Herr Hund macht Häufchen

Wenn die Zeit (genug davon) gekommen ist, mache ich Häufchen. Doch bevor der Gedankengang des Lesers dieser Zeilen ins Abartige rutscht -schämen Sie sich!-, sei er darüber einmal aufgeklärt, dass mir in Bezug auf Bücher das Wort „Häufchen“ passender erscheint, weil poetischer, als das meist verwendete Wort „Stapel“. Das klingt nach Aktenberg und Amt, nach Lagerlogistik und Supermarkt. „Häufchen“ hat dagegen etwas Natürliches an sich, etwas Verspielt-Kindliches und es lässt sich gut dabei eine Menge an Laub vorstellen, bunte Blätter, in die, zusammengebracht, man mit allergrößter Lust springen möchte – wer das noch kann und sich dessen nicht schämt.

Es bleibt vor allen Dingen unverbindlich, nichtsdestotrotz mit einem Ernst verbunden, wie man ihn nur findet, wenn man richtig zu spielen versteht.

Was mir zugegebenermaßen selbst nicht immer gelingt. Viel Kind ist in mir, ebenso aber auch ein braver deutscher Sachbearbeiter. Schön deshalb, die Freude groß, die Mühe klein, wenn ein Anderer sich meiner erbarmt und mir die Häufchen bereitet, da ich dann nur springen muss und tollen und nicht mit Vernunft und Sachverstand erst auswählen; ich habe diesbezüglich schon oft mein Fräulein gequält. Auch weil ich wie der bekannte Esel zu keiner Entscheidung fähig sie mit größter Dringlichkeit und ständig neuen Erwägungen angefleht habe, sie möge mir diese Entscheidung bitte abnehmen. Wobei zu sagen ist, dass oft genug ich mich über diese Entscheidung hinweggesetzt einfach ins nächstbeste Buch gestürzt habe, ohne dass ich dafür Gründe angeben könnte, doch bin ich mir sicher, es war nicht Trotz.

Es ist schlimmer geworden, die Zahl an möglichen Häufchen sind um ein Vielfaches angewachsen, die Gründe, (das Richtige) lesen zu müssen, haben sich mindestens verdoppelt, gleichzeitig hat sich aber die Zeit, da ich mich einfach hineinstürzen könnte, mit Sinn, erheblich reduziert. Ich sehe mich von meinem Vorhaben noch vom Sommer weiter entfernt als jemals, die internationale Elite im Viellesen konnte ihren Abstand sogar vergrößern.

Reporter: Herr Hund, Sie sind mit dem Anspruch in die Saison gegangen, aufzuschließen, mit dem ein oder anderen Buch sogar aufhorchen zu lassen. Sehen Sie Ihre Ziele erreicht?
Herr Hund: Weder noch. Das Gegenteil ist eingetreten.
Reporter: Aber Sie haben durchaus die ein oder andere Neuerscheinung….
Herr Hund: …aber selten mit dem Ergebnis, dass ich hätte zufrieden sein können. Es wäre normal, jetzt das gesamte Trainerteam und das Management auszutauschen, das Problem ist aber, ich lese schon immer allein. Da ist kein anderer, nur ich.
Reporter: Was wollen Sie machen?
Herr Hund: Ich schau mir das jetzt noch bis Saisonende an. Zum Glück bin ich Amateurleser und muss nicht davon leben. Im Sommer jedoch werde ich bilanzieren und falls es einfach nicht reicht, dann …… ich töpfere zum Beispiel sehr gern, vielleicht kann sich da was entwickeln.

(Falls Sie das komplette Interview lesen wollen, überweisen Sie monatlich meine Lebenshaltungskosten mit dem Kennwort „Mehrvonherrhundweilsonstmachtdaslebenkeinensinn“ an Volksbank Lüdenscheid, IBANDE12345000000000000)

Druck Druck Druck, der Gedanke, dass man kein Schnellkochtopf ist, lässt sich nicht einfach austreiben.

Jetzt ist Winterpause, in der Woche von 01.01.2017 bis 08.01.2017 bin ich im Trainingslager  auf Usedom. Und für dieses Lager habe ich dieses Mal selbst ein paar Häufchen vorbereitet. Eines davon würde ich mitnehmen. In einem davon würde ich mich austoben. Ansonsten die Möwen am Strand ärgern und an Fischbrötchen knabbern. Wenn es mir gelingt, gestärkt aus den Trainingseinheiten zu kommen oder aber endlich diesen ganzen Quatsch bleiben zu lassen und einfach nach meiner Natur herumzutollen, denn letztlich kommt es nicht darauf an, irgendeinem Standard zu entsprechen, dem derer, die nie Ich sagen, sowie derer, die gescheit sind, aber es nur „als Hobby“ betrachten, denn passen muss  es zu einem selbst, zu dem tief tief drinnen. Da ist ein Ich, aber doch auch ein wenig mehr.

Meine Häufchen sind, wie folgt – gerne nehme ich hier Empfehlungen entgegen, wenn auch nicht verbindlich:

A. Internationales Häufchen I 

img_0999

B. Amerikanisches Häufchen:

IMG_1001.jpg

C.Deutschsprachiges Häufchen:

img_1003

D.Japanisches Häufchen:

img_1004

E.Französisches Häufchen (+ vorbereitende und begleitende Lektüre):

img_1005

F.Internationales Häufchen II:

img_1008

Und G. Nichts davon und lieber ein paar Comics und ansonsten mit dem Gestreiften auf Aventiure gehen.

Also? Was soll ich lesen? Soll ich lesen? Warum?

Advertisements

7 Gedanken zu “Herr Hund macht Häufchen

  1. Passend zur Herrn Hund schlage ich als Start Die Welpen vor, habe zwar keine Ahnung was drinsteht, aber sicher gibt es dort Tipps zur Häufchenerziehung🤗sei es deren Beseitigung, Vermeidung oder oder.
    Das ist ja eine Jahresleseliste und soll alles in der kurzen Urlaubszeit durchhauft werden? Das gibt entweder Blätterdurchfall , Titelverstopfung oder ähnliche Malaisen . Nichtsdestotrotz wünsche ich wohlverdiente Tollereien mit viel Auslauf am Strand und möge kein Elefant im Vorgarten stehen. Ein solcher hat mir als Postbote meine schönste Karte zu Weihnachten in den Briefkasten gelegt 😊haufenweise liebe Grüsse an die Baldurlauber vom Dach in Hanau Karin

  2. Lieber Herr Hund,
    Ihre Überlegungen zum Begriffspaar Häufchen und Stapel gefallen mir sehr. Ich glaube tatsächlich, wir brauchen einen Paradigmenwechsel, der sich auch im Begriff ausdrücken sollte: (Bücher-)Häufchen mit all dem verspielt-verrückten Sinn, den der Begriff klammheimlich mit sich trägt, drücken doch unsere manchmal ja tatsächlich verspielt-verrückte Zuneigung zum bedruckten Papier viel poetischer aus. Und was Ihre Urlaubshäufchen betrifft: sie sehen alle recht üppig aus, da scheint sich tatsächlich viel angesammelt zu haben. Ich kann da nichts empfehlen – allein den „Kompass“ könnten wir in west-östlich verbundener Virtualität gemeinsam lesen. Und zum Glück habe ich die Häufchen recht genau inspiziert und habe tatsächlich Jonas Lüscher entdeckt. Da muss ich mich gleich mal genauer informieren.
    Ich wünsche dann recht gute Erholung beim Toben am Strand, beim Möwenjagen, Wellenanheulen und Fischbrötchenvertilgen, Claudia

  3. Vom 1. bis 8.? Mit ein wenig gutem Willen und Konzentration sind da doch alle zu schaffen! Und ich würde Ihnen dann für eines der internationalen Häufchen gerne noch einen Isländer hinterher schicken… Genießen Sie See, Wind und – die Lektüre! Ihr Wolfgang Schiffer

  4. So eine schöner Bücher-Häufchen! Am besten kurz schnuppern und dann von jedem Häufchen das mitnehmen, auf das man jetzt völlig unvernünftig die meiste Lust hat. Eine überflüssige Frau muss aber unbedingt mit, da lass ich nicht mit mir reden. Wünsche Wellen, Wind und klaren Kopf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s