Ute Cohen – Satans Spielfeld (Septime Verlag)

… souverän in der Lüge, zügig im Gebet …

 

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Am Ende blieb ich ratlos. Ratlos, aber beeindruckt.

Der Satz „ich habe es gerne gelesen“ passt hier nicht. Der kleine Teller mit Pralinen, die Tasse Tee, der bequeme Sessel, ausreichend Licht, ein schönes Bild, schöne Lektüre. Vor allem anregende Gedanken wie wohlriechende Seife.

Dann aufstehen, den Rechner aufklappen, es fällt einem etwas ein, es war sehr stimulierend, man tippt’s und teilt’s, gut ………… sollte so sein. Schön wäre das.

Ein täuschend angenehmes Setting, Baggersee, Eisbecher, Schallplatten, eine Fahrt nach Italien, zum Wohlfühlen, eine schöne Jugend im katholischen Bayern Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre, La Boum. Und man(n) hat Sophie Marceau im Kopf.

Doch es ist nicht Nabokovs Lolita, keine von Hamiltons kleinen Französinnen. Es ist kein Raum für Phantasie(n). Was diese Idylle zum Einsturz bringt, wird drastisch geschildert. Es wird nichts weggelassen. Es bleibt nichts übrig.

Die junge Marie und der Vater ihrer Freundinnen. Das wird an dieser Stelle nicht nacherzählt. Auch nicht erzählt der eigene voyeuristische Blick beim Lesen. Dass man das Buch gerne hätte an die Wand werfen wollen und trotzdem weiterlas. Marie kann die Beziehung nicht beenden, sich auch nicht anvertrauen, den Freundinnen nicht, der sozial angeschlagenen Familie nicht, Niemandem. Alles gerinnt zur Maske, ihre Kindheit geht verlustig. Sie gehört ihm.

Liebe ist Sexualität. Das lernt Marie. Das ist nicht viel. Und mehr bleibt ihr nicht. Sie kommt von Bauleitner nicht los, dem (Über-)Mächtigen. Die Versuche, an anderer Stelle Liebe zu erfahren, mißlingen.

Darf das Literatur sein? Ist es kunstvoll erzählt? Hat noch Jemand Fragen? Keiner?

Ich müsste noch sagen, dieses Buch ist wichtig, ist dies trotz seiner literarischen Qualitäten, seiner Ästhetik und höre mich dabei an wie die Sonntagsbeilage, vorletzte Seite. Und auf der letzten das Kreuzworträtsel, der Witz der Woche und die Lottozahlen.

Das Buch lässt mich so also einigermaßen ratlos und beunruhigt zurück. Das ist, will ich mir einreden, nun keine völlig zu mißachtende Qualität von Literatur.

Neben der Unterhaltung und dem Eskapismus natürlich.

Ute Cohen – Satans Spielfeld (Septime Verlag, 2017)

 

 

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Ein Gedanke zu “Ute Cohen – Satans Spielfeld (Septime Verlag)

  1. Lieber Clemens, ihr habt es gewagt, seid das Risiko eingegangen, meinen Roman zu präsentieren! Dafür danke ich euch von Herzen! Ich bin froh, dass mein Verleger Jürgen Schütz euch (und mich natürlich auch;-)) entdeckt hat. Lieben Gruß Ute

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