noch Amateur, lege das Buch also nach kurzer Zeit zur Seite, wende mich untertänigst und geschlagen seinem Befinden zu, mir meiner Luschenhaftigkeit bewusst und füge mich. Mein Gott, ich bin ein erwachsener und kultivierter Mann, doch wenn ich mir einen Tischer ins Haus hole, wer ist dann selber schuld … Genau.

Aber ich liebe ihn. Möge die Ohnmacht mit mir sein.

enzyklopaedie

Enzyklopädie der vergessenen Sportarten, Edward Brooke-Hitching (Liebeskind Verlag)

(Empfehlenswerte Lektüre. Dass die „Tischerhatz“ nicht erwähnt wird, versteht sich, weil die Partie noch im Gange ist, steht der Sieger auch fest)

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7 Gedanken zu “XXXII. Extremlesen ODER Horrorclowns sind Luschen

    • Wichtig wäre zu wissen, was Tischer mit „Lusche“ meint, ich glaube, „Lusche“ meint für Tischer „Nicht-Tischer“, wobei er’s nicht so philosophisch meinen würde, sondern eher so aus dem Bauch heraus. Im Übrigen ist „Lusche“ ein sehr sprunghafter Begriff und folgt da Tischers Laune, mal so, mal anders, auf jeden Fall aber meint es, „unter Tischers Würde und Weltanschauung“.

  1. Hätte er geschwiegen, wär Tischer ein Philosohh geblieben. Wer verwendet übrigens das Wort „Lusche“: Herr Tischer oder Herr Hund? Mir jedenfalls sind Philosophen suspekt, die sich von der einen Ungereimtheit in die nächste flüchten .. LG PP

    PS: Verzeihen Sie den Besuch nach so langer Zeit, aber ich wollte mal schauen, ob das pseudovornehme und verbildete Getue auf gewissen Blogs inzwischen nachgelassen hat. Aber warhscheinlich fehlt mir einfach der passende Humor. „Einfach“ mag das Schlüsselwort sein: Ich bin einfach zu einfach für diese hohe Kultur, die hier herrscht und die man schon riecht, wenn man nur sieht, wer hier alles kommentiert .. Aber ein wenig Lachen gestatte ich mir schon, wenn ich schon hier bin .. ^^

    • Gelten die Seitenhiebe mir („gewisse Blogs“, „Ungereimtheiten“ etc.), dann kann ich nur sagen: zu Recht. Auf Tischer lasse ich allerdings nichts kommen. Säbel oder Pistolen?

      • Ich täte es nur mit Pistäbeln oder so. Noch besser wäre, kurz vorher in Ohnmacht fallen. Ansonsten hätte man doch nur Schererreien. Hinterher, meine ich.

  2. Pingback: Mein Liebster Monsieur. | Text, Books, Rock'n'Roll: Der Autoren-Blog von Sabine Wirsching.

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