Ich, meine Lust und ein viel zu kleines Boot

Es gibt durchaus Erkenntnisse, die nicht zu spät kommen. Mir zum Beispiel heute beim Gespräch mit einem ausgesprochenen A.Schmidt-Kenner. Ich nehme es lediglich an, dass er ein Kenner ist, denn ich bin es nicht. Und dass ich keiner bin war der erste Gedanke, als ich ihm zuhörte. Und dass ich kein Kenner von vielen Dingen bin, war ein weiterer Gedanke irgendwo dazwischen. Zuletzt dachte ich nur, ich weiß eigentlich überhaupt nichts. Dass ich morgens alleine meine Schuhe zubinden kann, nun, ich glaube nicht an Wunder, aber so müsste es ausschauen.

Da ist aber meine Lust, die ist wie ein großer Sack ausgehungerter Marder, die, einmal aufgemacht der Sack und losgelassen, in alle möglichen Richtungen, weil irgendwas zum Nagen findet sich meist. Ich würde es nicht immer als sehr ausgesucht bezeichnen, was an Beute oder Überresten davon herangeschleppt wird; gleichviel, der Hunger bleibt.

Ich habe noch die besten Jahre vor mir, ich möchte sie nicht verschwenden. Ich möchte es in Folge richtig machen. Ich beginne also ganz von vorne. Was heute falsch gemacht wurde, hat seinen Grund in der Erziehung. Brav lege ich also die Bücher, bislang zu unverdauten Stapeln angesammelt, beiseite und nehme mir ein Buch vor, das mir gerade nun sehr angemessen erscheint und mir zusagt,

erstens, weil es schmal ist und nur zu schmaler Lektüre sich im Moment Zeit findet
zweitens, weil die Bilder, die es hat, die Lektüre unglaublich erleichtern; ich weiß dann doch immer, worum es geht
drittens aber, weil ich Bären und Boote liebe. Und Pfannenkuchen. Bären und Boote kommen in dem Buch vor, Pfannenkuchen nicht. Nur falls das einer liest und ein Herz hat, schickt er mir einen, einen Pfannenkuchen. Mit Mus. Danke.

Ich lese also gerade „Der kleine Bär und sein kleines Boot“.

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Wäre mir nur schon früher so ein Buch in die Hände gefallen, ich hätte erst, wenn’s von den Proportionen her passt, mir die Brocken vorgenommen. Glück ist, Augenblick und Lage richtig einzuschätzen und mit seinen Bedürfnissen und Talenten mitzuwachsen. Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir, bestimmt. Sie werden mir besser sitzen als die letzten, wie angegossen. Und nach angemessener Lehrzeit und ein weiteres Mal Schulbankdrücken, werde ich mir die Brocken vornehmen, oder auch nicht, weil ich Besseres zu tun habe. Angeln. Oder Pfannenkuchen backen. Oder Nasebohren. Es kommt, wie’s kommt.

Und nur, um sicherzugehen, aber erst, wenn er an der Zeit ist, den „großen Bären“. (Zwei Bücher, bei denen jedes für sich schon größer als mein Kopf ist)

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A.Schmidt muss also warten.

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5 Gedanken zu “Ich, meine Lust und ein viel zu kleines Boot

  1. „Es gibt durchaus Erkenntnisse, die nicht zu spät kommen.“ Dieser Satz ist so klar und so wahr. Schon allein dafür verdienen Sie Lob.

  2. Manche kommen auf den Hund, wobei das nicht persönlich gemeint ist, obwohl… bei Hundstrüffeln bin ich auf den Geschmack gekommen -:))), andere auf den Bären und wenn man(n)/frau dann eine leidenschaftliche Liebe zu ihnen entwickelt und auf der Suche nach weiterer Bärenlektüre ist, dann muß Arno Schmidt noch lange warten, denn es gibt zauberhafte alte und neue Bücher dazu. Der Schwarzgestreifte möchte bitte nicht eifersüchtig werden, auch zu ihm gibt es ergötzliche Lektüre, sogar von seinem Besitzer -:)))
    Da stellt sich jetzt wieder die Frage nach der sinnvollen Ordnung im Bücherregal: nach Viechern oder Autoren oder großen Viechern unter ihnen? -:)))
    Die Erkenntnis, nie jemals alles lesen zu können, was man möchte, müßte, sollte, ist in meinem Alter noch schwerer zu verkraften, als in Ihrem noch so jungem Leben! -:))) seufffzzz
    Anbei der gewünschte Pfannenkuchen -:)))

    Mit herzlichen Abendgrüßen in die Vorweihnachtswoche Karin vom Dach in Hanau

  3. „dass ich kein Kenner von vielen Dingen bin, war ein weiterer Gedanke irgendwo dazwischen.“ Auch für diesen Satz, für dieses wunderbare Understatement gebührt Ihnen Lob.

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