Fabel

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Es war einmal ein Tisch. Der war wohl gezimmert, hübsch, jeweils an den gegenüberliegenden Seiten von gleicher Länge. Eben ein Tisch, wie sie überall herumstehen und Menschen daran sitzen. Nein, es war ein schöner Tisch und seine Besitzer seinetwegen sehr stolz. Und eigentlich wäre an dieser Stelle Schluss und das Ganze keine Geschichte. Der Tisch würde, bis er zerfällt, in diesem oder jenem Raum stehen, die Leute würde an ihm Platz nehmen und auf ihm Kaffee- oder Olivenölflecken hinterlassen, welche seine Besitzerin mit feuchtem Lappen immer wieder auf’s Neue zu beseitigen hätte.

Die Geschichte beginnt an dem Tag, als der Tisch eitel wurde. Denn es wurde eine Fernsehkamera auf ihn gerichtet, nicht direkt auf ihn, aber er dachte es sich anders. Da saßen lediglich an ihm TM und JE, mit ihnen wurde gesprochen und es lief dabei die Kamera. Nur dem Tisch wurde dabei immer wärmer. Und wie der Kameramann immer wieder versuchte, die Szenerie ins beste Licht zu setzen, setzte wiederum dem Tisch sehr zu. Es ginge um ihn, dachte da der Tisch, TM und JE wären lediglich Kulisse. Nicht allein Menschen verhalten sich mitunter recht eigenartig, wenn Scheinwerfer und Kameras auf sie gerichtet sind.

Gegenwart:

Und wir, denn wir sind die Besitzer dieses Tisches, müssen jetzt mit den Folgen leben, dass wir das Fernsehen ins Haus geholt haben. Er zickt und entwickelt Ambitionen. Wir halten uns dagegen gut und fangen nicht zu spinnen an. Aber der Tisch, der gibt seit dem Tag deutlich kund, was in seinem Sinne ist, was nicht und wie er sich die Zukunft (seine oder unsere gemeinsame) vorstellt. Dass er natürlich zum Film möchte, hat er schon hier und da angedeutet. Er meint, jetzt, da er entdeckt wurde, sei es nur eine Frage der Zeit. Wir sollten uns glücklich schätzen, ihn kennen zu dürfen. Natürlich wären die Zeiten vorbei, dass wir einfach Dinge auf ihm abstellen können. Er muss auf die Makellosigkeit seines Aussehens achten.

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Die Tiere müssen deshalb runter, die Zuckerdose darf erstmal bleiben.

Starallüren, jetzt schon und lange, nachdem die Kameras ausgeschaltet sind. Nur ein Tisch, das ist nicht mehr. Im Lichte der Scheinwerfer scheint man mehr zu sein und schwer ist es für Tische, Stühle, Milliardäre, wieder auf ein gesundes Maß herunterzuschrumpfen und nur zu sein.

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Schneemann, Kleiner

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Sie sind in der Angelegenheit unschuldig. Schnee fiel reichlich. Es war ihnen einfach Freude, behandschuht ihn direkt auf dem Weg in die Welt zu setzen. Dann zogen sie mit ihrem Schlitten weiter. Und er stand da, es wurde dunkel, Nacht. Wir konnten nicht Wache halten. Mussten heim. Er blieb auf sich allein gestellt. Wenn er hochhaushoch aufgekugelt worden wäre, so groß sind keine Stiefel, ihn niederzutreten. Aber so klein er war, hatte er sicherlich nicht unbegründet Angst in der Nacht, ein böser Bube (meist sind’s immer Buben) würde nebenbei treten und aus wär’s gewesen. Oder frühmorgens die orangene Putzliesel, die keine Unterschiede macht, hätte ihn auf- und weggewischt. Fort.

Aber es ging dann doch den natürlichen Gang und Milde nahm ihm das Leben, vielleicht ein wenig schnell, mag sein.

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Und dann war allerdings mit dem Schneemann -Kleiner-, auch seine Angst verschwunden. Denn man hat Angst nur, wenn man ist.